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Full text of "Ein deutsches geistliches Liederbuch: Mit Melodien aus dem XV. Jahrhundert ..."

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Ein deutsches 

geistliches Liederbuch 

mit Melodien 

aus dem XV. Jahrhimdert 

nach 
einer Handsolirift des Stiftes Hoheufurt 



Wilhelm Bäumker, 

Doctor der Thsolagie. 

Hit eioer Tafel. 



Leipzig 

Druck und Verlag von Breitkopf & Härtel 
1895. 



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3l4 



Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten. 







Vorwort. 



Das Liederbuch, welches ich hiermit der Öffentlichkeit über- 
gebe, ist Eigenthum des Cistercienserstiftes Hohenfurt in Böhmen. 
Ich fand dasselbe notirt im Fachkataloge der musikhistorischen Aus- 
Stellung von Deutschland und Österreich-Ungarn in Wien 1892, S. 60. 
Auf mein Gesuch an den Prior des Klosters um nähere Auskunft 
über die Handschrift sandte mir der Bibliothekar P. Raphael Pavel 
r^ nach einiger Zeit eine kurze Beschreibung derselben. Aus dieser 

^ ersah ich, daß das Liederbuch mit der Handschrift identisch war, 

>o aus welcher Kehrein in seinem Werke >Die ältesten katholischen 
7^ Gesangbücher« (H. Bd. 1860, S. 694) zwei Lieder* mitgetheilt hat. Ich 

C^ bat nun das Kloster um leihweise Überlassung der Handschrift, die 
mir bereitwilligst zugestanden wurde. 

Seit dem Anfange der sechziger Jahre war die Handschrift im 
Kloster vermißt worden.** Man wußte über den Verbleib derselben 
nichts, bis kurz vor der Eröffnung der genannten Musikausstellung 
in Wien die Witwe des verstorbenen Eegierungsrathes Franz Ludwig 
Mittler in Kassel das Liederbuch an das Kloster zurückschickte. 

Während dieser Zeit war im Jahre 1886 der Hymnologe G. M. 
Dreves in Hohenfurt gewesen, hatte aber das Liederbuch nicht vor- 
gefunden. Ebenso erging es später einem andern Forscher, Dr. Wolkan 
aus Czernowitz. Derselbe schreibt in seiner »Geschichte der deut- 
schen Literatur in Böhmen« 1894,111.8.219: »Um so werth voller 
scheint eine Handschrift gewesen zu sein, deren Verlust wir erst in 
neuerer Zeit zu beklagen haben. Diese Handschrift, aus der Kehrein 
zwei Lieder mittheilt, ist zur Zeit nicht mehr in Hohenfurt. Der 

* Nr. I und XL in diesem Buche. 
** Jedenfalls hatte man dieselbe verliehen, ohne Notiz davon zu nehmen. 



IV 



Verlust derselben ist für die Geschichte des katholischen Kirchen- 
liedes sehr zu bedauern.« 

Glücklicherweise hat sich die Sache anders gestaltet. Die Hand- 
schrift ist in den Besitz des Klosters zurückgelangt und wird jetzt 
weiteren Kreisen zugänglich gemacht. 

Den Grundsätzen, von welchen ich bei der Herausgabe einer 
ähnlichen Handschrift : > Niederländische geistliche Lieder nebst ihren 
Singweisen«* ausging, bin ich treu geblieben, namentlich deshalb, weil 
mein hochverehrter Lehrer und Freund, der allzufrüh dahingeschie- 
dene Professor Dr. Crecelius (t 13. Dec. 1889) dieselben mir angegeben 
hatte. Ich behandele demnach die Handschrift als Urkunde und gebe 
den Text und die Singweisen wort- und notengetreu wieder mit allen 
Inconsequenzen der Orthographie. Den kritischen Apparat, Wort- und 
Sacherklärungen bringen die Anmerkungen am Schlüsse des Buches. 
Offenbare Schreibfehler sind berichtigt und unter dem Texte ver- 
merkt. Nur hier und da ist ein Wort, welches zu fehlen scheint oder 
ein Buchstabe, der im Dialekt ausgefallen ist, in [ ] eingefügt worden, 
um den Sinn der Stelle klarzulegen. Die Abkürzungen im Abdrucke 
wiederzugeben, halte ich für zwecklos, zumal, wenn ihre Auflösung 
ganz unzweifelhaft ist. Nur an wenigen Stellen, namentlich am 
Schlüsse der Verse ließ ich dieselben stehen, um den stumpfen 
Keim äußerlich mehr hervortreten zu lassen. 

Die Abkürzungszeichen, welche vorkommen, sind die gewöhn- 
lichen: 

vb' = über. 

vo' = vor. d^ oder de' = der. 

v'gangen = vergangen. 

nü = nun. 

vö = von oder vom. 

herrn = herren ; legn = legen. 

nemen = nemmen (nehmen). 

kömen = kommen. 

pelibm = peliben. 

xpüs = Christus. 

ihüs = Jhesus. 

9 

Damit an den Liedern nicht nur Gelehrte, sondern auch weitere 
Kreise sich erfreuen können, und um den Lesern die Mühe, welche 



* Vierteljahrschrift für Musikwissenschaft 1888. 



mir die Entziffening der Handschrift verursachte, zu sparen, habe ich 
eine moderne Interpunktion hinzugefügt und die Melodien in das 

bekannte Fünfliniensystem mit dem i^-Schlüssel eingetragen. 

Als Beitrag zur Geschiciite des geistlichen- bezw. Kirchenliedes, 
sowie der religiösen Literatur des XV. Jahrhunderts überhaupt ist 
die Handschrift von nicht geringer Bedeutung. Auch in musikalischer 
Beziehung ist dieselbe werthvoU. Der Schatz der deutschen geist- 
lichen und weltlichen Singweisen aus der Vorzeit wird theils durch 
eine Anzahl meistens sehr schöner Melodien vermehrt^ theils erhalten 
wir bei bereits bekannten Singweisen die ältere Fassung. Ebenso 
dürfte in sprach- und kulturgeschichtlicher Hinsicht die Handschrift 
die Beachtung der Fachgelehrten verdienen. 

Allen denjenigen, welche mich bei meiner Arbeit unterstützt 
haben, statte ich hiermit meinen aufrichtigen Dank ab, vor allem dem 
Subprior und Bibliothekar des Stiftes Hohenfurt Herrn Pater Ra- 
phael Pavel, für die Übermittelung der Handschrift. Ferner danke 
ich dem Herrn Universitätsprofessor Dr. Max Roediger und meinem 
verehrten Freunde Herrn Gymnasialoberlehrer Dr. Joh. Bolte in 
Berlin für freundliche Hilfeleistung bei sprachlichen Schwierigkeiten, 
dem letzteren noch besonders für die Unterstützung bei den Quellen- 
nachweisen und bei der Korrektur, schließlich auch meinem verehrten 
Freunde Herrn Dr. E. Jacobs, Archivrath in Wernigerode, für die 
aus der Fürstl. Stolbergischen Bibliothek mir gesandten Bücher und 
einige Winke und Rathschläge. 

Rurich, Post Baal, den 25. Oktober 1895. 
Hbz. Aachen. 

Der Herausgeber. 



Inhalt. 



Seite 

Vorrede iii 

Einleitung ix 

Die Jngendgesehiehte Jesn in Liedern. 

Nummer 

I. Ain rueff von dem engelischen grus 4 

II. "Wie der engel den hiertten erschain 5 

III. Von den dreyen künigen 5 

IV. Wie sie von Jherusalem gen Bethlehem czugen 6 

V. Wie sie der steren weyst zu dem kindlein Jhesü vnd jm opfferten . 7 

VI. Wye die künigk wider haim czugen 7 

Vn. Wye man das kind in den tempel trug 8 

VIII. Wie Herodes die kindlein tött, vnd Joseph Jhesum in Egypten flocht 8 

IX. In ainer andern weys der englisch grus 9 

X. Von der gepurd Christi, auch in diser weys 11 

XI. Von den dreyen künigen, auch in diser weys 13 

Die Passion. 

XII. Ainen rueff von dem gantzen leyden Christi, mitlauffund die schmerczen 

Marie. Auch von Anfang mit der flgur Abrahams 16 

XIII. Von dem leyden Christi 17 

XIV. Wye er einrayt an dem palmtag 18 

XV. Von dem schmerczen Marie czw Bethania 19 

XVL Wie die Juden an dem mitboch des herren piten gen Jherusalem . . 20 

XVII. Das abendessen 21 

XVm. Als nun der herr den jüngeren het dye füssz gewaschen 21 

XIX. Wye er an den ölpergk gieng . 22 

XX. Wie er czw seinen jungem gieng 23 

XXI. Als Judas nun dem herren het den kus gegeben vnd jn dargab. . . 24 

XXII. Wie er für Annam ward gefürt 25 

XXIII. Wie er für Caypham ward geführt 25 

XXIV. Von dem schmerczen Marie, als nun ir sun gefangen ward 26 

XXV. Wie er für Pylatum ward gefürt 27 

XXVI. Wie er für Herodem ward gefürt vnd wider czw Pilato 29 

XXVII. Die gayslung 29 



Nummer 

XXVIII. 

XXIX. 

XXX. 

XXXI. 

XXXII. 

XXXIII. 

XXXIV. 

XXXV. 

XXXVI. 

xxxvn. 

XXXVIII. 
XXXIX. 



— VII — 

Seite 

Dye krönung 30 

Ecce homo 30 

Dag vrtayl .' 31 

Dy ausfüerung 32 

Pye abczihung pey dem krewcz .' . . . 32 

Dy aufrichtung des krewcz 33 

Als er nun hieng an dem krewcz 34 

Als noch der herr hieng an dem krewcz vnd lebt 34 

Als nun dy sei von dem leichnam was geschaiden . '. 35 

I N R I 36 

Wie man jn ab dem krewcz nam vnd in das grab legt 36 

Wie er abfuer czw der hellen 37 



Lieder Ton der Bekehrung des Sünders. Geistliehe Lieder 

in weltlichen Weisen. 

XL. Wach auf, dw Sünder, schwacher man 38 

XLI. Stand auf, dw armer sünder 40 

XLII. Nun schmuck dich, sünder, schmuck dich 41 

XLIII. Wol auf, mein sei, gehab dich wol 42 

XLIV. Wohin, wohin? ker wider vmb 43 

XLV. Was thustu, sünder, hie 44 

XLVI. Wolauf, wir wellens wecken 45 

XL VII. Der sünder, der sünder 45 

XLVIII. O Sünder, wie, wes wartz dw hie 47 

XLIX. Ich klag mich armen sünder 48 

L. Ich schrey vnd rüeff auf erden 49 

LI. Wol auf, auff wer sich schaiden well ; 52 



> Geistliche Reihenlieder 



53 
55 

56 
57 

58 
59 



LH. O Sünder, grosser sünder 

LIII. Nun ich pin frisch 

LIV. Nun hört zu disem rayen 

LV. Was singt ir kindlein auf dem plan . . 

LVI. Ir pitt, das ich euch singen sol . . . . 

LVII. Ir tanczer vnd spranczer. weit, weit 

LVIIL Gehab dich wol 61 

LIX. Wo ich hinker auf diser erd 62 

LIX*. Wo ausz musz ich hinkeren 63 

LX. O nymmermer, die weyl ich leb auf erd 64 

LXI. Wolauf, wer pas well wandern 65 

LXII.' Fleuch, fleuch wider haim 67 

LXIII. Hyet ich die gnad 68 

LXlV. Nun loben wir die himelküniginne 69 

LXV. Ich siech den margensterne 70 

LXV». Ich siech den tag her leichten 71 

LXVI. O Maria, wir dich hie anrüjffen 72 

LXVII. Ich rüff czw dir, o junckfraw, mit pegier 73 

LXVIII. Am jüngsten tag 73 



— VIII — 

W.eihiiaclitslieder. 

Nnmmer Seite 

LXX. Jherusalem, erfreyd dich nun 75 

LXXI. Ain kind gepom zu Pethlehem 76 

LXX IL Es ist gepom ain kindelein, nun singen wir fro, fro 77 

LXXIII. Es ist geporn ain kindelein, erfreyet euch 78 

Der gelstliehe Garten. 

LXXIV. Ein gartt, ain edler garten 79 

Krlppenlieder. 

LXXV. Wolauff loben wir das kindelein 81 

O Jhesu, heiligs kindelein $2 

Vnser hailer ist hie 82 

LXXVI. Nun halt mir schan, dw frewnt der mein 82 

Halt mir noch lenger, frewnt der mein 83 

Pys vnuerdrossen, halter mein 83 

Osterlieder« 

LXXVII. Erstanden ist der heilig Crist 83 

LXXVIII. Erfrey dich, himelkünigin 84 

Schlnsslied. 

LXXIX. Es ist nun alls vergangen 84 

Anmerkungen 86 

Alphabetisches Verzeichnis der Lieder und Melodien 97 



Einleitung. 



Das Liederbuch, eine Papierhandschiift, 14 cm hoch und 10 cm 
breit, ist in einen Holzband gebunden mit gepreßtem Pergament- 
rücken. Auf Blatt 1 steht eine später eingetragene Notiz: > Dieses 
Liederbuch ist ein Eigenthum des Cisterzienser Stiftes Hohenfurt in 
Böhmen, es enthält 128 Textblätter und 13 leere Blätter«. Darunter 
findet sich ein aus neuerer Zeit herrührender Stempel: »Stiftsbibliothek 
Hohenfurt«. Auf der Kehrseite des ersten Blattes stehen die beiden 
Melodien zu dem ersten Liede (Rufe) »Nun rüffen wir mariam an«. 
Blatt 2 enthält zunächst die Worte: »Monasterii Altovadensis«. Dann 
folgt der Text des ersten Rufes. Oben und unten auf diesem Blatte 
stehen zwei ältere Stempel: »Biblioth. Altov.« 

Die Handschrift enthält jetzt noch die oben angegebene Zahl 
von 128 beschriebenen und 13 leeren Blättern. Die Faginirung ist 
aber vorgenommen worden, als das Liederbuch bereits in Folge starken 
Gebrauches defekt geworden war. Es fehlen Blätter nach Blatt 3 
und Blatt 99. Nach dem Blatte 79 ist das Blatt 80 eingeklebt, welches 
aber nicht dahin gehört. Hier muß das Blatt 114 folgen, und das 
Blatt 80 gehört vor das Blatt 100. Die Schrift besteht aus Minuskeln, 
geschrieben mit schwarzer Tinte. Der Anfang eines neuen Liedes 
ist vom Schreiber durch Majuskeln kenntlich gemacht, die theilweise 
mit rother, theilweise mit schwarzer und rother Tinte geschrieben sind. 
Beim Beginn der Strophen stehen ebenfalls größere Buchstaben. Die 
einzelnen Zeilen einer Strophe haben, wenn sie nicht abgesetzt sind, an 
ihren Anfangsbuchstaben rothe Striche. Zumeist sind die Zeilen aber 
al^esetzt, und auch hier finden sich oft roth gezeichnete kleine An- 
fangsbuchstaben. Li der vorliegenden Publikation kann man die roth 
markirten Buchstaben daran erkennen, dass sie groß geschrieben sind. 

Die Handschrift macht den Eindruck eines viel gebrauchten 
Buches. Namentlich von Blatt 105 an, wo die Marienlieder beginnen, 
sind die Blätter sehr schmutzig. Die Schriftzüge deuten auf einen 
Schreiber hin, der sich von Blatt 125^ an einer anderen (feineren) 



X 

Feder bedient haben mag. An einzelnen Stellen finden sich Zusätze 
von zweiter Hand, auf die ich an Ort und Stelle aufmerksam machen 
werde. Das Liederbuch zerfällt in zwei Haupttheile. Der erste Theil 
(Bl. 1 — 64) enthält sogenannte Rufe; zunächst (Bl. 1 — 11^) von der 
Verkündigung des Engels, der Geburt Christi und den heiligen drei 
Königen u.s. w. mit zwei Melodien. Dann folgt (Bl. 12 — 24) eine Bear- 
beitung dieser Rufe in einem anderen Versmaße mit einer Melodie. 
Blatt 24 scheint ein Bildchen aufgeklebt gewesen zu sein, das aber 
entfernt worden ist. Daran schließt sich (Bl. 24^ — 64) ein Ruf vom 
gfOnzen Leiden Christi, der in verschiedene Abschnitte zerfällt, mit 
zwei Melodien. Die Worte »Vater in deine hend enpfilch ich meinen 
geiste« haben eine besondere Melodie. Der zweite Haupttheil der 
Handschrift enthält (Bl. 65 — 125) »geistliche Lieder in weltlichen 
Weisen von einem groszen sünder«. Darauf folgen (Bl. 125^ — 129^) 
Weihnachts- und Osterlieder und (Bl. 130) ein Schlußlied. Die Lieder 
'fiind alle in der Reihenfolge abgedruckt, in welcher die Handschrift 
sie bringt, mit Ausnahme von einigen bekannten lateinischen Liedern : 
»Dies est leticie:in ortu regali« (8 Strophen ohne Melodie. Vgl. Mone, 
Lät. Hymnen des M, A. I, 1853. Nr. 47. Wackernagel, Das deutsche 
•Kirchenlied I, 1864, Nr. 332). Die Reihenfolge der Strophen ist diese: 
1) Dies, est letioie, 2) Orto dei filio, 3) Mater hec est filia. 4) In obs- 
curis nascitur, 5) Angelus pastoribus, 6) Ut vitrum non leditur, 7) Orbis 
dum describitur, 8) Christe qui nos propriis. Daran schließt sich 
(Bl. 121) eine Verbindung der Lieder »Resonet in laudibus« mit dem 
»Magnum nomen Domini« (ohne Melodie) in folgender Weise: »Re^ 
sonet in laudibus« (Wackernagel, Kirchenlied I, 350, 1), »Apparuit«, 
»Magnum nomen Domini« (Daselbst I, 349, H). Nach der Wiederholung 
des »Hodie apparuit« folgt die Strophe: »Qui creavit omnia, nascitur 
ex femina, omni cum potencia«, sodann die Strophen: »Qui regnat in 
ethere«, »Natus est emanuel«, »Syon lauda dominum«, »Ergo nostra 
concio«, jedesmal mit dem Refrain »Apparuit« (Daselbst Nr. 353, 
Str. 3, 5, 4, 8). 

In der Handschrift finden sich auch drei Federzeichnungen. 
Die erste auf Blatt 78 soll die Worte illustriren »Hie klagt sich der 
geuangen arm sünder, verknüpft und verczogen in den stricken der 
sunt, dardurch er het verloren /den herren«. Das Bild zeigt uns einen 
Teufel in menschenähnlicher Gestalt mit Theilen und Attributen vom 
Bock (Hörner, Schwanz) und Raubvogel (Krallen an Händen und 
Füssen). Durch Augen angedeutete Gesichter kommen vor auf dem 
Bauche, dem Rücken und an den Beinen (hier mit Schwanenköpfen). 
Einen Gelehrten (Doctor) hält der Teufel an Händen und Füßen 
niit Stricken gefesselt. Das Barett,, welches der Doctor trägt, hat 
noch die alte einfache Gestalt. Di6 Füße sind bekleidet mit spitzen 



— XI — 

Schnabelschuhen. Aehnliche Teufelsfiguren findet man im Bilder-' 
katechismus aus dem 15. Jahihunderte^ herausgegeben von Job. 
GefFcken. Leipzig 1855.* 

Das zweite Bild (BL 114, welches aber auf Blatt 79 als Bl. 80 
folgen muß) dient zur Erklärung der Worte »Mer ward der sünder 
ser petrübt vnd klagt sein gar armes verdämpliches leben, wan jn die 
gewanheit nicht wolt auf lassen, so getorst er auch nicht wol mer zw 
dem herren schreyen, vmb das er jm oft het verhaissen, er wolt es 
nymmer thain, vnd viel doch oft hinbider vnd hueb an czw klagen 
vnd schreien, wie her nach stet«. Im Hintergrunde ist eine Buxg 
gezeichnet. Vor der Brücke steht die Figur des weinenden und 
klagenden Doctors, der seine Hände kreuzweise über die Brust zu- 
sammenlegt. Er kehrt soeben reuevoll aus der Burg (dem Sinnbilde 
der Welt) zurück, in die er sich wieder verlockea ließ. 

Das dritte Bild (Bl. 86) dient zur Veranschaulichung der Worte 
»Hie schied der sünder von der weit vnd vberwand sich«. Der Hinter- 
grund zeigt wiederum die Burg, umgeben von Sträuchern und Blumen. 
Ein junger Weltbürger (fahrender Schüler ?) hat dieselbe soeben ver- 
lassen und bringt seine Freude darüber dadurch zum Ausdruck , daß 
er die Arme ausbreitet und mit den Füßen zum Tanze sich anschickt. 
Die Bilder 2 und 3 scheinen mir jüngeren Datums zu sein (Ende des 
XV. Jahrhunderts), weil die Figuren später aufjgeklebt und die An- 
fänge der Perspektive schon bemerkbar sind. 

Was den Inhalt der Lieder unserer Handschrift angeht, so 
finden wir im ersten Theile derselben die Schilderung der Jiigend- 
.geschichte des Heilandes und seines bitteren Leidens und Sterbens. 
Daß Volk sollte aus dem Vortrag derselben Belehrung schöpfen über 
.das Leben Jesu und dadurch zur »Andacht und Besserung des Lebens« 
angereizt werden**. Die Erzählung ist zum größten Theile der heiligen 
Schrift entnommen ; manches ist jedoch nicht biblisch und gehört der 
christlichen Tradition an. Die Passion ist in vielen Partien ungemein 
anziehend und ergreifend dargestellt. Dies mag wohl darin seinen 
Grund haben, daß der Dichter, gerade wie Tauler in seinen geist- 
reichen Betrachtungen des Lebens und Leidens Christi, es verstand, 
sich mit ganzer Seele in das Leiden des Herrn zu vertiefen und das- 
selbe dem Gefühle aller nahe zu bringen. Dabei ist die Sprache oft 
kräftig und realistisch, oft zart und gern üth voll. 

Auf die Gestaltung der Lieder im zweiten Theile der Handschrift 
hat die christliche Mystik des Mittelalters ihren bestimmenden Ein- 
fluß ausgeübt. Die folgenden Zeilen mögen dazu dienen, dem Leser 
das Verständnis zu vermitteln. 



* Siehe das Facsimile. ** Vgl. die Bemerkung zu dem Liede Nr. XII. 



— XII — 

Den Grundgedanken der christlichen Mystik haben bereits Dien 
nysius, der Areopagite, gegen Ende des fünften und Scotus Erigena 
im neunten Jahrhundert ausgesprochen. 

Der Letztere lehrt etwa Folgendes: Das wahrhafte Sein der 
Creatur ist deren ideelles Sein, d. h. deren Sein in Gott. Durch die 
Existenz in dem Materiellen ist dasselbe negirt: folglich hat der Mensch 
mit Negation alles dessen, was zu seiner materiellen Existenz gehört, 
sein Sein in Gott wieder herzustellen. Diese Wiederherstellung ist 
möglich gemacht durch Christus, denn, indem der Sohn Gottes sich 
in das Materielle herunterbegeben und dasselbe negirt hat, hat er 
eine solche Negation dem Geiste überhaupt möglich gemacht und so 
den Menschen in den Stand gesetzt, sein ideelles Sein wieder herzu- 
stellen« (De divis. nat. V, 39 in Wetzer 's und Weite's Eirchenlexikon 
VII. Bd. 1851, S. 445). Diesen Gedanken führten die deutschen 
Mystiker, besonders Tauler (f 1361) und Suso [f 1366), deren Schriften 
dem Verfasser unserer Lieder wohlbekannt sind, weiter aus. Suso 
sagt z. B. : »Ein gelassener Mensch muß 1) entbildet werden von der 
Creatur, 2) gebildet werden mit Christo und 3) überbildet werden in 
die Gottheit« (Leben und Schriften, herausgegeben von Diepenbrock. 
4. Aufl. 1884, S. 128). Das erstere geschieht, wie die Mystiker sich 
ausdrücken, auf dem Wege der Reinigung (via purgativa), das 
zweite auf dem Wege der Erleuchtung (via illuminativa), das dritte 
auf dem Wege der Einigung (via unitiva). 

Den Weg der Reinigung beschreiben die Lieder XL bis LI. 
Der Sünder wird durch eine innere Stimme ermahnt, aufzustehen 
vom Schlafe der Sünden, Buße zu thun und die Welt zu verlassen. 
Es entspinnt sich ein gewaltiger Kampf zwischen dem äußeren und 
inneren Menschen, das ist: zwischen der Sinnlichkeit und Vernunft. 
Das Gewissen ist erwacht und warnt den Sünder. Die Prediger 
schildern ihm die Schrecklichkeit der Höllenstrafen. Er entschließt 
sich, zu Gott zurückzukehren. Aber die Gewohnheit will ihn nicht 
gehen lassen, sie macht ihn rückfällig. In seiner großen Noth wendet 
der Sünder sich nun an die Himmelskönigin. Maria verhält sich 
anfangs seinen Klagen gegenüber ablehnend, weist ihn aber schließ- 
lich hin auf ihr Eond, den Erlöser. Diesen ruft er nun um Hülfe 
an, auf ihn vertrauend nimmt er Abschied von der Welt und über- 
windet sich. 

Jetzt befindet sich der Sünder auf dem Wege der Erleuchtung 
durch Christus, dem er seine Bekehrung zu verdanken hat. Er er- 
zählt den Verlauf derselben andern Sündern und Weltkindcrn, um 
auch sie zu bewegen, sich zu Gott zu kehren. Jubelnd verkündet er 
ihnen seine große Freude über den Erlöser, den er als das leuchtende 
Beispiel hinstellt, das alles beherrscht, und sucht Jung und Alt zur Liebe 



— XllI — 

zu ihm hinzureißen und zur Nachfolge anzuregen. Darauf halt er 
der Welt, der auch er einstens angehörte, eine gewaltige Strafrede. 
Doch auch auf dieser Stufe ist der Mensch noch vielen Versuchungen 
ausgesetzt. Tiefe Seelenleiden befallen ihn und nehmen ihm jeglichen 
Muth. Indessen, der Herr hilft ihm wieder auf, und der Mensch 
bereut seine Schwäche (Nr. LH bis LX). 

In den nun folgenden Liedern (LXI bis LXVIII) ist der Weg 
zur Einigung geschildert. Der Bekehrte lenkt den Flug seiner 
Seele zu dem himmlischen Vaterlande und den Freuden der seligen 
Himmelsbewohner. Das sehnliche Verlangen nach der Vereinigung 
mit Gott und der Himmelskönigin ruft in ihm eine heilige Begeisterung 
hervor und seine Poesie steigert sich hier zu seltener Schönheit. Den 
Schluß bildet ein Lied vom jüngsten Gericht, weil erst nach diesem 
die Vereinigung des Menschen mit Gt)tt in der vollkommensten Weise 
(nach Leib und Seele) sich vollzieht. Es folgen noch Weihnachts- 
lieder, ein geistliches Lied von einem Garten, Krippen- und Aufer- 
stehungslieder und das letzte Lied des Dichters vor seinem Ende 
(Nr. LXXIX). 

Die Sprache der Handschrift ist der bayrisch-österreichische 
Dialekt in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Meiner 
Ansicht nach ist das Liederbuch nicht Original, sondern die Copie 
einer andern Handschrift, angefertigt von einem Mönche des Klosters 
Hohenfurt in Böhmen. Die Gründe dafür sind folgende: 

Nr. II, 3 steht der Reim: 

Der engel gottes pey jn stuend 
mit grosser klarhält sie ymschain. 

Im Original wird jedenfalls >staind« gestanden haben, wie I, 41, 
wo »staind« und >schain« reimen. Vgl. auch Nr. XXXV, 36. 

Nr. XLVn, 2, 1 lautet ein Reim: 

Die diefl, die tiefl, 

die werden sein sein kurczweil. 

Das Original wird wohl »kurczwil« gehabt haben. 

Nr. LI, 7 steht: 

Siech mich noch an, wildw mich lan, 
0, wie machstu mir das gethiien! 

Statt »gethuen« wird wohl >gethan« dagestanden haben. 

Nr. XLI, 12, 1: 

Das klag ich an mein ende 
o dw, mein sei, mit mir! 



— XIV — 

Im Original wird wohl gestanden haben »unz an mein ende«, 
d. h. bis an mein Ende. 

Eine einheitliche Orthographie ist nicht vorhanden. Im Gegen- 
theil bemüht sich der Copist, die Mannigfaltigkeit seiner Schreibweise 
zur Schau zu stellen. Das zeigt sich namentlich bei Wiederholungen 
von Worten und Sätzen. Man vergleiche z. B. im Liede Nr. LVIII die 
dritte und vierte Zeile jeder Strophe. 

Der Strophen- und Versbau ist sehr mannigfaltig. Wir haben 
zwei- bis fünfzehnzeilige Strophen in der Handschrift. Die Mehrzahl 
bilden die vierzeiligen Strophen. Bei den einzelnen Versen kommt, 
weil wir es hier mit Accentversen zu thun haben, nur die jedesmal 
fest bestimmte Zahl der Hebungen in Betracht. Die Senkungen 
können variiren, d. h. es können deren mehr oder weniger sein als 
Hebungen. Durch die Melodie wird der Wechsel in den Senkungen 
ausgeglichen, weil für alle Fälle Noten genug vorhanden sind. Sollten 
zuviel Noten da sein, weil eine Senkung fehlt, so verbindet man 
zwei Noten auf einer Hebung. Nehmen wir beispielsweise das 
Metrum der Rufe und vieler anderer Lieder, welches gewöhnlich vier 
Hebungen und vier Senkungen zählt: 

so finden wir in demselben folgende Verse: 

Sie sdhen 6s in drmüt (Nr. V, 8). 

oder 

Es liget da in drmüt (Nr. LXXI, 5, 1). 

oder 

Nun schmuck dich, Sünder, schmück dich (Nr. XLII, 1, 1). 

Die vierte Senkung ist hier ausgelassen und zwar mit Absicht, 
weil es nicht gegen die Regel war. In anderen Versen fehlt die 
erste Senkung: 

Offen stet das himel tör (Nr. XLII, 1, 3). 

Es wäre verfehlt, wenn man in derartige Verse Flicksilben zur 
Ergänzung des Metrums einschieben wollte. In den älteren Dichtungen, 
z. B. in Hartmann's »Armem Heinrich«, in Wolfram^s »Parzival«, 
im Nibelungenlied kommen Verse mit fehlenden Senkungen oft vor. 

Die Reime sind meistens sehr unrein: Assonanzen und identische 
Reime kommen häufig vor, wahrscheinlich aus dem Grunde, weil 
der Dichter für den Vollreim nicht das passende Wort finden konnte; 
dagegen ist der poetische Gedanke oft sehr schön. 

Wer der Verfasser der Lieder im ersten ThQÜe der Handschrift 
ist, lässt sich nicht sagen,, weil eine daraufbezügliche Bemerkung nicht 
vorkommt. Die Lieder im zweiten Theile rühren von einem »groszen 



— XV 

Sünder« her, der zwanzig oder dreißig (dreiunddreißig) Jahre der 
Welt diente und sieh dann zu Grott kehrte*. Nach den Federzeich- 
nungen auf den Blättern 80 und 114, die allem Anscheine nach den 
großen Sünder darstellen sollen, war er kein Geistlicher, sondern ein 
Laie: Gelehrter (Doctor). Er steht auch für seinen Stand ein, denn 
in der vierten Strophe des Liedes, welches die Strafpredigt für die 
Welt enthält (Nr. LVII), stellt er die Gelehrten mit den Gerechten 
auf eine Stufe und gibt ihnen Hoffnxing auf die ewige Seligkeit; 
während in der zweiten Strophe desselben Liedes die geistliche Welt 
schwer angeklagt wird. Nach einer Bemerkung auf Blatt 124 ist 
der >grosze Sünder« Dichter aller Lieder im zweiten Theile der 
Handschrift: »Vnd die lieder alle (an den garten) gen auf den vor- 
gemelten sünder. Got jm gnad hie vnd dort ewicklichen. Amen«**. 
Damit wären also die Lieder gemeint von Blatt 65 bis 125 oder die 
Lieder Nr. XL bis LXXIV, ohne das Lied von dem Garten.. Auch 
die lateinischen Lieder »Dies est laetitiae«, >B.esonet in laudibus« 
und >Magnum nomen Domini« werden wohl auszunehmen sein. 

Der große Sünder war ein nicht unbegabter Dichter, der in seinen 
Liedern die schönsten Seelenschilderungen, niedergelegt hat, indem 
er uns alle Freuden und Leiden eines von Gott geschiedenen und 
zu ihm zurückgekehrten Herzens offenbart. Seine Sprache ist eine 
so edle, naive und gemüthvolle, dass man sich unwillkürlich davon 
angezogen fühlt. Sehr ergreifend durch den kräftigen Realismus sind 
seine Lieder von der Hölle (Nr. XL VH) , von dem damaligen traurigen 
Zustande der Welt (Nr. LVH) und vom jüngsten Gericht (Nr. LXVIII), 
während andere Lieder, namentlich die Lieder an die heilige Jung- 
frau, sehr zart gehalten sind und einen großen Reichthum schöner 
Gedanken und Bilder entwickeln. 

Singweisen enthält die Handschrift im ganzen 38. Davon wieder- 
holen sich die Melodien Nr. LH bei Nr. LXXIV und Nr. LX bei 
Nr. LXVXL Im ersten Theile finden sich fünf Ruf-Melodien. 
Diese wurden so vorgetragen, wie man von Alters her die Litanei 
von allen Heiligen in der katholischen Kirche zu singen pflegt. 
Entweder singt ein Vorsänger die Anrufung und der Chor, oder das 
Volk die Antwort, z. B.: 

V.: Pater de coelis deus! 
Ch.: Miserere nobis! 

oder, wie es am Charsamstage und den Bitt-Tagen (vor Christi 

* Vgl. die Vorbemerkung zum II. Theile und die Äußerungen in den Liedern 
XLI, 11; LH, 5 und LIII, 7. 

** Die Worte »an (ohne) den garten« sind von späterer Hand hinzugefügt. 
Die ganze Bemerkung ist mit rother Tinte überstrichen, um sie unleserlich zu 
machen. 



— XVI — 

Himmelfahrt) vorgeschrieben ist: der Vorsänger singt die Anrufung 
mit der Antwort, und der Chor oder das Volk wiederholt beides: 

V.: Pater de coelis deus, miserere nobis! 
Ch.: Dasselbe. 

In derselben Weise sang bei Processioneh ein Vorsänger: 

Nun rüffen wir Mariam an! 

Das Volk antwortete: 

Ave Maria! 

Vorsänger: Als ir der grus vom himel kam. 
Volk: Pit got für vns Maria! (vgl. Nr. I.) 

So zu singen wird wohl Regel gewesen sein bei allen Rufen, 
die mit einem Refrain versehen sind. 

Die andere, duplizirende Art des Vortrages wird bei solchen Rufen 
Anwendung gefunden haben, die ohne Refrain sind. 

Nr. IX unserer Sammlung wurde demnach in folgender Weise 
gesungen: 

Vorsänger: Nun loben wir, der uns peschueff! 
Volk: Dasselbe. 

Vorsänger: Und seinen sun mit disem rueff! 
Volk: Dasselbe. 

u. s. w. bis zum Schlüsse. 

War die Procession sehr groß, sodass ein Vorsänger dieselbe mit 
seiner Stimme nicht beherrschen konnte, so traten mehrere Vorsänger 
an verschiedenen Stellen ein. Der erste gab dann dem zweiten, 
dritten etc. durch Erhebung eines Stabes das Zeichen zum Beginn 
einer neuen Strophe, bezw. Zeile. 

Der zweite Theil der Handschrift enthält »geistliche Lieder, doch 
in weltlichen Weisen«. Die weltlichen Lieder des Mittelalters 
hatten vielfach anstößige Texte. Um diese zu beseitigen und die 
meistens sehr schönen Melodien zu retten, kam man auf den Ge- 
danken, die weltlichen Texte geistlich umzudichten unter Bei- 
behaltung der weltlichen Singweisen. Man nannte diese geistlichen 
Parodien »Contrafacta«. Als Dichter solcher Lieder ist bekannt 
Heinrich von Laufenberg, Priester zu Freiburg im Breisgau und seit 
1445 im Johanniterkloster zu Straßburg. Der Verfasser der Lieder 
unserer Handschrift, der ebenfalls wünschte, dass das Volk »der 
groben Lieder Sag von sich abwerfen möge«* dichtete Contrafacta 
auf die folgenden weltlichen Lieder »Wol auf, wir wellens wecken« 
(Nr. XL VI), >Wär ich ein Falk, so wolt ich mich aufschwingen« 



* Vgl. Nr. LIII, 16, 2. 



— XVII — 

(LXIII), »Ich siech den Morgensterne« (LXV), »Ich siech den Tag 
her leuchten« (LXV*). Von anderen Volksliedern nahm er nur die 
Melodien und dichtete ganz neue Texte ohne Anklänge an das welt- 
liche Lied, z. B. »Nun laube, Lindlein, laube!« (LH und LXXIV), 
»Der Meie, der Meie bringt uns der Blümlein viel« (LIV), »Wenn 
ich des Morgens früh aufsteh« (LIX). »War ich ein wilder Falke« 
(LXni). Mehr oder weniger Ähnlichkeit mit Volksliedermelodien 
fand ich bei den Nummern XLV »Es liegt ein Schloß in Osterreich«, 
LVI »Es flog ein kleines Waldvögelein«, LVII »Mein Mann der ist 
in Krieg gezogen«, LXI »Nun wend ir hören singen« (Benzenauer). 
Für eine größere Anzahl von Melodien müssen die ursprünglichen 
weltlichen Texte noch aufgefunden werden. 

Die Melodien sind eingetragen in vier roth gezeichnete Linien. 
Die Noten sind schwarze Choralnoten. Nur die semibrevis ^ und 

minima ^ kommen vor. Von den Schlüsseln fand der /-, c- und g- 
Schlüssel Verwendung auf folgenden Linien: 



- ^ ':i ^ -^ — 2t h 



^ 



g. 



I 



Das Zeichen ■ bedeutet die Pause für die -♦► , 1 , oder den 

Schluß der Zeile. Eine Tempobezeichnung findet sich nur einmal 
bei dem Liede Nr. XLI vor. Übrigens läßt sich aus den Noten sehr 
leicht erkennen, ob die Melodie im ungeraden oder geraden Takt 
gesungen werden soll. Nach der Regel »so viele Hebungen der Vers 
hat, so viele Takte hat die Melodie« wird jeder, der Lust dazu hat, 
die Taktstriche einfügen können. Die b- Vorzeichnung fehlt, wie es 
damals üblich war, bei den meisten Melodien, denen sie eigentlich 
hätte beigegeben werden müssen. In Nr. LXXIII steht einmal 1? vor 
e (««), der beste Beweis, daß am Anfange des Notensystems die |?-Vor^ 
Zeichnung vergessen worden ist. 

Um manchen Lesern das Erkennen der Singweisen nicht allzu- 
sehr zu erschweren, sind in der folgenden Reproduktion die Melodien 

in ein Fünfliniensystem mit dem A\-Schlüssel eingetragen worden. 

Die wenigen Ligaturen, die vorkommen, sind durch ein j — 5 über den 
Linien gekennzeichnet. Dadurch verlieren die Melodien ebensowenig 
ihre Originalität, wie die Texte durch Hinzufügung einer modernen 
Interpunktion. Was die Tonarten angeht, so finden sich in den 
Singweisen unserer Handschrift die beinahe hundert Jahre später 
(1557) von Glarean in seinem Dodekachordon aufgestellten Kirchen- 
tonarten bereits vor, obwohl die Theorie nur acht Tonarten kannte. 



— xvni — 

Ich setze dieselben nebst ihrer Transposition hierher: 

Grundton. Transponirt mit !? Vor Zeichnung. 

I. Dorisch Defgahcd.\-p. G ah c d ef g.) ^ 

n. Hypodorisch ah c D ef g a. ( defGahcd. J 

III. Phrygisch Efgahcde.)-^ Abcdefga.ij 

IV. Hypophrygisch hcdJEfgah. ( efgAhcde, \ 

V. Lydisch Fgahcdef.ljp B c d ef g ah.) ^ 

VI. Hypolydisch cdeFgahc. { * fg a B c d ef. \ 

VII. Mixolydisch G ah c d ef g.\ q Cdefgahc.) q 

Vin. Hypomixolydisch defGahcd. \ ' gahCdefg. \ 

IX. Aeolisch Ahcdefga.\j Defgabcd.ijy 

X. Hypoäolisch efgAhcde. ( * ahcDefga. ( 

XI. Ionisch C d ef g ah c.) q Fgahcdefij^ 

Xn. Hypoionisch g ah Cd efg. \ ' cdeFgahc. ) 

Der Grund- und Schlußton ist in den authentischen und plagalen 
(hypo-) Tonarten stets derselbe. 

Dorisch sind die Melodien XII», XIP, XLIV, XLVI, XLVII, 
L, LI, LIV, LIX, LXIV, LXV, LXVI. LXVIII, LXX. 

Phrygisch: LV. 

Lydisch: XL, XLIL 

Mixolydisch: XLI, XLIX, LU, LVI, LVIL 

Äolisch: P. LH, LIII, LXIL 

Ionisch: I^ IX, XLIII, XLV, XLVIII, LVIII, LX, LXI, LXIII, 

LXXII, Lxxm. 



Die Lieder. 



B an m k e r , Deutsches geistliches Liederbuch. 



I. 

Nnn rflffeu wir mariam an. [Bl. ib] 



a. 





-I 



ö 



L- ^-- L» --»- 



»— J -JL^ 



^♦-» 



^ 



Nun TÜf-fen wir ma-ri-am an, A - ue ma - ri - a! 




^=^~lt ♦ ^= 



I 1 



i 



f — h— ♦■ 



♦ »4- 4- 

Als ii der grus vom hi - mel kam. pit got füi 




P— ♦■ 






vns, ma - n - a! 



b. 




Nun rüf-fen wir ma-ri-am an, A - ue ma-ri - a! 




I 1 



i^^ 



K ♦ ♦ 



»=^ 



Als ir der grus vom hi - mel kam, pit got für 



i 



^ 



4=» 



vns, ma-ri - a! 



!* 



* Vergleiche dazu Nr. XII b. 



1* 



— 4 — 



Ain rueff von dem engelischen grus. [Bl. 2 a] 



1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 

13. 

14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 



Nun rüffen wir mariam an, 

als ir der g^us vom himel kam. 

Qot sand ain poten oben herab 

gen Nazareth ner in dy stat 

Zw einer junckfrawn, dy was rain, 

jn ainer czellen was allain. 

Der pot was Gabriel genant, 

ain engel aus dem obern land. 

Maria was dy magt genant, 

dem almachtigen wol erkant. 

Der pot kam zw der junckfrawn schnei, 

da er sy yant in ainer czell. 

Gar hoffenlich er sich erczaigt 

vnd gen der junckfrawn hübschlich 

naigt: 
'Aue, dw pist genaden vol, 
der herr mit dir, gehab dich wol; 
Gebenedeit Vber alle weyb. 
gese^ent ist die frucht deins leibs!' 
Dy junckfraw da vor nyder sach, 
dem engel nicht pald antburt gab. 
Der grus ir vngeböndlich was, 
vnd sich dar ab verbunden! ward: 
'Nun furcht dir nicht', der engel 

sprach, [Bl. 2 b] 
jgot mich zw dir gesandet hat. 
Dw wirst enpfahen vnd gepern, 
das menschlich schlächt erlörst sol 

werfi!' 
Maria zw dem en^l sprach: 
'nun vnderbeys mich diser sach, 
Wye das ain junckfraw müg. gepern, 
dy kainen man nye thet pegernr 
Der engl sprach: 'nicht wunder dich, 

ot alle ding sind mügelich; 
er heilig geist das würcken wirt, 

ot mensch aus dir geparen wirt. 
u wirst geperen ainen sun, 
des nam gehaissen wirt ihesus. 
Ain junckfraw dw peleiben wirst 
vor vnd auch nach, so dw jn gepierst.' 
Der engl auch mer zw ir spracli: 
'ain czaichen gib ich dir, nymbar: 
Elyzabeth, dy frewntin dein, 
ist schwanger aines kindeleins; 
Des sechs maneyd vergangen seind.' 
dy junckfraw sich des mer erfreyd. 
Als nun dy junckfraw das vemam, 
wie das von got, dem vatern, "kam: 
'Nymbar, ain diern gotes herrn, 
nach deinem wort nun mir geschech!"* 
Als pald dy junckfraw das gesprach, 
der heilig geist da würcken ward. [B1.3a] 
In irem rainen, kewschen leib 
got mit der menschait sich veraint. 



g 
S 



27. Das himlisch gspräch ain ende nam, 
der engl sich von dannen schwang. 

28. Maria schickt sich auf den weg 
hin eylund zw Elyzabeth. 

29. Mit grossen freyden zw ir kam, 
vnd grüsten aneinander schan. 

30. Johannes da jn muterleib 

gen seinem schöppfer sich erczaigt. 
31.Elyczabeth des schier enpfant 
vnd zw maria sprach zwhant: 

32. 'Von wan kumbt mir mit freyden her 
dy muter gotes vnd mein herr? 

33. Des sich Sj frucht in meinem leib 
erhebet auf vnd sich erfreyd. 

34. Gebenedeyt sey ewigkleich 

dy frucht deins rainen, kewschen leibs ! ' 

35. Maria da peleiben thet 
drew maneyd ney Elizabeth. 

36. Mit grossem vleysz sy ir da pflag 
vnd wider haim sy dar nach czoch. 

37. Joseph, der ir vermähelt was, 

ain rainer man vnd auch got forcht, 

38. Der sach mariam schwanger an, 
des wundert sich der grechte man; 

39. Wan er nicht west vm disew ding, 

[Bl. 3bl 
das got ein vater was des kindcz. 

40. Vnd haimeleich er jm gedacht, 
wie er sy nun verlassen mächt. 

41. Der engl gotz das vnderstaind, 
dem josepn in dem schlaff erschain : 

42. 'Nym hin zw dir den gemahel dein, 
vnd lass dir sy pefolhen sein; 

43. Vnd furcht dir nicht, dw pist gewys 
vm das in ir geporen ist. 

44. Das ist vnd kumbt vom heilign geist.' 
vnd jn noch mer des vnderbeist : 

45. ' Sy wirt geperen ainen sun, 
des nam genaisen wirt ihesus, 

46. Des allerhöchsten sun genant, 
der alle ding hat in der hant. 

47. Sein volck wirt er haim suchen hie, 
von iren Sünden hailen wirt.' 

48. Joseph vemam die götlich sach; 
vnbirdig er sich des gedacht. 

49. Wan er des was nun vnderbeyst, 
vnd in dem glauben wol gespeyst. 

50. Des sey dir Tob vnd er gesayt, 
got, heiligew driualtigkait ! 

51.0peys vns auch mit den gnaden dein 
hie vnd pey dir auch ewigkleich. 

52. Maria, muter, rainew magt, 
auch lob vnd er sey dir gesagt. 

53.» 

dys sye zwm ewigen leben weysz. [B1.4a] 



* Hier fehlt in der Handschrift ein Blatt. Vgl. Nr. X. 1 5, 4. 



— 5 — 



54. Maria da ir pet volpracht, 
an czweyfel sy geweret wart. 

55. Des frey sich nun der Sünder hie: 
vmb rew, peicht, pues vergeben wirt. 

56. Am himel vnd auf ertterreich 
geschahen czaichen wunderleich. 

57.1)ye pösen sünder in der nacht 
die stürben all des gäben totz. 



58. Dye engel da nicht auspelibm, 

mit lobgesangk sye nicht geschwign. 

59. Sye lobten got gar jnnigk&ich 

vnd auch dy junckfrawn, muter ßein. 

60. Nun muter, junckfraw, künigin, 
wir loben dich auch mit dem kind, 

61. Das an vns nicht verloren werd 
vor deinem kind dein trews gepet. 



n. 

Wie der engl den hiertten erschain. 



1 . Dy nacht als christus ward gepam 
die hyertten auff dem velde warn. 

2. Den got auch da in sunderbar 

sein heilicew gepurd wolt offenbarn. 

3. Der engel gottes pey jn stuend, 
mit grosser klarhält sie vmschain. 

4. Dye hiertten da erschracken* ser, 
gedachten, was ^as wunder war. 

5. Der engel sprach: 'nun furcht euch 

nicht, [Bl. 4 b] 
gross 'frey d ich euch verkünden wil: 

6. Wan heut ist vns geporen her 
Christus, der hailer, auf dy erd! 

7. Des gib ich euch ain czaichen mer: 
zw bethlehem ir vinden werdt 

8. Ain kind, in tüchl gewickelt ein, 
geleget in ain kripp hinein.' 

9. Zwhant ain grosse menig ward 
der himeliscnen ritterschaft 

10. Got lobund auf das allerhöchst, 
vnd frid der menschen auf der erd. 

11. Dye hiertten wurden vnderbeist, 
nach grosser forcht gar ser erfreyd. 

12. Vnd ainer zw dem andern sprach: 
'nun eylen wir vnd sehen das!' 

13. Sye kummen eylund an die stat, 
dar an christus geparen ward. 

14. Sye sahen da die Wunderding: 

dy junckfrawn, in der kripp das kind. 



15. Sye lobten got gar jnnigkleich, 
verkünten das gar nreydenreich. 

16. Sich freyten auch des kindeleins 
in himeien, vorhell, ertterreich. 

17. Den vättem in der vorhell grünt 
den ward da grosse freyd pekunt, 

18. Wan sye erkanten durch ain liecht, 
das ir erlöser war nun hie. 

19. Des ethlich pey fünff tausent iarn 

[BL 5 a] 

tert in der vorhell warten warn, 
lye hoften, schier erlöset wem, 
wan christus was nun hie auf erdn. 

21. Der achtist tag nun kummen was, 
das kind sein erstes plut vergasz. 

22. Nach dem geseczt man es peschnayd, 
die muter sehmerczen mit jm layd. 

23. Jhesus wart da das kint genant, 
sein nam herab vom himel kam. 

24. O ihesu, heiligs kindelein, 
nun lass vns dir pefolhen sein! 

25. Vnd junckfraw, muter, künigin, 
dw edlew kindlpetterin, 

26. Des alles wir ermanen dich, 
narmherczigklichen vns ansiech! 

27. Vnd pit für vns arm sünder hie, *■ 
nach vnserm end hilff vns zw dir! 

28. Dan loben wir dich ewigkleich 
mit deinem sun in seinem reich. 



IIL 
Ton den dreyen künigen. 



1. Nvn suUen wir petrachten mer [Bl. 5 b] 
die grossen gottes wunder werck. 

2. Als got nun mensch geparen ward, 
in Orient man czaichen sach: 

3. Ain newer stem da ensprang 

vnd leicht als wie der sunnen glancz. 

4. Des nummen in drey künigk war, [B1.6a] 
mit grossen freyden sprachen da: 

5. 'Das ist der stem, der pedeyt 
den newen künig, er vns weyst. 



6. Nun eylen wir vnd suchen jn, 
mit vnsem gaben eren jn!' 

7. Sye wurden des als ser erfreyd, 
das sie betten gelebt dy czeyt, 

8. Vnd reyten solten dem zwhoff ; 
des freytten sich die künigk hoch. 

9. Sye schickten sich mit grossem vleys, 
mit mächtigkait vnd schöner weys. 

10. Als yeder nun wegferttig ward, 
ain yedem leicht der steren var. 



* H.: erscharcken. 



— 6 



11. Mos, perg vnd tal was jn geleich, 
nacht ynd auch tag der sterii sie weyst. 

12. Got fürt sie da in seiner pflicht. 
sye assen werder truncken nicht. 

13. Sye kummen für iherusalem. 
ein dicker nebl auf sie kam. 

14. Von gottes wunder das geschach, 
der Stern sich verpergen was. 

15. Darvm die kunigk trawrten ser, 
wan sie den weg nicht westen mer. 

16. Da ainer nach dem andern kam, 
der nebl sich von dannen schwang. 

17. Sy sahen an einander an, 

ainer enpfieng den andern schan. 

[Bl. 6b] 

18. Syö sahen auch vor jn die stat, 
des sich ir hercz erfreyen ward. 

19. Ainer den andern fragen ward, 

war ymb er doch war kummen dar? 

20. Da merckten sie die ainig sach, 

ir hercz vor grossen freyden lacht. 

^1. Sye czugen zw der stat hinein; 
der Stern jn nicht mer erschain. 

22. Das volck erschrack vnd wundert ser, 
von wan solch mächtig volck kam her. 

23. Herodes auch erschrack des ser ; 
er fragt, von wan sie kämen her? 

24. Sye fragten nach dem newgeparii, 
'des ster wir gesehen habm/ 

25. Herodes des noch mer erschrack 
vnd nach dem stem er da fragt, 



26. Vnd wan er jn erschinen war. 
sye sagten jm da weysz vnd pär. 

27. Sye fragten auch mer mit pe^er: 
'wo wand der Juden künig hie? 

28. Dar vmb wir seinen kummien her, 
den anczepetten auf der erd.' 

29. Herodes jn nicht sasen kunt; 
wan jm aie ding nicht waren kunt. 

30. Herodes zw jm fadem thet 

dye fürsten, priester, gschriftgelertn. 

31. Er fragt, wo christus wurd geparii? 

[Bl. 7a] 
'zw bethlehem', gunden sie sagn. 

32. Als nun herodes das vernam, 
dem kindlein ihesu was er gram. 

33. Er fragt sie vleissigklichen mer, 
wan jn der stern erschinen war? 

34. Das thet er auf aynn falschen S3rn, 
wan er das kind ^olt nemmen hin. 

35. Vnd zw den künigen er da sprach: 
'cziecht hin gen bethlehem, die stat, 

36. Gar vleissigklich fragt nach dem kind, 
so ir das vint, mir das verkündt; 

37. Vnd auch köm vnd pett es an!' 
des freytten sich die künigk gantz. 

38. O ihesu, heiligs kindelein, 

der wüttreich gert das leben deini 

39. Dir nit vergundt, der dw da warst, 
dar vm trueg er dir neyd vnd hasz. 

40. Vor solchen herczen vns pehüet, 
des pitten wir dich durch dein gut. 



IV. 
Wie sie Ton iherusalem gen bethlehem czugen. 



1. Dye künigk wurden vnderweyst, 
mit grossen freyden wolgespeist. 

2. Sye schickten sich mer auf den weg. 
der Stern jn mer leichten thet. 

3. Dye hyertten auf dem veld da warft, 

[Bl. 7 b] 
die sahen da die grossen schar n, 

4. Den stern vor jn leichten her 

mit klarem schein ir weg vnd steg. 

5. Sye eylten zw jn mit pegier, 
vnd hueben an zw reden schier: 

6. 'In solcher klarhait sahen wir 
den engel gotz, der vns peschied: 

7. Ain junckfraw biet ain kind gepert, 
das war der hailer aller weit. 

8. Dye künigk wol erkanten das, 
das es der Juden künig was. 



9. Dye hierten sie noch fragten mer, 
wo, wan doch das geparen war. 

10. Dye hiertten sprachen da pehend: 
'nun cziecht hin ein, gen bethlehem, 

11. An allen czweyfl ir da vintt 

die junckfraw muter mit dem kind.' 

12. Mit freyden hörten sie die wart, 
die hierten sye pegabten da. 

13. Sye richten sich da zw mit vleisz 
jn irew künigklichew klayd. 

14. Mit grossen gaben, schöner er, 
zwlob dem künigk vnd zw er. 

15. Nun pitten wir dich, kind, mit 

vleys, 
den weg zw dir vns auch hie weys! 

16. So lang wir dich gefunden habin, 
mit vnsem opfern auch pegabm. 



~ 7 — 



V. 

Wie sie der stereu weyst czw dem kiudlein [Blatt 8 a] 

ihesn ynd jm opfferten. 



I.Sye Tolgten mer dem stetn ni^ch 
pys hin gen bethlehem dy stat. 

2. Das yolck erschrack vnd wunder nam, 
was sich doch wolt da vahen an. 

3. Der stem weyst sie an dy stat, 
dar an got mensch geparen ward. 

4. Ob ainer schuppfen er pelaib, 
dar vnder lag das vnser hau. 

5. Er tailt sich klar mit seinem schein 
da halber in dy hol hinein. 

6. Sye sahen da dy junckfrawn an 
jn armut vnd in schlechtem gwant, 

7. Vor ain esel vnd auch rind 

vnd in der krippen auch das kind. 

8. Sy sahen es in armut. 

das edl kindlein nam für gut. 

9. Dye künig sat^mten sich nicht mer 
vnd eylten sw den schäczen ser. 

10. Sye giengen mit einander ein, 
der steren da als klar erschain. 

11. In was recht wie in ainem fewr, 
erschricken, vorcht was jn nit tewr. 

1 2. Sye Westen nicht, wie jn da was, 
vergassen aller grossen gab. 

13. Von gottes wunder das geschach, 
ein yeder nicht mer opfern ward, [Bl. 8 b] 

14. Dan jm von erst kam in die hant: 
gold,weyrach,mim, die gschriftverkünt. 

15. In ward zw oppfem also gach, 
in grosser andacht das geschach. 

1 6. Ir hercz jnnbenig prinhen gund, 
die gnad sie hetten von dem kind. 

17. Dye junckfraw, muter, künigin 
sasz pey der krippen mit dem kind. 



18. Sein hewplein mit der h&nt erhueb. 
die künig traten da hinczüe. 

19. Sye sahen da die wunder an 
vnd kusten vor die e?dßn schan. 

20. Mit vleys ir oppfer legten da 

der rainen junckfrawn auf die schosz. 

21. Dye juncknaw m da naiven ward: 
'got gnad euch:' siti^klichen sprach. 

22. O junckfraw, muter, künigin, 

nun hilff vns auch sw deinem kind, 

23. Das wir jm oppfem leib vnd sei, 
all vnser trüebsal hie auf erd! 

24. Vnd vns des hie auch wirdig mach, 
von seinen wegen leyden das! 



25. Als nun das alles ward volpracht, 
dar vm sie au^ieczogen warn, 

26. Vnd als sie got het dar geweist 

an hunger, durst, i^n alle speys, [61.9a- 

27. Nun hueben sye sw essen an 
ir nottürft hinmr an vnd an. 

28. Sye sagten auch da offenbar, 
warumb sie waren kummen dar. 

29. dw gar falsches Juden gschlächt, 
wie dw deinn hailer hast verschmächt 1 

30. O dw erstocktes, stainenis volck, 

dw west wol vnd nicht wissen woltzt ! 

31. Noch hewt bey tag, dw plinter jud, 
vil czaichen siechst vnd hörst die nun, 

32. Noch nyemantz dich erbaicken kan. 
far in die hell fQran vnd an! 

33. Herr, vns pehüet vor disem val, 
wan wir gelauben gantz vnd gar. 

34. In dem dw vnser end peschlews, 
vmb vnser sünd vns nit verlews! 



VI. 
Wye die känigk wider halm ezngen. 



l.Nun Süllen wir petrachten mer 
die grossen gottes wunderberck. 

2. Als nun der dienst da ward volpracht, 
die künig pflagen da der rast. 

3. Sye schickten sich hin wider haim; 
der steren jn nicht mer erschain. 

4. Was sie got fürt in dreyczehn tagn, 
czway iar hin wider musten habm. 

5. Ain antburt jn jm schlaff erschain: 

[Bl. 9 b] 
ain ander weg sie czügen haim 



6. Vnd zw herodes kamen nicht, 
wan er das kind wolt nemmen hin. 

7. Mit freyden schieden sie von dan, 
mit grosser arbait durch die land. 

8. Wan das an vrsach nicht geschach, 
got sein gepurd wolt offenoarn. 

9. Herodes da petrogen ward, 

dem kindlein trueg er neyd vnd* ha?. 

10. Vnd in der czeyt, so schickt sich das, 
zw ram der kayser sein pedarft. 



* H.: vns hat. 



— 8 — 



11. Gar eylund er jm pot vnd schraib. 
herodes czway iar auspelaib. 

12. Dye czeyt des kindleins nye vergasz, 
er biet es dan vertilget ab. 

13. Maria da die virczigk tag 
des iren kindleins jnnen lag 

14. Vnd stät an diser stat pelaib 

vnd pey der kripp ir kindlein sewgt. 

15. Ein yeder mensch sol mercken das, 
nicht das sy des notturftig was. 



16. Nun sewg den hailer, künigin, 
erfreyd dich, muter, deines kindcz! 

17. Nun schmuck vnd truck jn an dein 

hercz, 
den schöpffer himels vnd der erd! 

18. Erbirb vns gnad vm vnser schuld 
vnd ewigklichen dort sein huld! 

[Bl. 10 a] 

19. Wan er dich, muter, nicht verczeicht; 
jn allen nötten ste vns pey! 



VII. 
Wye man das Und in den tempel trug. 



1 . Nun sullen wir nicht lassen ab, 
die schönen dind petrachten gar. 

2. Als nun die tag erfiület warn, 

das kind man solt in tempel tragii. 

3. Man trueg es gen iherusatem 
nach dem geseczt des moysens. 

4. Man trueg auch mit dem kindelein 
czway junge turteltewbelein. 

5. Vnd ee das kind in tempel kam, 
herr Symeon das vor vernam. 

6. Wan er was grecht vnd auch got förcht. 
der heilig geist jn jm das warcht, 

7. Das er nicht säch den seinen tod, 
er säch dan ihesum christum vor. 

8. Als nun das kind in tempel kam, 
herr Symeon das zw jm nam; 

9. Mit grossen freyden es enphieng, 
mit andacht in den armen hielt. 

10. Er sach auch da dy muter an 
vnd gab ir auch das zwuerstan, 



11. Wye das ain scharffes, spiczig seh wert 
durchtringen wurd ir hercz vnd sei. 

12. Vnd des erschrack dy künigin, [Bl. 10b] 
wan sy must leyden mit dem kind. 

13. Als nun die ding volendet warn, 
die zw den dingen da gehörtii, 

14. Ir kind maria zw ir nam, 

gen Nazareth czoch wider haim. 

15. Maria anderthalbes iar 

mit irem kind da wanen war. 

16. O, wer kan doch gedencken da, 
wie maria des kindleins pfiag! 

17. Mit grossen freyden thet sy das, 
in kainer czeit verdrossen was. 

18. Maria da auch nyemantz wolt, 
der das für sy ausrichten solt. 

19. Sy thet es selb mit allem vleys. 
ain yedew muter lern dapey. 

20. Des alles wir ermanen dich, 
maria, vnser nicht vergis! 



vm. 

Wie herodes die kindlein tött, rnd Joseph ihesnm 

in egipten flocht. 



1. Herodes nicht des kintz vergas, 
als er von ram nun kommen was. 

2. Mit grossem vleys er nach jm fragt, 
das er es fund vnd tötten macht. 

3. Der engel gotz Joseph erschain : 
'nun nym das kind vnd muter sein, 

4. Zewch mit jn in esippen hin, 

pys ich dir widerumb verkünn. [Bl. IIa] 

5. Wan hie herodes süecht das kind, 
das er es wolt vertilgen hin!' 

6. Joseph sich hueb da auf zwhant 
vnd czoch hin in egippen land, 

7. So lang jn wider ward verkündt. 
herodes da verlosz das kind. 

8. Da ihezus in egippen kam, 
dye abgötter vielen ab zwhant: 



9. Wan er was da, got, mensch vnd herr, 
der allain angepet solt werii. 

10. Herodes jn jmse[l]b ergrumbt, 
das er das kind nicht finden kunt. 

11. Wan er jm forcht, er wurd vertribni, 
dar vmb maint er dem obczelign: 

12. Er lies tötten in bethlehem 
vnd allenthalben vm die end 

13. AUew die kind pey czwayen iarn 
jn mitt vnd dye dar vnder warn 

14. Er lies die suchen gantz mit vleys, 
sein grosser neyd jn dar zw weyst. 

15. Er maint, er biet gefunden das, 
dem er trueg solchen neyd vnd has. 

16. Da flocht in Joseph vor von dann, 
des wütrichs wil wart da verdampt. 



— 9 — 



17. Dye klag der müter was da gros, 
dye czäher irew wane pegas. 

18. Der kindlein in der czale warn [Bl. 1 Ib] 
jr hundert thausend vnd auch warn 

19. Ir vier vnd vierczigk thawsent mer; 
die wurden alle da ertött. 

20. Als nun der wüttreich das volpracht, 
vm ihesas wiUen das geschach: 

21. Das ewig leben er jn gab. 
nach seinem leyden jn das ward. 

22. Herodes auch ain ende nam, 
pey dem dan alle poshait wandt. 

23. In pittrigkeit er sterben gund, 
pegraben in der helle grünt. 



24. Vor der pegrebnüsz vns pehüet 

das kindlein ihesus durch sein gut! 

25. Nun ihesu, heiligs kindelein, 
wir rüffen an den namen dein! 

26. Yerlass vns nicht jm jamertal, 
jn angsten, nöten vnd in quäl! 

27. Genad vns herr, got, mensch vnd kind, 
parmherczigkleidi vns nym von hynn! 

28. Allain dir, got, zw lob vnd er 
schick vnser leben hie auf erd! 

29. Nach disem end das ewig lebm, 
amen, das vns das werd gegebm! 



Der lange Ruf mit seinen zweizeiligen Strophen wurde von einem Vorsänger 
vorgetragen. Nach jeder ersten Zeile sang da^ Volk'. nAue Maria« und nach Jeder 
zweiten npit got für vns, maria«. Die beiden Singweisen {äolisch und hypoionisch) 
sind sehr volksthümlich gehalten und so eingerichtet^ das die variirenden Senkungen 
in den Verszeilen ausgeglichen werden können. 




IX. 
In ainei andern weys der englisch grus. 

Nvn loben wir, der Tns peschueff. [Bl. I2a] 

4--+ . r-^-M- 



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Nvn lo-ben wir, der vns pe-schueff, Vnd sei-nen sun mit 




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di-sem rueff, Dem er nicht mer für vns wolt v-ber-se- 




hen, Er wolt jn senden her auf dy-sew er - den. 



1 . Nvn loben wir, der vns peschueff, 
Vnd seinen sun mit disem rueff, 
Dem er nicht mer für vns wolt Vber- 
r sehen, 

Er wolt jn senden herauf dysew erden. 

2. Er sand ain poten oben herab [Bl. 12 b] 
Gen Nazareth her in dy stat 

Zw ainer junckfrawn, die er jm hies 

grüssen 

Mit götlichen, gar schonen warten 

süssen. 



3. Der pot was gabriel genant, 
Ain engl aus dem oberii land. 

Her zw der rainen junckfrawn kam 

er schnelle, 
Da er sy vand allain in ainer czellen; 

4. Der engl durch verschlosnew tüer 
Kam da ein zw der junckfrawn schier. 
Schan, jnnigklichen thet er sich er- 

czaigen 
Vnd gen der junckfrawn hoffenlichcQ 

naigen : 



10 — 



5. 'Aue, dw pist ^enaden vol, 

Der herr mit dir, gehab dich wol, 
Dw pist gesegent t^ber alle weybe, 
Gesegent ist dy frucht auch deines 

leibes !* 

6. Dy junekfraw da vor nyder Bach, 
Dem engl nicht pald antburt gab. 
Gros wunder nam dy edel, rain vnd 

süsse 
Ab disem vngewändelichen grüssen. 

7. 'Nun furcht dir nicht', der engel 

sprach, 
'Got mich zw dir gesendet hat; 
Aus dir wil er ain mensch geparen 

werden, [Bl. 13 a] 
Dar durch das menschlich gschlächt 

erlost sol werden.' 

8. Dy junekfraw zw dem engel sprach: 
'Nun vnderbe^s mich diser sacn. 
Wie das ain junfraw müg ain kind 

geperen, 
Dy kaynen man erkant, noch nye ge- 

geret!' 

9. Der engl sprach: 'nicht wunder dich, 
Got alle ding sind mügelich. 

Der heilig geist wirt herab in dich 

kommen, 

Vnd got die menschhait hie von dir 

wirt nemmen. 

10. Dw* wirst geperen ainen sun, 
Des nam gehaissen virt ihesus. 

Des allerhöchsten sun wirt er gehaisen, 
Dw vor vnd nach ain junekfraw wirst 

peleyben.' 

1 1 . Der engl auch mer zw ir sprach : 
'Ain czaichen gib ich dir, nymbar: 
Elyzabeth, dein frewntin, hat enpfan- 

Tregt ainen sun, des sex maneyd ver- 
gangen.' 

12. Als nun die junekfraw das vernam, 
Wye das von got, dem vatern, kam, 
Sy sprach: 'nymbar, ain diern gottes 

herren, 
Nach deinem wart nun mir gescheh 

vnd werde!' 

13. Als pald dy junekfraw das gesprach, 

[Bl. 13 b] 
Der heilig geist da wQrcken ward. 
In irem rainen, kewschenlichen leybe 
Thet sich got mit der menschait da 

verainen. 

14. Das himlisch gspräch ain end da nam ; 
Der engel sich von dannen schwang. 
Zw Nazareth lies er dj junckfrawn 

rainen. 
In irer czellen lobt sy got mit freyden. 

1 5. Maria schickt sich auf den weg 
Hin eylund zw Elyzabeth. 



Schon an einander syc pegunden 

grüssen 

Mit grossen freyden vnd mit warten 

süssen. 

16. Ir payder freyd da gross erschain 
Vm das, das sich ffot het veraint. 
In muterleyb Johannes sich thet 

naygen, 
Gen got vnd seinem scheppfer sich 

erczaigen. 

17. Elyzabeth des schier enpfant 
Vnd sw maria sprach zwhant: 
'Von wan kumpt mir dy muter meines 

herren, 
Des sich dy frucht jn mir erfreyd als 

sere?' 

18. Maria da peleiben thet 
Drew maneyd pey Elizabeth. 

Mit ganczem vleys pegund sy ir da 

pflegen [Bl. 14a] 
Vnd widerumb gen Nazareth sich heben. 

19. Als vor ee, ee vnd das geschach. 
Dem Joseph sy vermähelt ward, 
Der ir da pfläg in rainigkait mit vleyse ; 
Wan er was rain, gerecht, klueg vnd 

auch weyse. 

20. Da nun dy czeyt her nächnen ward, 
Maria nun gros schwanger was. 
Das merckt Joseph vnd sich des was 

verbundern ; 
Haimlich gedacht, wie er von ir möcht 

kummen. 

21. Der engl gotz das vnderstaind. 
Dem Joseph in dem schlaff erschain: 
'Joseph, ein sun dauitz', er zw jm 

spräche, 
'Nym hin zw dir mariam deinen ge- 

mähel ! 

22. Vnd furcht dir nicht, dw pist gewys ! 
Wan das in jr geparen ist. 

Das ist vnd kumbt her von dem hei- 
ligen geiste.' 
Der engl jn noch mer des vnderbeyset: 

23. 'Sy wirt geperen ainen sun, 
Des nam gehaissen wirt ihesus. 
Sein volck wirt er von iren Sünden 

hailen ; 
Wer jn wirt suchen, dem sein gnad 

mittailen. 

24. Joseph vernam die götlich sach, 

[Bl. 14 b] 
Vnbirdig er sich des bedacht; 
Wan er was des nun afles vnderbeysset 
Vnd in dem glauben wol vnd vest 

gespeyset. 



— 11 — 



24. Das sey dir lob Tnd er ^esaid, 

Got, heiligew driualtigkait! 

Verleich vns armen sündem dein ge- 

nade, 

Dar durch wir hie all ynaer sünd ab- 
tragen! 



26. Maria, himelkünigin, 
Des waren gotz geperin, 
Nun pis ermant des himelischen 

grüssen; 
Erbirb vns, das wir vnser sündt hie 

püessen! 



Die Melodie ist ionisch. Der Text ist eine Überarbeitung des vorigen Hufes 
mit verändertem Metrum in den beiden letzten Verszeilen. Dieser Huf wurde, da 
er keinen Hefrain hat, so gesungen, dass ein Vorsänger von dem Texte jedesmal 
eine Zeile vorsang und das Volk diese wiederholte. 

Die Sinaweise hat einige Anklänge an das spätere Lutherlied »Hin feste Burg« 
im ersten una dritten Satze. 



J\.m 

Ton der gepurd chrlsti, auch in diser weys. 



1 . Als got wolt mensch geparen werdn 

[Bl. 15 a] 
Vnd pey yns wanen hie auf erdn, 
Zw trost vns armen sundern vnd czw 

halle, 
In grosser lieb dy martter für vns leyden. 

2. Dye czeyt Aueustus kayser was, 
Vnd frid in aUen landen gar, 

Pey dem nun christus wolt geparen 

werden, 

Den nun maria trueg, die junckfraw 

werde. 

3. Der kayser pot vnd was pegern, 
Dye gantz weit sold bescnriben werii ; 
Vnd alles volck sich in sein stat thät 

stellen, 
Vnd sich daselb ain yeder an verhellen. 

4. Des nam jm auch da Joseph war 
Mit seim gemähel maria, 

Von Nazareth gen bethlehem hinczihen. 
Dy czeyt was hie nicht lenger sich 

verczihen. 

5. Joseph da vm dy herberg pat, 
Der wurden sye verczigen drat. 
Elentigklichen musten sie vmczihen, 
Vnder ainer schuppfen auf der gassen 

ligen. 

6. Marie tag erfüllet warn, 

Das sy den hailer sold geperii. 

Des man vor lange zeyt het zwgebarttet, 

[Bl. 15 b] 
Der wolt erschainen da, nach seinem 

wartte. 

7. Als es hin kam zw mitter nacht, 
Maria da ir kind gepar. 

Vnd das geschach fürbar an allen 

schmerczen. 
Den sy getragen het vnder irem herczen. 

8. Als wie dy sunn durchdringt das glas 
Vnd auch doch nicht verseret das: 



In solcher weys maria thet geperen 
Den sun gotz vnd ir kind, schöpffer 

vnd herren. 
9. In mitt des gesangks der engelschar 
Maria da ir kind gepar. 
O got,was]freyd vnd andacht da erschaine 
Pey disem kint vnd von der muter 

rainen! 

10. Sy wickelt es in tüchelein 

Vnd naygt es in die krypp hin ein. 
Der schepfer was der himeln vnd der 

erden. 
Der wolt also für vns eeparen werden. 

11. Maria für dy krippen knyet 

Vnd pat für vns den schepfer schier. 

Der ochs vnd esl sichdatheten naygen, 

Gen got vndirem schdpfer sich erczaigen. 

12. mensch, nun mercK die wunder hie! 

[Bl. 16 a] 
Nun merck die vnuemünftigen tyer, 
Dye da erkantten got vnd Iren herren. 
Des schäm dich, sünder, wo dw lebst 

auf erden! 
13. '^leh pit dich, herr got, sun vnd kind!' 
Sprach maria, dy künigin, 
'Durch den willen pist kummen her 

auf erden, 
Das die all durch dein gut pehalten 

werden. 

14. Mer, got vnd sun, so pit ich dich, 
Wan aller ding ein herscher pist, 
Dw wellest kainen menschen nicht 

verczeihen, 
Pitt er vm notturft, jm das zw uerleichen. 

1 5. Zwm dritten mal, so pit ich dich, 
Ain gegenburff aller säHgkeit pist 
Vnd allen menschen gnad vnd lieb 

west geben, 
Dye sie da pringen zw dem ewigen 

leben.' 



12 — 



16. Maria da ir pet yolpracht. 
An czweyfl sy geweret ward. 

Des frey dien, sünder hie, hab rew 

auf erden, 
Somügendir dein sunt vergeben werden. 

17. Am himel vnd auf ertterreich 
Geschahen czaichen wunderleioh; 
Vnd auch der frid was gantz in allen 

landen. 
Die grossen sünder gächling ab ver- 

sancken. 

18. Dyeenglda nicht auspelibm, [Bl. 16 b} 
Mit lobgesang sie nicnt geschwigii. 
Sye lobten ^ot vnd auch die muter rainen, 
Das er sich mit der menschait het 

verainet. 

19. Dy nacht, als christus wart geparn. 
Die hierten auf dem velde warn, 
Die ires viechs mit huet da gunden 

warten, 
Den got auch sein gepurd wolt offen- 
baren. 

20. Der engl gottes pey jn staind. 
Mit grosser klarheit sie vmschain. 
Vor grossen forchten sye pegunden 

schweigen, 
Pys sye der engl trösst vnd vnderweyset. 

21 . Der engel sprach : nun furcht euch nicht ! 
Gross freyd ich euch verkünden wil: 
Wan hewt ist vns geparen auf dy erden 
Christus, der hailer, got vnd vnser herre ! 

22. Ain czaichen, des vememmet mer. 
In bethlehem ir vinden werdt: 

Ain kind in tüchl eingebickelt sehet 
Vnd das da in ein kryppen ein geleget !' 

23. Zwhant ain grosse w menig ward 
Der himeliscnen ritterschaft: 

'Nun lob vnderseygot jm allerhöchsten 

[Bl. 17a] 
Vnd frid den gutbilligen hie auf erden T 

24.Dye hierten wurden vnderbeyst 
Vnd in dem glauben wolgespeist, 
Wansiedieengelvnd die wunder sahen, 
Dye hymelischen ritterschaft got loben. 

25. Vnd ainer zw dem andern sprach: 
*Nun eylen wir vnd sehen das!' 

Gen bethlehem pegunden sie vast gaben. 
Damit sye pald die wunder gottes sähen. 

26. Sye kummen eylund an die stat. 
Daran christus geparen wart. 



Mariam vnd den josenh sye da sahen 
Vnd auch das kind, das in der krypp 

da la^e. 

27. Sye lobten got gar jnnigkleich, 
Verküntten das gar freydenreich. 

Zw irem viech sye wider gunden keren, 
Wan sye die wunder hetten nun gesehen. 

28. Sich freytten auch des kindeleins 
Im himel, vorhell, ertterreich. 
Dietheten sich mit lob gen got erczaigen 
Vnd sich mit grossen fremden gen jm 

naigen. 

29. Den vättem in der vorhell grünt [Bl. 17 b] 
Den ward auch grosse &eyd pekunt, 
Wan durch ain liecht da wurden sie 

erkennen, 
Das ir erlöser in dy weit was kommen. 

30. Des ethlich pey fünf thausend iarn 
Da in der vinster warten warn 

Vnd auch zw got auf in die himel 

schrieren, 
Dye hoften da erledigt werden schiere. 

31. Der achtist tag nun kommen was, 
Das kind sein erstes plut vergasz. 
Nach dem geseczt pegunt man es pe- 

schneyden ; 
Sein nam hies ihesus, der für vns wolt 

leyden. 

32. Der junckfrawn, mutern, künigin, 
Der erst schmercz da ir hercz durch 

gieng. 
Mit sambt dem kind must sy den 

schmerczen leiden. 
Damit sy vnsem schmerczen hulff ver- 

treyben. 

33. Nun muter, junckfraw, künigin, 
Dw edlew kmdlpetterin ! 

Wir pitten dien aus jnnigklichem 

herczen, 

Dw weitest von vns wenden allen 

schmerczen. 

34.0 ihesu, heiligs kindelein! 
Wir rüffen an den namen dein, 
Von ganzem herczen, diemütigen siten, 

[Bl. l«a] 
Durch deiner muter willen wir dich 

pitten, 

35. Das wir dich alczeyt loben hie 
Vnd dort auch ewigklich pey dir. 
Des hilff vns, ihesu, durch dein heiligen 

namen ! 
Wer des pegert,^der Sprech mit and acht: 

Amen. 



13 



XL 
Ton den dreyen kflnigen, auch in diser weys. 



1 . Da got nun mensch geparen ward, 
In Orient man czaichen sach. 
Ain newer steren sichdathet erczaigen, 
Mit klarem schein von oben her sich 



naisen. 



^.^Des nummen jn drey künig war, 
Mit grossen freyden sprachen da: 
*Das ist derbstem, der vns thuet pe- 

dewten ; 
Dem newen künig wir vns nun pe- 

raytten !' 

3. Sye wurden des als ser erfreyd, 
Das sye hetten gelebt die czeyt, 
Das sye zw hon dem künigk solten 

reyten. 
Mit grossen freyden sie sich da perayten. 

4. Sye schickten sich mit grosser gab? 

[ßl. 18 b] 
Mit michelm volck vnd schöner wad ; 
Vnd west auch ainer nicht das von dem 

andern, 
Ain yeder schickt sich allain Vber lande. 

5. Als yeder nun wegferttig ward, 
Aim yeden leycht der steren var. 
Mos, perg vnd tal wart jn da alls geleiche. 
Nacht vnd auch tag der steren jn var 

leichtet. 

6. Got fürt sye da in seiner pflicht. 
Sye assen weder, trunken nicht, 
Noch auch ir viech sye nicht pegunden 

speysen. 
Got wunderlichen sye zwjm thet weysen. 

7. Sye kummen für iherusalem, 
Ain dicker nebl auf sye kam. 

Der steren sich vor jn da het verpargen, 
Des trawrten sie vnd wurden da jn 

sargen. 

8. Da ainer nach dem andern kam. 
Der nebl sich von dannen schwang. 
Dy stat iherusalem sie vor jn sahen. 
Da mainten sie, zw finden den geparen. 

9. Sye sahen an einander an ; 
Ainer enpfieng den andern schan, 
Wie wol sie nicht vor an einander 

kantten;[B1.19a] 
Wan sie warn ferr von dreyen frömden 

landen. 
10. Ainer den andern fragen ward, 
Warvmb er doch war kummen dar. 
Da merckten sie, das es da was ain sache. 
Von grossen freyden da ir hercz gund 

lachen. 



11. Sye czugen zw der stat hinein. 
Der steren jn nicht mer erschain. 
Das volck erschrack vnd nam des gar 

ser wunder, 
Von wan solch mächtig, gross volck her 

war kummen. 
12. Herodes auch erschrack* des ser; 
Er fragt, von wan sie kämen her. 
Sye fragten nach dem künigk new- 

geparen. 
Des steren sie in Orient da sahen. 

13. Herodes des noch mer erschrack 
Vnd nach dem stern er da fragt. 

Zw welcher czeyt er jn doch war er- 

schinen. 
Sye gunden jm da alle ding erkünnen. 

14. Sye fragten auch mer mit pegyer: 
'Wo wand der Juden künigk hie, 
Den anzwpetten wir dan her sein 

kummen T 
Herodes schwayg; wan er nicht west 

dar vmmen. 

15. Herodes zw jm fodern thet [Bl. 19 b] 
Dye fürsten, priester, gschriftgelert. 
Von jn er forscht, wo christus wurt 

geparen. 
'Zw bethlehem', pegunden sye jm sagen. 

16. Als nun herodes das vernam, 
If Auf ihesum christum was jm gram. 

Haimlich zw jm hies er die künigk 

kummen; 

Er rett mit jn aus falschem hercz en 

gründe. 

17. Er fragt sie vleissigklichen mer, 
Wan jn der stern erschinen war? 
Wan er gedacht, ihesum, das kind, zw 

tötten ; 
Wie wol er sprach, er wolt [es] auch 

anpetten. 

18. Vnd zw den künigen er da sprach: 
'Czyecht hin jn bethlehem, die stat, 
Gar vleissigklich thuet fragen nach 

dem kinde. 
So ir das vintt, thuet mir auch das 

verkünden, 

19. Vnd ich auch köm vnd pett es an!' 
Des freyten sich die künigk gantz. 
Sye schickten sich mer auf den weg 

mit freyden. 
Der steren jn auch wider wart er- 
scheinen. 



♦ H. : erschack. 



— 14 — 



20. Dye hiertten auf dem velde warn, 
Sye sahen da die grossen schäm 
Vnd auch den stern vor jn her erleichten. 

[Bl. 20 a] 
Syehueben sich vnd jn engegen eylten. 

21. Sye hueben an zw reden schier: 
'In solcher klarheit sahen wir 

Ain liecht, dar jnn der engl vns ver- 

künnet, 

Wie das ain junckfraw het gepert ain 

kinde. 

22. Dye künigk wol erkanten das, 
Das es der Juden künigk was. 

Die hirten sie noch weyter gunden 

fragen. 
Ja, wan vnd wo das war geparen warden. 

23. Dye hirten sprachen da nehend: 
'^un ziecht hin ein gen Dethlehem, 
Der luden künigk werdet ir da vinden. 
Die junckfraw mutern vnd pey ir das 

kinde!' 

24. Mit freyden hörten sie die wart. 
Die hirten sie pegabten da 

Vnd richten sicn da czw mit grossem 

vleyse 
In irew künigklichew klayder klayden. 

25. Sye schickten sich mit allem vleys. 
Mit grosser gab vnd schöner weys 
Dem newen künigk da zw lob vnd ere ; 
Wan sie erkanten, das kain grösser wäre. 

26. Sye volgten mer dem steren nach 

[Bl. 20 b] 
Pys hin in bethlehem, dy stat. 
Das volck nam wunder, was da wolt 

geschehen, 
Wan sie solch wunder vor nie heten 

gesehen. 

27. Der steren weyst sie an die stat, 
Daran got mensch geparen wardt. 
Ob ainer schuppfen er da was peleiben, 
Darvnderlag der Schöpfer vnd der hailer. 

28. Er tailt sich klar mit seinem schein 
Da halber in die hol hin ein. 

Sye sahen da die junckfrawn mit dem 

kinde 
Vor ainem esl vnd vor ainem rinde. 

29. Sye sahen es in armut. 

Das edl kindlein nam für gut. 

Dye künigk gunden zw den schäczen 

eylen; 
Dem kindlein sie ir oppffer wolten 

raichen. 

30. Sye giengen mit einander ein. 
Der steren da als klar erschain, 

Das sie vor forchten alles des vergassen 
Vnd Westen nicht, was sie da solten 

fassen. 
'6 1 . Von gottes wunder das geschach, 
Ain yeder nicht mer opffem ward. 



Dan in die hend jm was von ersten 

kummen: [Bl. 21 a] 
Gold, weyrach, myrn, thut gschrift 

verkünden. 

32. In wardt zw opffem also gach ; 
Mit grosser andacht das geschach. 

Ir hercz in jnbenigklichcn th«t prinnen. 
Die gnad sie heten von dem newen kinde. 

33. Dye muter, junckfraw, künigin, 
Sasz pey der kryppen mit dem kind. 
Sein newplein nut der hant jm gund 

erhaben : 
"^Dye künigk kummen da mit iren 

J^aben!" 
er an 
Vnd kusten vor die erden schan. 
Der junckfrawn auf dy schoss ir opffer 

legten: 
*Got gnad euch!' naygund sy zw jn 

find sprechen, 
volpracht. 
Dar durch sye ausgeczogen warn. 
Den tag zw bethlehem sie gunden pe- 
leiben 
Vnd lobten da das kind mit grossen 

freyden. 

36. Als sie got vor het dar geweyst 
An hunger, durst, an alle speys, 
Hirfüran nun die speys sie musten 

nemmen, 
Dapey sie gottes wunder warn er- 
kennen. 

37. Sye sagten auch da offenbar, (Bl. 21b] 
Warum sie wären kummen dar; 
Auchwiesiehet der stern dar ge weys et, 
Verküntten sie dem volck mit ganczem 

vleyse. 

38. Sye schickten sich hinbider haim; 
Der steren jn nicht mer erschain. 
Was sie got zw jm fürt in dreyczehen 

tagen. 
Des musten sie czway iar hiubider 

haben. 

39. Ain antburt jn jm schlaff erschain, 
Aynn andern weg sie czügen haim, 
Vnd zw her ödes sie nicht solten keren ; 
Wan er gedächt, ihesum, das kind, zw 

stören. 

40. Mit freyden schieden sie von dann 
Vnd grosser arbait durch die land. 
Wo sie durch czugen, theten sie ver- 
künden 

Dye wunder gotz, warumb sie ausz 

wäm kummen. 

41. Herodes da petrogen ward. 

Dem kindlein ihesu trueg er hasz. 
In grossem neyd macht er sein nicht 

vergessen. 
Er biet dan jm genummen hin sein leben. 



— 15 — 



42. Vnd in der czeyt da schickt sich das, 
Zw ram der kayser sein pedarft. 

Er schraib jm zw, in kürcz vor im er- 

cheinen. [Bl. 22 a] 
Herodes da czway jar must auspeleyben. 

43. Maria da die vierczigk tag 
Ihesu, irs kindleins, jnnen lag 

Vnd auch an diser stat was stät peleyben 
Vnd pey der kryppen da ir kindlein 

sewgen. 

44. Ain yeder mensch sol mercken das, 
Nicht das sy des notturft^g was, 
Wan sy gepar ihesum an allen 

schmerczen. 
Dar ym ein yeder mensch lassz da sein 

scherczen. 

45. Wan maria, dy junckfraw rain, 
Dem ssecz wolt vndertänig sein, 
Vnd das gesecz sy auch da wolt vol- 

pringen 
Dy schon, rain, edl kindelpetterinne. 

46. Als nun die tag erfüllet warn. 
Das kind man solt in tempel tragn, 
Hin gen iherusalem sie ihesum truegen 
Vnd dem gesecz auch da geschach ge- 

nuege. 

47. Man opffert mit dem kindelein 
Czway jungew turtltewbelein. 
Damit mit andacht in den templ kummen. 
Das Symeonhetyor jmeeistyernummen; 

48. Wan er was grecht ynd auch got forcht. 

[B1.22b] 
Der heilig geist jn jm das warcht, 
Das er nit säch dentodee hie auf erden, 
Er sfich dan yor ihesum christum, den 

herren. 

49. Da nun das kind jn tempel kam. 
Her Symeon das zw jm nam. 

Mit grossen frey den gund er es enpfahen 
Vnd auch mit andacht in den armen 

haben. 

50. Er sach auch da dy muter an 
Vnd gab ir auch das zwuerstan. 
Wie das ain Schwert ir herczwurdhertt 

durchdringen, 
Vnd des erschrack dy schön, rain 

küniginne. 

51. Als nun die ding volendet warn, 
Dye zw den dingen da gehortn, 
Maria ihesum wider zw ir name 
Vnd mit jm hin gen Nazareth da käme. 

52. Maria anderthalbes iar 

Mit irem kind da wanen war. 

Mit vleys ynd grossen freyden seinthet 

pflegen 
Mit waschen, paden, sewgen vnd mit 
legen. 



53. O, wer kan doch gedencken da, 
Wie mariä des kindleins pflag 

Mit schmucken, trucken, grosser lieb 

ansehen! [B1.23a] 
Das kainer muter nymmer wirt ge- 
schehen. 

54. Maria auch da nyemantz wolt. 
Der das für sy ausrichten sold. 

Sy thet es selb so gar mit grossen freyden^ 
Das nyemantz kan noch mag dauon 

geschreiben. 

55. Herodes nicht des kintz yergas. 
Als er yon ram nun kummen was. 
Mit grossem yleys pegund er nach jm 

fragen ; 
Wan er gedacht, wie er es wolt er- 
schlagen. 

56. Der engl gotz Joseph erschain: 
*Nun nym das kind vnd muter sein, 
Zeuch in egipten, pys ich dir verkünde; 

. Herodes sucht zw tötten hie das kinde !' 

57. Joseph der hueb sich auf zwhant ; 
Und czoch hin in egippen land. 

Da syben iar negunden sie peleiben, 
Pys jn der engl wider ward erscheinen. 

58. Da ihesus in eginten kam, 

Die abgötter vieUen ab zwhant: 
Wan er was da, der angepet sold werden, 
Warr got vnd mensch vnd aller ding 

ain herre. 

59. Herodes in jmselb ergrumbt, [Bl. 23 b] 
Das er das kind nicht vinden kunt; 
Wan er jm forcht, er wurd von jm 

vertriben, 
Darumb er ye vermaint dem obzeligen. 

60. Er lies tötten in bethlehem 
Vnd allenthalben* ym die end 

Alle die kind , die pey czwain jaren 

warden, 
Dar vnder vnd in mitt geparen waren. 

61. Er lies die suchen gantz mit vleys. 
Sein grosser neyd jn dar zw weyst; 
Et maint, er biet ihesum das kind ge- 
funden. 

Dahetvor ee Joseph jm den genummen. 

62. Dye klag der müter was da gros; 

Das plut der kind it schossz pegas. 

Sye tötten jn die kind an iren armen. 

Das elend wesen macht wol got er- 
parmen. 
63. Der kindlein in der czale warn 

Ir hundert thausend, vnd auch warn 

Mer vier vnd vierczigk thausend wurden 

getöttet, 

Von iren müter n jämerlich genöttet. 



* H. : allenthaben. 



— 16 



64. Als nun der wüttrich das volpracht, 
Vmb ihesus willen das geschach, 

[Bl. 24 a] 
Der sie pehielt pys in das ewig leben ; 
Nach seinem leyden jn das ward ge- 
geben. 



65. Herodes auch ain ende nam, 
Pey dem dan alle poshait want. 
In neyd vnd pittrigkeit pegund er 

sterben 
Und in der hell nun ewigklich ver- 
derben. 



XII. 

Item ainen rueff von dem gantzen leyden christi, mitlaufFund die 
schmeiezen maiie. Auch von anfang mit der ii^ur Abrahams. 

heylige drinaltigkait. [BI. 24 b] 

a. 




t 



^=t3=S=t 



O hey-li-ge dri-ual-tig-kait, Ain wa-rer got vnd vn - ge- 




"i ♦ H-4- -y^ 



Die Melodie ist dorisch. 



taylt. ky-ri - e - ley - son. 

Item hie süUen mercken die kirchf ertter : Sich hütten, wo sie künnen vnd 

mügen vor vnnuczen, eytelen, scha[deha]ftigen Worten vnd wercken ergecz- 

lichkait sol sein, allain oder got czw lob solch rüff oder sünst schöne w 

geistlichew lied singen, die den menschen möchten rayczen czw andacht vnd zw 
pessrung ires lebens. 

Vnd zwmal so sie verr ausczugen, die da künten lesen, solche püchel mit jn 
füren vnd den andern vorsingen oder lesen. Solch kirchferter mäcnten von got 
durch das verdienen der heiligen wol ethwas erberben etc. 

[Bl. 25a] Item die da vorsingen, als oft sie ainen ruff oder ain stückel des 
leyden christi haben ausgesungen, das volck vermanen, zw sprechen ainen pater 
noster derselben mainung. 

heyligew drinaltigkait. 

b. 

! 




;iE^E? 



es 



±=^ 



O hey-li-gew dri-ual-tig-kait, ky-ry - e - ley - son, 

I 1 




♦— » ♦♦ ^ T^3a : 



Ain wa-rer got vnd vn-ge-tailt. kri-ste - ley -son. 



— 17 — 

Item ainer mag jm in dem ruff ain stückel für nemmeri) welches er wil. Es 
war dan der weg als verr, so heb er es vor an pys an das end. 

Die Melodie ist dorisch mit äolischeni ScTduss. Wenn man dieselbe eine Terz 
tiefer setzt und 7 vorzeichnet .^ hat man die Singweise des Liedes Ih, 



Von dem leyden christi. [Bl. 25 b] 



1. O Heilgew driualtigkait, 
ain warer got in ewigkait! 

2. Got yater, sun, heiliger geist, 

den weg auf zw dir dw vns weys! 

3. Thue vns erhören, deinew kind, 
dye jm dem iamertal hie sind, 

4. Das wir dich alczeyt loben hie 
vnd dort auch ewigklich pcy dir! 



5. Das leyden christi hebt sich an 
durch ain figur mit abraham. 

6. Vnd abraham het ainen sun, 
der was jm lieb vnd vnderthan. 

7. Damit versucht got abraham, 

er ruft jm, vnd er sprach zwhant : 
8. 'Herr ich pin hie, was sol ich thain?' 

got safi;t jm da die mainung sein: 
9. 'Nym hin deinn aingepamen sun 

jsaak, den dw liebest nun, 

10. Vnd opffer den, als ich dich haiss, 
auf ainem perg, den ich dir czaig!' 

11. Als abraham nun das vernam, 
den seinen sun er zw jm nam. 

12. Zwen seiner knecht auch zw jm nam 
vnd mit dem sun czoch er hin dan. 

13. Zw seinen knechten er da sprach: 
*nun jjeytet hie vnd warttet da, 

14. Wan ich wil gen mit meinem kind; 
got petten an vnd wider küm.' [Bl. 26a] 

15. Vnd abraham da pald zwhant 
ain purd des holcz zwsamen pant 

16. Vnd das dem seinen sun aufnueb. 
der sun das zw dem opffer trueg. 

17. Da sie nun kummen an dy stat, 
ain altar da perayttet ward. 



1 8. Das holcz der vater dar auf legt, 
das fewr vnd schwert in den henden hebt. 

19. Der sun den vater da ansach, 
dienmütigklichen zw jm sprach: 

20. 'Siech, vater, nun das fewr vnd holcz ! 
wo ist das opffer das reuchen sold?' 

21. 'Mein lieber sun,* der vater sprach, 
'got wirt jm wol versehen das!' 

22. Dem sun nicht Vbersehen wolt, 
er wolt jn tötten, opffern got. 

23. Der sun jm des gehorsam was 

vnd schweygund* leyden wolt den tod. 

24. Der vater seinen sun da nam 
vnd in da pald zwsamen pandt. 

25. Er legt jn auf das holcz ninauff 
vnd czuckt das Schwert, dy hant hubauf. 

26. Er wolt jn tötten got zwlob 
der engl kam vnd wert jm das: 

27. 'Nicht streck dein hant auf deinen sun, 
wan got hat dich versuchet nun!' 

28. Den en^el abraham vernam [Bl. 26 b] 
vnd sacn hin vm, da pald zwhant 

29. In ainer hecken hangen sach 
aynn wider, den er loset ab. 

30. Ffür seinen sun er jn verprant 

vnd sagt da got, dem vatern, danck. 

31. Vnd dy figur pedewtet nu^ 
den vater got, mit seinem sun, 

32. Dem er nicht Vbersehen wolt, 
allein das man jn tötten sold. 

33. Dar vmb der vater streckt sein hant 
vnd auf den sun die marter pant. 

34. Das schwert des ernst czoch Vber jn. 
der sun der led das willigklich. 

35. Des sagen wir dir lob vnd er, 
got, schöpffer himels vnd der erd! 



XIII. 
Ton dem leyden christi. 



l.Der alle ding peschaffen hat, 
verleich vns allen sein genad! 

2. Das wir jn loben ewigkleich 

hie vnd auch dort in seinem reich. 

3. Ihesum christum pegeren wir, 
des leiden wir petrachten hie. 



♦ H: schweyund. 

Bäninker, Deutsches geistliches Liederbach. 



4. Als der nun dreyssigk iar alt ward, 
vil wunderczaichen er volpracht. 

5. Von fUeber, petrys, Wassersucht 
macht er vil menschen hie gesunt. 

6. Vnd der auch plint geparen ward,[B1.27a] 
dem er das klar gesiebt auch gab. 



2 



— 18 — 



7. Ynd von den menschen er ausztrayb 
die pösen geist an alles mail. 

8. Von fünff prötem auch speysen ward 
fünf thawsendt man, jm volgten nach. 

9. Dye totten er kückt von dem tod, 
die aiismerckigen raine macht. 

10. Vil ander czaichen auch volpracht, 
da von die heilig ^schrift auch sagt. 

11. Des nummen jn die Juden war, 
jn neyd vnd has jm stelten nach. 

12. Sein 1er sie jm verachten gar, 
sein heiligs leben jn versehmacht. 

13. Sye sambten auf jn ainen rat, 
wan er der czaichen vil volpracht. 

14. Dye pischölff, gleichsner, gschrift- 

gelertn, 
wie sie den herren möchten töttn. 

15. Sye sprachen vnder ainander da: 
'nicht an dem hochczeitlichen tag, 

16. Das jn dem volck kain auflauf werd, 
vnd von den römern vertriben wern!' 

17. Cayphas, ainer ausz in, sprach: 

jr wist nit, was ir thuet noch macht; 

18. Wan pesser ist doch, ainer sterb. 
dan alles volck nun sold verderbn!' 

19. Das weyssagt er auf disen syn: 
wan Hessen sie den herren hin, 

[Bl. 27 b] 

20. Zw jm sich alles volck wurd kern, 
dar vmb riet er den tod dem herrn. 

21. Dye weyssagung dar vm geschach, 
das er für vns hie lidt den tod. 

22. Von disem tag gedachten sie, 
wie sie doch runden ainen svn, 

23. Das sye den herren l^bermäciitn 
vnd jn von seinem leben prächtn. 

24. Wan er jn oft engangen was; 
darumb pesargten sie noch das. 



25. Dye weyl die Juden schluegen rat, 

fyens ihesus gen Bethania. 
i^aselb er dan geladen was 
von Symon, den er rain het gmacht. 

27. Als ihesus nun zw tische sas, 
mit seinen lieben iungern asz, 

28. Maria magdalena net perayt 
ain edlew salben in der czeyt. 

29. Damit sy zw dem herren trat, 
die salben auf sein hawpe gas. 

30. Als das der geittig judas sach, 
in grossem neyd er also sprach: 

31. O, was sol da hie dy verlust, 
das die vergossen wirt vm sunst! 

32. Drey hundert pfenning was dy wert ; 
den armen das gegeben het!' 

33. Nicht von der armen rett er das, [B1.28a] 
wan [er] ain dieb mit säcklein was 

34. Vnd auch des herren schaffer was. 
den czehenden pfenning trueg er ab. 

35. Dar vm trueg er dem herren has, 
wan dreyssick pfenning giengen jm al*. 

36. Dar vm er tag vnd nacnt gedacht, 
wie er des geicz ein kummen mächt. 

37. Haimleich er zw den luden gie 
vnd vm das gelt den herrn verriet. 

38. Der herr ir murmeln da erkant, 
diemütigklichen er das ant: 

39. 'Was seyt ir laydsam diser hie? 
ain gut werck hat volpracht an mir, 

40. Wan dy mich hie gesalbet hat 

jn meiner pegrebnüsz hat volpracht. 

41. Dye armen pey euch haben wert, 
mich aber nicnt wert haben wern ! ' 

42. O ihesu christe, güttigs lamp, 
nymb dir zwlob von vns das gsanck! 

43. Vor judas vntrew vns pehüt ! 

des pitten wir dich durch dein gut. 



XIV. 
Wye er einrayt an dem palmtag. 



1. HErr, deiner hilf pegeren wir, [Bl. 28 b] 
das wir dich loben mit negier. 

2. Nun es geschach am palmtag 
dy czeyt des herren nahant was. 

3. Ihesus erczaigt sich wie ain herr, 
ain künig himels vnd der erd. 

4. Er schickt czwen seiner jungern hin 
in ain castel, was wider sie. 

5. Er sprach: aa wert ir vinden wern 
ain eslin, vnd dy pringt mir her! 

6. Ob euch da yemantz Sagen würd, 
dem sprecht, das sein der herr pedürff !' 

7. Dye iungern theten, als er schueff, 
vnd rürten dy dem herren zwe. 



8. Sye legten irew klayd dar auf 
vnd seczten da den herren auf. 

9. Er rayt ain zw iherusalem 
diemütigklichen vnd gar senft. 

10. Sein jungern mit jm giengen nach, 
da ward die Weissagung volpracht, 

11. Dye czacharias het verkünt: 
'dein künig dir senftmütig kümbt!* 

12. Als nun das volck vernummen het, 
das ihesus christus rayt da her, 

13. Sye gunden sich peraytten auf 
vnd lieffen jm engegen ausz. 

14. Sye puten jm da grossew er 

als amem künig himels vnd erd. [Bl. 29a] 



— 19 — 



1 5. Ynd ethlich czugen klayder ab 
Tnd strätten für den herren das. 

16. Ethlich die prachen esst herab 
ynd strätten die dem herren vor. 

17. Dye kinder vnd auch ander schar 
die giengen schreyund vor vnd nach: 

18. 'Nun lob vnd er sey dir gesait, 
ain sun dauitz in ewigkait. 

19. Gebenedeyt seystu nun der, 

der dw zw vns pist kununen her!' 

20. Ihesus der rayt dem tempel zwe, 
dar ausz er dan die Juden schlueg; 

21.Wan sye verkauften, kauften da 
die rinder, tawben vnd auch schaff. 

22. Der herr ihesus von stricken nam, 
ain gaysl er zwsamen pant. 

23. Qar ernstlich er sich jn erzaigt 
vnd sie da aus dem tempel traib. 

24. Dye tisch der wegsler vmebarff 
vnd zw den tewblern er da sprach: 

25. 'Tragt hin die ausz meins vaters haws, 
nit macht ein hol der gwerb dar aus!' 

26. Ynd zw dem herren sprachen sie : 
'in was czaichen thust vns das hie?' 

27. Er sprach: 'ledigt den tempel hie, 
am dritten ta^ jn erkücken wird!' 

28. Dye red den juden hart verschmacht, 

[Bl. 29 b] 
wan sie jm truegen grossen has. 

29. Sye retten da dem herren zwe 
ausz grossem grim vnd vn^efueg: 

30. 'In sex vnd vierczick iam hartt 
wart diser tempel aufgemacht, 

31. Vnd dw wild jn in dreyen taen 
erkücken wider, wie als varn?' 

32. Dye Juden des verstuenden nicht, 
das er das het gerett auf sich. 

33. Als er erstaind am dritten tag, 
erfüllet wurden disew wart. 

34. Der herr da an czwlemen hueb, 
vnd das gemain volck hört jm zwe. 



35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 

42. 
43. 
44. 
45. 
46. 
47. 
48. 
49. 
50. 
51. 
52. 
53. 
54. 



Als nun der herr sein 1er volpracht. 
die herberg jm versaget ward, 
Vnd vngespeist must ausz der stat 
des nachtes gen bethania. 
Des margens an dem mantag früe 

S'eng er dem tempel wider zwe. 
ye gschriftgelertten hörten das, 
das er mer in dem tempel was. 
S^e fürten da dem herren her 
am frawn, czerprochen het ir ee. 
Sye sprachen: maister, siech dy an, 
die amen epruch hat gethan. 
Nach dem geseczt verstaind sold wern ! 
was sprichstu dar zw, lass vns hörn!' 

[Bl. 30 a] 
Der herr sich auf die erden naigt, 
mit ainem finger dar ein schrayb. 
Er sprach: 'nun wer an sunt da ist, 
der werff den ersten stain an sy!' 
Ainer den andern da ansach, 
ir kainer nicht ain wärtlein sprach. 
Ain yeder da sein sünd erkant. 
mit Schanden schieden sie von dann. 
AUain die fraw pelayb da hie. 
der herr sprach gutigklich zw ir : 
'Wo sind, die dich verdampnet habm?' 
dy fraw dauon nicht west zw sagn. 
' Oder hat dich nyembt verdampnet hie ?' 
'herr, njremantzr sprach dyfraw zw im. 
'Noch ich dich nit verdampnen wil. 

e hin vnd sünd hinfür mer nicht!' 
er herr gieng wider ausz der stat, 
hm gen bethania kam er spat. 
Vnd an dem erichtag wider frue 

ie er dem tempel wider zwe. 

~nd predigt da den ganczen tag, 

jTS in dy nacht er müde ward. 

nd gen bethania wider gieng, 
da er dan erst sein speys enpfieng. 
Das sey nun lob vnd er gesagt, 
der für vns leyden wolt den tod. 



B 

hl 
V 



XV. 
Ton dem schmerczen marie czw bethania. [Bl. 30 b] 



l.Nvn Süllen wir petrachten mer 
den schmerczen, den maria led. 

2. Als ir sun zw iherusalem was, 

an schmerczen sy sein nye vergas. 

3. Wan sy nun west die kurczen czeyt, 
jn der er noch pey ir wurd sein, 

4. Vnd ir dar nach genummen würd, 
gemartert zw dem tod gefüert 

5. Am erichtag, verr hin in die nacht, 
Cham er erst gen bethania. 

6. Als er dy trawrig muter sach, 
von seinem leyden er ir sagt 



7. Vnd sy gar lieblich trösten thet, 
sein leyden durch figur auslegt. 

8. Er tröst sy mer vnd ^w ir sprach : 
*pey euch peleib ich hewt den tag!* 

9. \na das, was an dem mitwochen 
der herr zwlecz pey Jn wolt sein, 

10. Vnd seiner muter offenbart 
sein 'grosse marter vnd den tad. 

11. Als nun maria das vernam, 

das Schwert des schmerczen durch sy 

drang. 

12. In müterlicher trew vnd lieb 
hueb sy an, pat den herren schier: 



20 



13. 'Nun allerliebster sun der mein, 
such doch ain mitl deiner pein! [BLSla] 

14. Ich sprich: ain plutztropf* ist genueg, 
das menschlich geschläcnt erlösen thut! 

1 5. Nicht gib dich, sun, in sölchew not, 
in 60 vil leyden, schmähen todT 

16. Dem sun die muter anelag, 

so strengicklich ermanen ward, 

1 7. Das ir der herr must anthwurt gebm, 
sein leyden durch die gschrift auslegn : 

18. 'Ja, süsse muter, pillich war, 
das ich dich da erhören thät. 

19. So hat der vater ausgestregt 

sein hant auf mich, das schwert erhebt. 



20. Sein wil ist, ich mich opffern sol, 
die marter leyden ynd den tod. 

21. Dar vm, dw süsse muter mein: 
der will des yaters, der sol sein! 

22. Wan menschlich gschlächt erlost sol 

wern 
durch solche marter hie auf erdn/ 

23. Als nun maria das vemam, 

der will so streue vom vater k&m, 

24. Dar wider sy nicht reden macht, 
ir hercz mit layd vmffeben ward. 

25. Das himlisch gespräch also geschach 
am niitboch zw bethania. 

26. Des schmerzen wir ermanen dich, 
maria, Tuser nicht vergys! 



XVI. 

Wie die Juden an dem mitboch [BI. 3lb] des lierren 

piten gen ihemsalem. 



l.Dye Juden zw iherusalem 
die piten, wan der herr mer kam. 

2. Ynd da der herr als pald nicht kam, 
pesargten sie, er wich von dann. 

3. Sye lieffen pald in ainen rat, 
das er jn nicht entrinnen mächt. 

4. Des nam jm auch der judas war, 
wie das sy schlüegen haimlich rät. 

5. Er lieft zw jn ynd also sprach : 
'ich ways wol, was ir yczo macht! 

6. Was gebt ir mir? ich eib euch schier 
den menschen hie an aU eur müe.' 

7. Der red wurden die fürsten fro 
ynd globten jm da an der stat: 

8. 'Nun dreissick pfenning geben wir 
ymb disen menschen ; tnue das schier ! ' 

9. 'Ich nymb die ein,' sprach er pehend, 
'ynd gib euch disen in eur hend 

10. Ynd noch, ir herren, mich mer hört! 
enget er euch dar Vber mer, 

11. Des wil ich ynengolten hau. 
mein gelt peleibet mir füran.' 

12. Am mitboch diser kawff geschach. 
judas kam gen bethania. [Bl. 32 a] 

13. Als jn maria da ersach, 

gar schön sy jn enpfieng ynd sprach: 

14. Pys willigkum, dw frewnt der mein! 
wie stet es ym den sune mein?' 

15. 'Ffraw! wol stet [es] ym deinen sun!' 

sprach er aus falschem herczen grünt. 
16. 'Nun lass dir in pefolhen sein 

ynd pey den fürsten ste jm pey!' 
17. Wan er den fürsten was erkant. 

maria enpfalch dem wolfi das lamp. 
]8.Ynd das geschach zw bethania, 

ain nachtmal da perayttet ward. 

* H.: plutztopf. 



19. Der herr seczt judam an den tisch 
zw seiner muter liebplichen. 

20. ain ynsälges mit was, 

das czwischen irer payder sas! 

21. Der yon der muter nam den sun, 
erczaigt sich fälschlich schau ynd frum. 

22. Als nun das nachtmal ward yolpracht, 
der herr yon seinem leyden sagt 

23. Ynd jn gar ernstlich da yerpot, 
ynd jm nicht solten yolgen nach. 

24. Als nun maria das yemam, 

das Schwert des schmerczens zw ir 

drang. 

25. Mit haissen czächer zw jm gieng 
ynd in czw piten mer anfieng: 

26. 'Siech an, mein allerliebster sun, 

[B1.32b] 
mein sei pys in den tod yerbunt! 

27. Erhör doch, sun, mein leczt gepet, 
so dw ye in den tod wild gen! 

28. Lass mich doch yor dir sterben ee, 
damit ich nit dein marter sech!' 

29. 'Mein süssew muter, nymb für dich, 
das war ynpillich sicherlich, 

30. Das ich dien nun der yorhell gab ; 
wan nyemantz* in den himel mag. 

31. Dar ym siech yor mein sterben an, 
so wirt der himel aufgetan. 

32. So kumm ich dar nach schier nach dir, 
mit freyden dich enpfach zw mir!' 

33. Maria für den sun da yiel; 

die haissen czäher yor ir wielgn. 

34. Den schmerczen ynd ir grosse klag 
der herr nicht angesehen macht. 

35. Mit mitleyden er yon ir schied 
ynd gen iherusalem hin gie. 

* H. : nyenantz. 



— 21 



36. Das was nun an dem antlostag, 
das er sich in das leiden gab. 

37. Maria da peleiben was, 

vil haysser czäher sy vergas. 

38. Nun muter, himelkünigin, 
dw vnser trewe helfferin, 



39. Des schmerczens dich ermanen wir, 
als sich dein sun hie von dir schied. 

[Bl. 33 a] 

40. In vnsem ndten ste vns pey, 

so sich dy sei schaid von dem leib! 



XVII. 
Das abendessen. 



1. Des ersten tags der hohen czeyt 
der ewangelist lucas schreibt: 

2. Als man die österlichen speys 

Bold essen, als die gschrift ausweyst, 

3. Der herr zw seinen jungern sprach: 

get hio, das osterlamp vns macht!' 
4/ Herr, wo wildw, das wir das thainn?' 
er sprach: *get in dy stat hinein! 

5. Ain mensch ain l&glein tragen wirt ; 
wo der einget, dem volgt auch ir. 

6. Ain mushaws wirt euch da geweyst ; 
jn dem perayt vns disew speys!' 

7.i)ye jungern theten, als er schuefP, 
das abentessen richten zwe. 

8. Der herr mit seinen jungem kam, 
zw tisch mit jn seczt er sich schan. 

9. 'Gancz mit pegier', sprach da der herr, 
*hab ich dye speys mit euch pegert. 

10. Ffürbar, sa^ ich euch, hinfür mer 
wird ich mit euch nicht essen mer!' 

11. Wan es dy czeyt nun kommen was, 
jn der er leyden sold den tod. 

1 2. Das abentessen ward volend. [Bl. 33 b] 
der alten ee gab er da end. 

13. Er gieng mit jn vom tisch hin dan, 
die newen ee nueb er da an. 

14. Ain lein ein tuch er vm sich schwieff 
vnd Wasser in ain peck einlies. 

15. Der aller ding da was ain henr, 
knyet für die jungem auf die erd. 

16. Ainer sach da den andern an, 

was doch der herr mit jn wolt thuen. 



17. Der diemütig herr, mild vnd süess, 
den jungern allen wusch die füess. 

18. Am judas er von erst an hueb, 
die andern sahen jm da czue. 

19. Sye forchten jn vnd schambten sich, 
das da ir maister knyet vor jn. 

20. Der herr czw petro kam herrür, 

er sprach: *herr wäscht dw mir mein 

füess?' 

21. 'Das ich da thue, waist yeczo nicht, 
her nach wirst dw sein vnderricht!' 

22. Petrus sprach czw dem herren mer : 
'mein füess wäscht dw mir nymmer- 

mer!' 
23. 'Ist, das ich dich nit waschen pin, 

kaynn tail mit mir nicht haben pist!' 
24. Petrus schray da auf A^berlaut: 

'herr, füess vnd hend vnd auch das 

haub!' 
25. 'Wer rain ist der pedarf nicht mer; 
nur jm die fÜess gewaschen werdn! 

[B1.34a] 

26. Wan ir seyt rain vnd doch nicht all!' 
die red in jn trawrig erhall. 

27. Wan er west den verrätter wol, 
der jn wurd geben in den tod. 

28. Das sey nun lob vnd er gesayt, 
herr, deiner gössen diemütigkait. 

29. Vnd pitten dich vm dein genad, 
das wir dir hie auch volgen nach; 

30. Wan an dich hie verderben wir. 
hilf vns jm iamertal zw dir! 



xvm. 

Als nnn der herr den jüngeren het dye füssz gewaschen. 



1 . Als nun der herr gewaschen het 

die füess den jungem wie ain knecht, 

2. Zw tisch mit jn seczt er sich mer, 
mit schöner red, vil guter 1er 

3. Dy newen ee hueb er da an. 
das prot er in die hendt da nam, 

4. Auf in die himel er da sach 
vnd danckperkait dem vater sagt. 



5. Vnd in den henden hielt das prot, 
den segen er dar Vber gab. 

6. Er prach es vnd den jungem gab, 
in grosser lieb er also sprach: 

7. 'Nembt hin vnd newst das all gemain: 
das ist der war franleichnam mein^ ^ 

8. Der für euch in den tod wirt gebm!' 

[Bl. 34b] 
die jungem merckten das gar ebm. 



22 — 



9. Den kelch er in die hend auch nam 
vnd sagt mer got, dem vatem, danck. 

10. Den segen auch dar über gab 
vnd jn den seinen jungern pot. 

11. Er gab jn auch das zw uersten 

vnd sprach: 'nun trincket all ausz dem, 

12. Wan dar jnn ist warlich mein plut, 
das da für euch vergossen wirt!' 

13. Den judas auch da speysen was, 
der da von nur ye pöser ward. 

14. Dauon der herr petrüebet ward, 
czw seinen juosern also sprach: 

15. 'Ainer aus euch, sag ich fCbrbar, 
des menschen kind verratten hat; 

1 6. Vnd den wirt geben in den tod, 
als dan von jm geschriben stat. 

17. Wee aber dem! vnd pesser war, 
das er nye her geporen war!' 

IS.Dye lungern des erschrocken ser 
vnd da gedachten, wer der war. 

19. Ainer den andern da ansach. 

das merckt der herr vnd zw jn sprach : 

20. ' Der mit mir greyffet in den napff, 
der ist, der mich verratten hat!' 

21. Petrus johanni wincken ward, 

das er den herren fragen thät. [Bl. 35a] 

22. Als sich Johannes czw jm naigt 
vnd auf sein seyten het gelayd, 

23. Der herr sagt jm das, also sprach: 
'dem ich gib das geduncket prot!' 

24. Ain prot er nam da in die hant 
vnd m ain salsen er das dunckt. 

25. Er gab dem judas das vnd sprach: 

' was dw wild thuen, das thue nun pald ! ' 

26. Dye jungern des verstainten nicht 
vnd mainten, er vnird ausgesickt. 

27. Als judas nun vermercket das, 
das sein verrättrey offen was, 

28. Auff an dem tisch mit vnmut prach, 
gedacht, wie er sich rechen mächt. 



29. Vnd eylund zw den Juden kam ; 
sein hercz in neyd vnd vnmuet pran. 

30. Er macht aynn pslus in diser nacht, 
wie er in den dar geben mficht. 

31. Als jucfas nun von dannen kam, 
da hueb der herr czw lernen an. 

32. Er sprach: 'es ist ain klaine czeyt, 
jn der ich noch pey euch wird sein. 

33. Ain newsz gepot gib ich euch hie, 
das ir habt an einander lieb. 

34. Ich sag euch aber, es geschiecht, 
das ir all flüchtig werd an mir. 

35. Wan das von mir geschriben stet, 

\ß\. 35 b] 
das musz also erfüllet wern: 

36. Den hierten ich wird schlahen wern, 
dye schaff der hertt czersträet werdn.' 

37. Petrus dem herren antburt gab, 
aus hiczigem herczen also sprach: 

38. 'Ist das sie all geergert wern, 

so wird doch ich nicht von dir kern; 

39. Wan ich dar zw perayttet pin, 
herr, mit dir in den tod zw gen.' 

40. Jhesus gar güttiglichen spracn: 
'fürbar, fürbar, ich dir das sag, 

41. Ee das der han heind kräen ist, 
drey mal dw mein verlaugnen pist!' 

42. Petrus sprach: 'herr, mit nichtew 

nicht, 
ee musz ich mit dir sterben hin!' 

43. Das sprachen auch die andern all, 
jr kainer wolt von jm nicht valn. 

44. Vil schöner 1er er jn vorsagt, 
verczoch das mit jn in die nacht. 

45. Des pys ermant, herr, durch dein gut ! 
jn vestem glauben vns pehüet, 

46. Das wir nicht von dir vallen ab! 
vor judas vntrew vns pebar! 

47. Dein warer leichnam, heiligs plut 
das mach vns vnser ende gut! 



XIX. 
Wye er an den ölpergk gieng. 



1. Nvn rüffen wir den herren an, [Bl. 36 a] 
als er wolt an den ölperck gan. 

2. Er gie aus von iherusalem, 

sein aindleff jungern mit jm nam. 

3. Er gie mit jn tbr ainen pach. 
der seinen marter er gedacht. 

4. Vor grossen angsten er sich labt, 
als dauid in dem psalter sagt. 

5. Er gie da in den garten ein, 

den menschen wolt er suchen hain^. 

6. Sein jungem er da trösten was, 
frewntlichen also zw jn sprach: 



7. 'Nun siezet hie vnd pettet all, 
das ir nicht in Versuchung vald!' 

8. Vnd von den andern zw jm nam 
petrum, johannem, jacobum. 

9. Er fürt die drey mit jm her dan, 
als verr er sie macht sehen an. 

1 0. Der herr vor seinen jungem staind, 
sein pittrew marter pild er ein. 

11. Mit kreften er erczittern ward, 
in grossen angsten zu jn sprach: 

12. Ir allerliebsten frewt die mein, 

se}i; starck vnd tröst euch hie allain! 



J 



— 23 — 



1 3. Mein sei petrüebt ist in den tod/ 
die jungern des erschracken hart, 

14. Vor ^ossem layd erstumbten da, 

jr kamer nicht ain wärtlein sprach. 

[Bl. 36 b] 

15. Vnd hueben pitterlichen an 

czw bainen vnd czw mitleyden han. 

16. Der herr gie von jn also verr, 

als ainer mit aim stain möcht werffn, 

17. Vnd krewczling auf die erden viel, 
stuend wider auf auf seinew knye. 

18. Der seinen marter er gedacht, 

das jm die wurd als streng vnd 

scharff. 

19. Dar vm jm aller seiner leyb 
ward tünsten, czittem herttigkleich, 



20. Vnd in der grossen pittri^kait 
pegund er schwiczen pluting schways. 

21. An seinem leichnam nichtz nit was, 
es war von pluting schways doch nasz. 

22. In solcher not vnd angstgedrang 
ruft er den seinen vater an. 

23. Er pat jn, ob es möcht gesein, 

ob er der marter möcht tber gesein. 

24. Den iamer vnd die kläglich not 
dem vater ser erparmen ward. 

25. Er Band jm ainen engel dar, 

der jn da tröst vnd stercken was. 

26. cristen mensch, gedenck dar an, 
last dir dy angst zw herczen gan! 

27. Siech an den herren, wie jm was, 
da er sein plut für dich vergas! 



XX. 
Wie er czw seinen jnngern gieng. 



1 . Da er sein pet nun het volpracht, 

[B1.37a] 
czw seinen jungern wider sach. 

2. Vor trawri^kait sie schlaffund vand. 
er weckt sie auf vnd sie vermant. 

3. Von erst zw petro also sprach: 
'Symon, wie nun, so schlaffest dw? 

4. Machstu nicht nur ain klaine weyl 
mit mir hie wachen vnd auf sein? 

5. Nun wacht vnd pett vnd euch pebart, 
das ir nicht in Versuchung vald!' 

6. Damit gieng er von jn hindan 
vnd ruft mer seinen vater an! 

7. 'Ich pitt dich, got vnd vater mein, 
als vil es müglich m&e gesein, 

8. So nym von mir hin disen kelch 
vnd mich der marter tberheb; 

9. Doch nicht mein will, dein will ge- 

schech!' 
vnd gieng zw seinen jungern mer. 

10. Vnd das geschach zwm dritten mal, 
das er den vater also pat. 

1 1 . Als oft auch czw den jungem kam, 
so oft er sie auch schlaffund vand. 

12. Dye weyl rieht sich auch judas czwe, 
der seinem maister veintschaft trueg. 

13. Pald zw den forsten er da kam, 
ain schar der Juden an sich nam. 

14. Sye nummen mit jn auf die fart 
latern, fackeln, strick vnd seh wert, 

[Bl. 37 b] 

15. Das ir gefert was also wild; 

sye nummen kolben, spyess auch mit. 

16. Judas gieng mit jn in das haws, 
jn dem der herr gebesen was. 

1 7. Da er den herren nicht da vand, 
eylt er mit jn hinausz czwhant. 



18. Jhesus, der senft vnd gütig herr, 
die liechter sach von ferren her. 

19. Zw seinen jungem er da gie, 
als ain getrewer frummer niert: 

20. ' Stet auf vnd secht ! wan er ist hie, 
der mich verraten hat. kumbt schier! 

21. Stet auf, last vns engegen gan!' 
sie sahen da den herren an. 

22. Kain gstalt an jm da nyndert was, 
wan jm sein kraft entwichen war. 

23. Als er nun czw jn kummen was: 
'wen sucht ir hie?' er czw jn sprach. 

24. 'Wir suchen ihesum von Nazareth!' 
'ich pin es!' sprach zw jn der herr. 

25. Dye wort des nerren beten kraft 
vnd halen wie ain thunnerschlag. 

26. Dar durch sie all zwrucke vieln, 
vnd judas auch das mit jn hielt. 

27. Damit erczaigt der her sein kraft, 
das er sye möcht ertöttet habm; 

28. Vnd jn auch dar vmb das verbeugt, 

[Bl. 38 a] 
ob sich der judas biet erkent. 

29. Vnd das geschach zwm dritten mal, 
das er sie also fragen war: 

30. 'Wen sucht ir hie? sie sprachen mer: 
'wir suchen ihesum von Nazareth!' 

31. Sein jungern schuff er da hindan: 
'seind ir mich sucht, so last die gan!' 

32. Aus irem czorn er sie nam 

vnd gab sich selb für sie hindan. 

33. Er sprach zw jn senftmütigkleich: 
'jr seyt ausgangen in der weys, 

34. Als wie czw ainen Schacher her, 

mit Schwertern, kolben vnd solcher wer, 

35. So ich doch pey euch täglich was 
vnd in dem tempel lernen war. 



— 24 — 



36. Dar vm ist aber das ewr czevt; 
wan ir der finster süne seyt! 

37. Als nun das czaichen da geschach, 
kain pesrung an jn nyndert was, 

38. In irer herttigkeit pefibm, 

da gab er jn gwalt tber sich. 

39. Judas drang herfür aus der schar, 
als ob er erst gieng aus der Btat: 

40. 'Pys grüsset maister!' zw jm sprach, 
ain falschen kusz er im da gab. 

41. Zw im sprach gütigklich der herr: 
'frewnt, warczw pistu kummen her?^ 

[Bl. 38 b] 



42. Vnd sich gar frewtlich zw jm naigt 
vnd sich auch lieblich jm erczaigt: 

43. *0 juda!' sprach der herr zw jm, \ 
'wiei dw verrätzt des menschen kind 

44. Vnd mit dem kusz gibst in den tod ? ^ 
Judas ye lenger ye pöser ward. 

45. Des alles wir ermanen dich, 
herr ihesu christe, pitten dich; 

46. Vnd vns pehüt vor iudas kusz, 
vor aller vntrew vnder vns. 



XXL 

Als Judas nun dem herren het den kus gegeben ynd jn dar gab. 

1. Als Judas nun den kusz volpracht, 
den herren nun wolt geben dar. 

2. V on erst er in was greyffen an 
vnd schra]^ cue andern juden an: 

3. ' N embt hin den menschen, greyft jn an, 
das er euch nit mer müg engan! 

4. Vnd fürt jn sicher, halt jn vast 
wan ich euch nun geweret hab!' 

5. Damit lieffen die Juden czwe 
mit grossem grim vnd vngefueg. 

6. Mit stricken, keten punden jn, 
als vns die lerer schreyben sind. 

7. Vnd grawsam was da ir gefert, 
sye punden ihesum also nert. 

8. Ain sayl jm wurffen an den hals 

[Bl. 39 a] 
vnd czwgen jn da mit gewald. 

9. Vnd ainer, die pey ihesu warn, 
der stregkt sein haut, das schwert 

ausczoch. 

10. Er schlueg ainen der fürsten knecht 
das orsädl herab, das gerecht. 

11. Des knechtes namen malchus was, 
er mas den schlag jm auf den tod. 

12. Jhesus das or nam in die hant 
vnd haylt dem knecht das wider an. 

13. Vnd auch zw petro also sprach: 
'nun stöss dein schwert ein an sein stat, 

14. Wan die mit Schwertern fechten wern, 
die werden mit dem schwert verderbm ! ' 

15. Als pald der herr gefangen ward, 
iluhen die jungern von jm ab. 

16. Allain das frayssam, grimig volck 
in poshait da peleyben wolt, 

1 7. Das auf sein tod was kummen dar, 
das vieng den herren also hart. 

1 8. Sein hend jm punden auf den ruck, 
das plut jm zw den negeln austruckt. 



19. Er ward gehandelt also ser, 

als nye kain mensch auf diser erd. 

20. Ethlich jn pey den armen czugn ; 
ethlich jn pey dem rock erhuebm; 

21.Etlich jn czugen hin vnd her 

vnd sty essen jn oft auf die erd. [Bl. 39 b] 

22. Ethlich jn schluegen in sein prust; 
etlich an seinew wang mit lust; 

23. Etlich mit hölczern auf das hawp 
vnd schrieren auf in l^ber laut. 

24. Ir vngefveg was also gros: 
etlich jm stiessen binden nach, 

25. Das er oft mer enpar wardt tragii, 
dan er die erd perürt sold habm. 

26. Sye Hessen jn oft vallen schwär 
aus iren henden auf die erd 

27. Vnd mit den füessen traten jn. 
ir kainer thet erparmen sich; 

28. Vnd hulffen jm dan wider auf 

mit rauffen, schlahen thet das hawp. 

29. Sein jnnigkliches angesicht 

was jm vor schways vnd vnflat dick: 

30. Wan sie jm spürczten oft darein, 
das pracht dem herren sündrew pein. 

31. Mit solchem iamer vnd an rast 
gestössen aus dem garten ward. 

32. Sye fürtten jn hin in dy stat 
für ain czystem voller kotz. 

33. Den herren wurffen sie dar jn 
vnd pey den stricken hielten jn. 

34. Sye czugen jn herbider aus; 
kain raine stat an jm nicht was. 

35. Also ward es der herr gefürt [Bl. 40aj 
dem Annas, pyscholff, für sein tüer. 

36. O ihesu, dw geduldigs lamp ! 
des pys also von vns ermand: 

37. Von allen Sünden vns enpint, 
vnd pitten dich, verlass vns nit! 



25 — 



XXII. 
Wie er für annam ward gefürt. 



l.Das leyden christi sey uns pey 
Tnd prm^ vns dort die ewig freyd! 

2. JhesuB, der herr, der wart gefürt 
des nachtz dem annas für sein tüer. 

3. Sye weckten pald den pischolff auf 
vnd fürten ihesum in das haws. 

4. Der herr stuend da an alle gnad 
vnd herttigkleich gepunden war. 

5. Man pant in auf ynczüchtigkleich. 
der pischolff fragt jn dreyerlay: 

6. Was er das voIck gelernet het, 
wer jm den gwalt gegeben het, 

7. Warumb er auch ^esamelt hiet 
die jungem vnd die pey jm hielt. 

8. Jhesus senftmütigklichen sprach: 
'ich hab geleret offenbar. 

9. Warumb pist dw mich dar vm fragn ? 
frag die, aye es gehöret habm; 

10. Dye werden dir wol sagen das, [B1.40b] 
was 1er ich jn gegeben hab!' 

11. Dy red müet ainen seiner knecht; 
der stelt sich zw dem herren her. 

12. Mit grimen hueb er auf dy hant 
vnd schlug den herren an sein wans : 

13. 'Wie anthwurtzt dw dem pyscholff 

zwe?* 

sprach da der knecht mit yngefueg. 
14. Jhesus jm dar auf anthburt gab 

vnd gütigklichen also sprach: 
15. 'Vnd hab ich Vbl da gerett, 

dw czeugnüsz von dem l^bl gib! 
16. Vnd hab ich aber wolgerett, 

warumb das dw mich also schlegst?' 



17. Vnd annas dar nach ihesum gab 
den Juden in ir hend vnd sprach: 

18. ' Nun hüet sein wol heint disew nacht! ' 
das pracht dem herren vngemach. 

19. Sye punden jm die äugen zwe 
mit ainem gar vnsawbern tu eh. 

20. Dye hend jm punden auf den ruck, 
hertt hin vnd ner ward er geczuckt. 

21. Vnd Hessen jn oft also stan; 
mit pösen warten reten an. 

22. Sye schlugen, styessen jn als ser, 
das er für sye viel auf die erd. 

23. Dan hulffen sie jm wider auf 

mit rauffen, schlahen Vber das haup. 

[Bl. 41 a] 

24. Also vertriben sie dy nacht 

pys margens, das der tag an prach. 

25. Annas ihesum versehen thet, 

mit stricken pinden vast vnd hert. 

26. Er schickt jn hin dem Cayphas dar, 
pey dem die gschriftgelerten warn. 

27. Vnd durch der fürsten gassen ein 
fürten sie ihesum offenleich. 

28. Sye waren aller tugent lär 

vnd czugen jn vast hin vnd her. 

29. Mit grossem gschray vnd vngefueg 
ward er gefürt dem Cayphas czue. 

30. Herr ihesu christe! aller schmach 
vnd aller vntrew, vngemach, 

31. Dye dir vor annas ward peweyst, 
ermanen wir dich jnnigkleich, 

32. Vnd vns dir last pefolnen sein, 
pehüt vns dort vor aller pein! 



XXIII. 
Wie er fär Caypham ward gefürt 



I.Herr, dir czw lob vnd auch zw er 
petrachten wir dein leyden mer. 

2. Ihesus der ward gefüeret ein 

in Cayphas haws gar iämerleich, 

3. Dar jnn dan all gesamelt warn 

die priester, fürsten, gschriftgelartn. 

[Bl. 41bj 

4. Petrus Voigt da von vern nach, 
ob er der ding ain ende säch. 

5. Da ihesus wart für Cayphas pracht, 
er sach jn an vnd also sprach: 

6. 'Was wist ir auf den menschen hie?' 
sye schrieren auf all mit pegier. 

7. Das erst sye sagten auf jn her, 
wie das der herr ain czawbrer war. 

8. Vnd das peb&rten sie also: 
vmb das er vil gesunt het gemacht. 



9. Sye czigen jn auch also mer, 
das er auch ain eprecher war, 

10. Vm das, das er erlöset het 

dy fraw jm templ aus der not. 

11. Sye gaben auch für auf jn mer, 
wie er ain schalck vnd solcher war, 

12. Das jm die weyber giengen nach, 
vnd sagten auf jn fsQschew klag: 

13. Vnd wie er auch ain haiden war, 
pesessen mit dem tewfl war, 

14. Vnd dar czüe ain falscher prophet, 
ain lugaer, trugner seiner weg; 

15. Vnd ain verlaytter irer ee, 
dem tempel widerspänig war. 

16. Vnd was sie klagten vnd jn czign, 
das wart da alles aufgeschribiü. 



— 26 — 



17. Als nun ir klag ward fürgepracht, 

[Bl. 42a] 

der Cayphas zu dem herren sprach: 
18/ Wie, norstu nicht die klag auf dich, 

wie dye geczewgen wider dich?' 

19. Ihesus, der herr, kain antburt gab, 
diemütigklich vor nyder sach. 

20. Des nam da wunder Cayphas, 
stuend auf vnd czw dem herren sprach: 

21. *Nun, pey dem lebentigen got 
peschwer ich dich, das dw mir sagst, 

22. Ob dw doch seyest gottes sun.' 
'ich pin es!' sprach der herr zw jm. 

23. Als nun das Cayphas so vernam, 
in grossem grimen er auf sprang: 

24. Was pedürnen wir czewgknüsz mer? 
ir habt ausz seinem mund gehört, 

25. Wie das er sey nun gottes sun ; 

was dunckt euch gut, das saget nun!' 

26. Sye schrieren auf mit vngefueg 
vnd traten da dem herren czüe: 

27. 'Er ist schuldig dar vmb des totz!' 
vnd czugen jn da ab der stat. 

28. Der fürsten diener waren vil ; 
die spürczten in sein angesicht. 

29. Mit vnflat er umhängen ward, 

das man'i' jn kawm erkennen macht. 

30. Dye diener pey dem fewr da warn, 
pey den auch petrus sas heruorn. 

[Bl. 42 b] 

31. Sye sahen jn gar greylich an, 
wie er der jungern ainer war. 

32. Ain diem jn auch da vernam, 
dy gieng czw jm vnd rett jn an: 



33. 'Warstu nicht ainer auch da vorn, 

die pey ihesu jm garten warn?' 
34. Petrus hub an czw laugnen ser, 

wie er der jungern kainer war: 
35. 'Vnd wais nicht, was dw sagest hie!' 

sprach er vnd czw der thür ausgie. 
36. Ain andrew dieren jn ersach 

vnd czw den andern sie da sprach: 
37. 'Der was mit ihesu von Nazareth!' 

petrus hub an vnd laugnet hert, 

38. Wie das er jn biet nye erkent, 
vnd schwur da vor jn allen streng. 

39. Vnd auch die andern, die da warn, 
die kummen dar vnd jn vmsabm : 

40. 'Dw pist der ainer auch fürbar; 
wan dich dein red macht offenbar!' 

41. Petrus in grossen forchten was 
vnd hueb laut an zw schweren pas. 

42. Als das geschach czum dritten mal, 
hueb an der han vnd kräen ward. 

43. Petrus gedacht da an die wart, 
die jm der herr het vor gesagt: 

44. 'Ee das der han czwier kräen ist, [B1.43a] 
drey mal dw mein verlaugnen pist!' 

45. Petrus gie ausz mit grossem layd, 
mit reu vnd wainet pitterleich. 

46. Johannes gie aus auch sich hueb 
hin gen bethania kam er frue. 

47. Herr ihesu christe, gütigs lamp, 
des pjs also von vns ermand: 

48. Yerleich vns auch geduldigkait 
jn aller widerbärtigkait! 

49. AUain dir, herr, czw lob vnd er 
pehalt vns vnser arme sei! 



XXIV. 
Ton dem schmerczen marie^ als nnn ir sun gefangen ward. 



l.Nvn sullen wir petrachten mer 
den schmerczen, den Maria led. 

2. Als nun Johannes kummen was 
des margens gen bethania, 

3. Als jn die trawrig muter sach, 
gar trawrigklichen czw jm sprach: 

4. Pys willigkum, dw frewt der mein! 
wie wainest dw so pitterleich? 

5. Wie stet es noch vm meinen sun? 
sag mir es pald an diser stund!' 

6. ' O muter, wie gar hertte mär 
ich dir von jm czw sagen hab. 

7. Kumb pald, iraw, czw dem herren mein 

[Bl. 43 b] 
vnd allerliebsten sune dein! 

8. Er ist gefangen hertigkleich, 
gepunden also iämerleich. 



9.[Perayt dich, fraw, er leydet not; 
wan auf jn suchen sye den tod. 

10. Nymbar, judas der scarioth, 
hat jn verraten in den tod 

11. Vnd heint kam er in mitter nacht 
mit wäpnem, vueefurder schar. 

12. Vnd wart gehandelt also ser, 
vnd ich pesarg, o ^r noch leb.' 

13. Als nun maria das vernam, 

das Schwert des schmerczens durch 

sy drang, 
14. Des sy vil iar erpiten het; 

das rieht den spicz da in ir hercz. 

15. Ain mantl vmb sy ward gelegt, 
vnd hub sich eylund auf den weg. 

16. Sy wart geweyst auf durch dy stat 
mit wainen, schmerczen, grosser klag: 



* H.: nam. 



— 27 — 



17. 'O we, mein allerliebster herr! 

wo wird ich dich nun vinden wern?* 

18. Als sy was kummen für das haws, 

j ir sun n i. 

jn dem ^^^ j^^^ vor Caypha was, 

19. O wie so gar mit grosser pegier 
den Iren sun gesehen hiet. 

20. Wan ir das nicht verlihen ward, 
vnd auch das haws verschlossen was-; 

[Bl. 44a ] 

21. Wan ihesum heten sie in huet, 
das er jn nicht genummen wurd. 

22. Nicht allain hasten sie den herrn, 
auch alle, die jm czwgehörlü. 

23. Dar vm ir das nicht ward verhengt, 
allain petrübt her vorczwsten. 

24. Als ihesus nun vor Caypha was, 
das ward erhört durch gancze stat. 

25. Auch weyber von Galilea, 

die volgten auch dem herren nach, 

26. Dye kummen czw der muter da 
vnd merten auch ir layd vnd klag. 

27. Sye sahen vor des Gayphas haws 
die Juden lauffen ein vnd aus, 

28. Als hungrig, grimig, wüttund wolff 
ain lämblein gantz czerreyssen wein. 

29. Also staind es das lämblein gotz 
jn marter wartten seines totz, 

30. 1)ye sünd der weit es auf jm trueg. 

des muter giengen schmerczen czüe, 
31. Vnd nicht vnpulich fragen macht 

sand Johanns, vnd czw dem sie 

sprach: 
32. ' Johannes, liebster frewnt der mein, 

ob nicht noch petrus pey jm sey?* 

33. Johannes ir da antburt gab: 

'o süssew muter, du mich fragst, 

[Bl. 44b]^ 

34. Von dem ich dir nichtz ways zw sagn, 
dauon dw mögst ain trost gehabm. 

35. Allain das dir mer schmerczen pringt, 
als ich es dir hab vor verkünd: 



36. Wie Judas jn verraten hat, 
petrus drey mal verlaugnet gar. 

37. Dye andern all geflohen seind!' 
das pracht marie sundrew pein. 

38. 'Nun haben das sein frewnt gethan, 
den er vor hat vil gutz gethan. 

39. Was thain jm dan sein grimig veint, 
die jn hetten alczeyt in neyd? 

40. dw, mein allerliebster sun, 
so dw mir pist genummen nun; 

41. Wer wirt hinfür nun sein mein tröst, 
wie pin ich so verwayset gar? 

42. Dar vmb pit ich dich, sun vnd herr, 
dw nemmest hin von mir mein sei, 

43. Das ich nicht sech dein marter an 
vnd dein so iamerlichen tod!' 

44. Als das maria jn ir sprach 
vnd der geleichen het gedacht, 

45. Als pald da schlos man auf das haws, 
den iren sun fürt man her aus. 

46. Gepunden waren jm sein hend 

auf seinen ruck gar vest vnd streng. 

47. Sye triben mit im vngefueg [Bl. 45a] 
vnd retten jm da tbl czwe. 

48. Mit solcher weys ward er eefuert, 
mit wäpnern vm jn wol penüt. 

49. Der herr sach da die muter stan. 
die muter sach sein leyden an. 

50. Sein angesicht was jm verdeckt, 
mit vnflat, dick an jm erhert. 

51.Aim auseczigem sach er gleich 
vnd czw pilato wart geweyst. 

52. In dem sich solten sehen an 
all heiling in der himel trän, 

53. Der ward geczogen hin vnd her, 
verspürczet vnd verschmähet ser. 

54. Herr, lob vnd er sey dir gesagt, 
wan dw vns nun hast rain gemacht! 

55. Hinfür an mer, herr, mach vns rain, 
wan dein pedürffen wir allain. 

56. Siech an hie vnser plödigkait, 
von deinen gnaden vns nit schaid! 



XXV. 
Wie er für pylatnm ward gefürt. 



1. Zw lob dem herren petrachten wir 
den ruff seins leydens mit pegier. 

2. Als nun der herr mit vngemach 
ward für das haws pilati pracht, 

3. Dye Juden santen czw jm ein [B1.45b] 
vnd paten jn gar vleyssigkleich, 

4. Das er pald herfür zw jn kam 
vnd den gefangen von in näm. 

5.Pylatus liess sich für dy thüer 
vnd czw den Juden sprach er schier: 



6. ' Was schuld gebt ir dem menschen hie ? ' 

als ob er sprach, kain schuld er hiet. 
7. Dye reit den Juden hart verschmacht, 

vnd czw pilato sprachen drat: 
8. 'War der kain Vbltäter hie, 

wir bieten jn nicht pracht czw dir!' 
9. Pylatus west der iuden has, 

den sie dem herren trugen nach. 
10. Dar vmb er czw jn also sprach: 

*was habt ir auf den menschen klag?' 



— 28 — 



ll.Sye gaben für auf jn die klag, 
wye das er schuldig war des totz; 

12. Wan er biet alles volck verkert 
von Galilea gar pys ber. 

13. Sye ffunden aucb mer auf jn legn : 
dem Kayser man kain czins sold gebm, 

14. Aynn künigk sieb genennet bat, 
dar vm er leyden musz den tod. 

15. Da mit ward er geantburd ein 
pylato bert vnd strenginkleicb. 

16. Der ward den ricbtem l^ber gebra, 
der ricbter was ynd selb das lebin. 

[61. 46 a] 

17. Der stuend gepunden berttigkleicb, 
der alle ding pescbueff da frey. 

18. Dye weyl der berr stuend vor dem baws, 
pilatus aucb pey jm berauss, 

19. Mit grosser scbar vmeeben ward, 
maria volgt jm aucb ner nacb. 

20. Von verren sacb sie iren sun 
gepunden vor pilato stan. 

21. Von iren äugen Aussen ab 

die baissen czäber gar an mass. 

22. In stiller vnd czücbtiger wejs 
trug sie den scbmerczen bauneleicb. 

23. Ir bercz vnd sei wart da verbunt 
vnd baimlicb in ir sprechen gund: 

24. ' O dw, mein allerliebster sun, 
mein trost vnd trewer liebbaber! 

25. O, wie so gar mit grossem strcyt 
kumbstu bewt wider all dein veint 

26. Vnd dicb erczaigt so iämerleicb^ 
elendigkleicb vnd armigkleicb, 

27. So dw docb pist das bocbstist gut, 
die bocbstist weysbait, er vnd gut! 

28. In elend, marter, manig pein 
süecbstu bewt baim die scbäflein dein. 

29. O salgew boffnung menslichs trostz, 
wer wil sieb von dir scbaiden docb! 

30. Wie wol dw pist bewt der versmäcbt 

[Bl. 46b] 
vnder allen menseben hie auf erd, 

31. O, wer wil nicht mitleyden ban 
mit deiner marter angstgedrang!' 

32. Als nun maria das gedacht, 

mit scbmerczen in ir selb gesprach, 

33. Dye Juden, die da warn heruor, 
die schrien auff den berm den tod. 

34. Pylatus lies jn pinden auf 

vnd fürt jn mit jm in das haws. 



35. Pilatus seczt sich da zwhant. 
ibesus, der berr, vor jm must stan, 

36. Als ob er der verschmächtist war, 
der schöpffer himels vnd der erd. 

37. Pylatus bub an, czw jm sprach: 
'was sprichest dw nun aui die klag, 

38. Dye dan die Juden auf dicb legn ?^ 
der berr jm was kain antburt gebm. 

39. 'Pystu ain künig, mir das sag!' 
der berr jm dar auf antburt gab: 

40. 'Pin ich ain künig, als dw sprichst, 
das bab ich hie enpfangen nicht; 

41. Vnd war von diser weit mein reich, 
so hulffen mir die diener mein. 

42. Vnd pin dar czwe geparen ber, 
das ich die warheit sag vnd lern!' 

43. Pylatus czw dem herren sprach: 
'was ist die warheit? mir das sag!' 

[Bl. 47a] 

44. Ibesus dar auf kain antburt gab. 
pilatus sich dar auf pedacht. 

45. Er stuend da von dem herren auf 
vnd czw den Juden gieng hinaus. 

46. Wan sie gar ser vnmutig warn, 
das sie so lang da solten harn. 

47. Wan sye pesargten das dapey, 
er wurd jn lassen ledig, frey. 

48. Pylatus zw jn also sprach: 
'ich gib euch czwerkennen das, 

49. Das ich an disem menschen hie 
kain schuld des totz docb gar nicht 

spüer. 

50. Als nun die Juden hörten das, 
das all ir klag czunichte was, 

51. Da schrieren sie mit vngemach: 
'er ist schuldig des schmähen totz, 

52. Wan er bat alles volck verkert 
von Galilea gar pys ber, 

53. Vnd das alles an sich geczogn, 
mit seiner falschen 1er petrogn!' 

54. Als nun pylatus höret das, 
das er von Galilea was 

55. Vnd under dem berodes war, 

zw dem schickt er den herren dar. 

56. Herr ibesu, dw geduldigs lamp, 
des pys aucb hie also ermantf 

57. Ainer schickt dich dem andern dar. 

[Bl. 47 b] 
kain gnad dir da peweysset ward. 

58. Erparm dich vnser durch dein gut 
vor allen veinten vns pebüet! 



— 29 



XXVI. 
Wie er für herodem ward gefürt Tnd wider czw pilato« 



1 . Yerleich Tns, ihesu, dein genad ; 
yns armen Sündern nicht versag! 

2. Allain dir, herr, czw lob vnd er 
Betrachten wir dein leyden mer. 

3. Pylatus ihesnm nemmen was 
Tnd jn der fürsten diener gab. 

4. Sein hend jm punden auf [den] ruck, 
hertt hin vnd ner ward er geczuckt. 

5. Sye fürten jn herodes czwe 
mit jamer vnd mit vngefueg. 

6. Des frayat sich herodes ser, 

vm das er czaichen von jm säch. 

7. Er fragt den herren manig frag, 
dar auf er jm kain anthwurt gab. 

8. Er legt jm an als ainem torn 

ain weyss gewant, lanck binden vnd 

vom. 

9. Pylato er jn wider sant, 

vnd wurden aneinander firewnt; 

10. Wan sie vor lang in veintschaft warn, 
durch ihesum sie czw frewnten wurn. 

11. Den dienern er pefolhen ward, [BL48a] 
die fürten jn vnmassen hart. 

12. Sye giengen jm verr vor vnd nach 
vnd schneren auf vor aller schar: 

13. 'Nun secht den an! wan er ist der, 
der alles volck hat falsch gelert. 

14. Nun secht! er ist gevangen nun, 
der sich da nennet gottes sun 

15. Vnd sich ain künigk hat genend; 
dem sind gepunden nun sein hend!' 

1 6. Das volck sie dar czw rayczten vast, 
das sie jm auch gehässig warn, 

17. Mit stainen, hölczem wurffen czüe, 
mit anderm vnflatt auch dar czwe. 

18. Dass weyss gewant, das an jm hieng, 
dem herren lur dye füss verr gieng, 

19. Das er oft viel an alle gnad 
vnd auf der erd jm vnflat lag. 

20. Pilatus hawsfraw die ersach 
die grossen väl vnd vngemach. 

21. Hin czw pylato sant s^ pald, 
das er verpurg den seinen gwalt, 



22. Mit nichte nicht czw schaffen hiev 
mit disem vnschuldigen plut. 

23. Also ward es der herr gefüert 
pylato wider für sein thüer. 

24. Ainer sties jn dem ander czwe, 
von nyemantz macht er haben nie. 

[Bl. 48 b] 

25. Das alles sach maria an, 

dar durch sy newen schmerczen gwan. 

26. Pylatus des gar ser erschrack, 

Am jm der herr ward wider pracht. 

27. Wan er ain hofnung het dar auff, 
herodes wurd jn lassen aus. 

28. Pylatus ruft czwsamen schnell 

dye pyschölff, fürsten, gschriftgelertn. 

29. Aufrichtigklichen czw jn sprach : 
'ir habt mir disen czwgepracht, 

30. Auf den ewr klag dan also stat, 
wie das er schuldig sey des totz. 

31. Nun hab ich des erfaren mich, 

kain schuld an jm ich vind noch siech, 

32. Dar vm ir weit, er sterben sol 
ains solchen schmächlichisten totz. 

33. Ich wil jn aber straffen lan 

mit gaysein genug vnd lassen gan!' 

34. Da schrieren sie mit lauter stim: 
'nur nymb in hin vnd crewczig* jn! 

35. Pylatus antburt jn vnd sprach : 
'so ir nun ain gewanhait habt, 

36. Das ir czw österlicher czeyt 
seyt ainen lassen ledig, fre^, 

37. Nun, welchen weit ir, sol ich lan, 
den ihesum oder barraban?' 

38. Da schrieren sie pylatum an: [B1.49a] 
'allain lass vns nur barraban?' 

39. 'Was weit ir, das ich ihesu thue?' 
'nur krewczig jn vnd tött jn nur!* 

40. Des alles wir erm^nen dich, 
parmherczigklichen vns ansiech 

41. Vnd hilf vns, herr, ausz aller not, 
vnd so die czeyt kumbt vnsers totz, 

42. Das an vns nicht erfreyet wem 
die veint, die vnser sei pegern ! 



II. XXV 
Die gayslang. 



l.Petrachten wir das leyden mer, 
das dan der herr hie für vns led! 

2. Pylatus ihesum nam zwhant 
vnd hies jm pinden auf sein hend. 

* H. : czrewczig. 



3. Mit allem vleys er da gedacht, 
wie er jn ledig machen mächt. 

4. Er wolt jn lassen czüchtigen. 
vor iren äugen das geschäch. 



-^ 



— ao — 



5. Damit er sie gestillen mächt 

vnd mit dem leben von jn prächt. 

6. Er czoch jm ab das sein gewant, 
czw ainer sälen er jn pant. 

7. Als nun die Juden Sachen das, 
das man den herren pinden was, 

8. S^e lieffen hin also geschwint. [Bl. 49 b] 
die strick die prachten sie zw jm, 

•^. Mit den er het getriben ausz 
die Juden aus seins vaters haws. 

10. Er lies jn schlahen also ser 
mit gerten, gaysein, keten, hert. 

ll.Dye czucht des herrens also was, 
vnd dreyerlay vnmassen gros. 

1 2. Dye gerten jm czerryssen gar 
die hawt pys czw der sollen ab. 



13. Dye gaysein jm sein heyligs fleysch, 
die ketten pla-^en jm den leyb, 

14. Das man jm an maniger stat 

hin ein das ploss gepain da sach. 

15. Sein heiligs nlut ab von jm ran. 
in solcher lieo sach er yns an. 

16. Er was geduldig in den tod. 
dapey er vns exempel gab. 

17. Siech an den herren, Christen sei, 
wie er erczogen vor dir ste! 

1 8. Siech an, für dich led er die not, 
czwleczt den pitterlichen tod! 

19. Des sey nun lob vnd er ^esait, 
herr, deiner lieb vnd miltigkait! 

20. Vnd vns vergib all vnser schuld, 
jn widerbärtigkait geduld! 

21. Vnd durch vergiessung deines plutz 
von vnsem Sünden waschen thue! 



XX VIII. 
Dye krönnng. [Bl. 50 a] 



1. Als nun der herr gegayselt ward, 
vnd an der sewlen das geschach, 

2. Den Juden noch kain gnüegen was, 
allain jn martern mit dem tod. 

3. Man pant jn ab der sewl herab, 
seins plutz er Vberrunnen was. 

4. Er stuend da also iämerleich, 
vnd czytert aller seiner leyb. 

5. In spotweys legten sy jm an 
ain purpur klayd, küniggewant. 

6. Sie seczten jn auf ainen stuel 
vnd punden jm die hend darzwe. 

7. Ain krön von dorn flochten sie 
vnd auch jn spotweys krö[n]ten jn. 

8. Sye truckten jm die hertt hinein 
pys auf die heilig hiemschal sein. 

9. Der herr da in der marter sas. 
das plut jm tbr die äugen flos. 

10. Dar nach peweysten sie jm schant: 
ain ror jm gaben in dy hant. 



11. Sye viellen für jn auf die knye: 
'pys grust der juden künig hie!* 

12. Sein angesicht was jm verdeckt, 
mit plut vnd spaicheln gancz erhert. 

13. Sye triben vor jm sölchew wart, [Bl. 50b] 
das man es hart geschreyben mag. 

14. Mit fluchen, schelten, schlahen hatt, 
mit spüczen, rauffen pey dem part. 

15. Das led der herr geduldigkleich, 
das er vns prächt das himelreich. 

16. Hie ward verspottet alles das, 
das yndert an dem herren was. 

17. Sein gothait, menschait, heiligkait 
wart da verspot vnd hingelaid. 

18. Das sey dir lob vnd er gesagt, 
der dw für vns verschmänet warst! 

19. Vor allem spot vns dort pehüt, 
des pitten wir dich durch dein gut! 



XXIX. 
Ecce homo. 



1 . Als nun der herr gekrönet ward, 
sein heiligs hawp durchlöchert gar, 

2. Pylatus jn da czw jm nam, 
also verbuntten mit der kran. 

3. Er fürt jn in ain fenster auf 
vnd czaigt den Juden jn herausz. 

4 . Er sprach : ' nun secht den menschen an !' 
als ob er sprach: nun last jn gan! 



5. Nun secht, wem er doch sey geleich, 
erparmt euch noch vnd last jn frey! 

6. Nun siech, mein sei, den herren an, 

[Bl. 51 a] 
siech an den künigk mit der kran! 
7. Er tregt ain künigUeich gewant, 

jn dem er schmachait leyd vnd schant. 
8. O dw, mein sei, erparm dich sein, 
siech an, petracht die grossen pein! 



— 31 



9. Ihesus da vor den Juden staind, 
kain gnad im noch von in erschain. 

1 0. AUain mit grim vnd lauter stim 
schrieren sye czw pilato hin: 

11 /Nur heb jn auf vnd crewczig jn! 
wan er des totz wol schuldig ist. 

12. Nach vnserer ee er sterben musz, 
des mag jm nyemantz machen pusz. 

13. Wan gotes sun sich hat genant, 

dar ym rieht jn vnd maehs nit langk ! ' 

14. Der red erschrack pylatus ser 
vnd nam czw jm den herren mer 

1 5. Vnd mit jm in das rechthaws fürt, 

fedacht mer, wie er ledig würd. 
Ir fragt den herren mer vnd sprach: 
'von wannen pistu? mir das sag!' 

17. Der herr jm da kain antburt gab. 
pylatus aber czw jm sprach: 

18. Antburtzt dw mir nicht auf mein frag 
vnd l^ber dich gewalt doch hab?' 

19. 'Dw bietest kainen Vber mich, [Bl. 51 b] 
war er dir nicht verbeuget hie. 

20. Wan der mich dir gegeben hat, 

der hat mer sunt dan dw volpracht!' 

21. Pylatus mer petrachten thet, 
wie er den herren lassen möcht, 

22. Vnd wider czw den Juden sprach: 
'ich vindt an jm kain schuld des totz!' 

23. Als nun die Juden hörtten das, 
das er ihesu genaiget was, 

2J.Da schrieren sye: vnd last dw jn, 
kain frewnt des kaysers dw nit pist. 

25. Wer sich aihn künigk nennen ist, 
dem kayser er da widerspricht!' 

26. Pylatus mer in sargen was 

vnd forcht des kaysers vngenad. 



27. Er wusch die hend vnd dar czw sprach : 
'ich pin vnschuldig, nemmet war, 

28. An disem vnschuldigem plut, 

dar vm schaut ir auf, was ir thut!' 

29. Sye schrieren auf mit lauter stim: 
'sein plut auf vns vnd vnsrew 

kind ! ' 

30. Pylatus nun czw grichte sas, 
den herren richten czw dem tod. 

31. Da sendt czw jm djr hawsfraw* mer, 
das er mit nichte nebten war: 

32. 'Wan ich heint viel erlitten hab, 
von seinen wegen vngemach!' [B1.52a] 

33. Das schuffen alls die pösen geist, 
die alczeyt irren vnser hail. 

34. Das ihesus als geduldig was, 
des trugen sie jm neyd vnd has. 

35. Als Judas nun vemam vnd sach, 
das man jn richten wolt czum tod, 

36. Mit rew sein tbl da erkant 

vnd czw den fürsten lieff czwhant: 
37. 'Ich hab gesünt', er czw in sprach, 
'das ich suso verratten hab 

28. Das plut der vnschuld so an not!' 
die Pfenning in den tempel warff. 

29. Sye sprachen: 'was sei vns das an? 
schaw dw auf, was dw hast gethan!' 

30. Damit verczweyfelt iudas gar 

vnd nam ain strick, erhieng sich da. 

31. Sein sei jm prach aus durch den 

leyb 
vnd ist verdampt nun ewigkleich. 

32. Vor solchem end vns, herr, pehüt! 
des pitten wir dich durch dein gut, 

33. Das an vns nicht verlorn werd 
dein heyligs leyden hie auf erd. 



XXX. 
Das Trtayl. 



1. Pylatus nun czw grichte sas [Bl. 52 b] 
vnd forcht des kaysers vngenad. 

2.DaTumb er ihesum richten wolt 
auf offnem placz, vor allem volck. 

3. Er gab das vrtayl l^ber jn, 
das man jn sold vertilgen hin 

4. Von diser weit des schmähen totz, 
als an dem krewcz dan das geschach. 

5. Des vrtayls wurden sie erfreyd; 

jr hercz das pran in has vnd neyd. 

6. Sye eylten da dem herren czwe 
mit schreyen vnd mit vngefueg. 

7. Sye stiessen jn vast hin vnd her, 
verspürczt, verspott ward er da mer. 



8. Er was da vor den Juden sten 
als wie ain aussecziger mensch. 

9. Das alles sach maria an 

vnd auch das vrtail höret gan. 

10. Herr ihesu christe, vnser hail, 

so dw wirst richten, vns nicht schaid ! 

11. Des vrtails wir ermanen dich, 
parmherczigklichen vns an siech! 

12. Vnd, muter der parmherczigkait, 

des schmerczens vnd des herczenlaitz 

13. Ermanen wir dich jnnigkleich; 
an vnserm end so ste vns pey! 



* H.: hawfraw. 



— 32 — 



XXXI. 
Dy ausfüerong. 



1. Als nun der herr ^eurtailt ward [Bl. 53a] 
dem strengen, pitterlichen tod, 

2. Zw dem er nun gefürt sold wern 
ynd schaiden hin von diser erdn, 

3. Den rittern er pefolhen ward, 
die eylten mit jm czw dem tad 

4. Vnd jn enplösten des gewantz, 
das jm ward angelegt czw schaut. 

5. Das haft jm ser in seinem leyb, 
pesundrew marter dauon layd. 

6. Mit kreften jm das czugen ab. 
sein heiligs plut hernacn da flos. 

7. Als nun der herr enplösset ward, 
den seinen rock man jm anbarff. 

8. Das alles thet man jm czw schaut, 
wan er dar jnn was wolerkant. 

9. Das krewcz das hüben sie jm auf, 
das must der herr nun tragen aus. 

10. Den schachern ward er czwgeleicht 
vnd cz wischen jn czwm tod geweyst. 

11. Als ob er ye der pösist war, 
der nye her kam auf disew erd. 

12. Das krewcz was schwär, gros, darzüe 

lanck 
dar vnder ihesus nyder sanck. 

13. Als sie jn prachten Tuder das tor, 
sein kraft jm gar enthwichen war. 

14. Vnd mit dem krewcz sanck auf dy erd; 
das macht, ain warer mensch er war. 

[Bl. 53 b] 

15. Des nummen jn die ritter war 
ynd hüben jn da pald enpar. 

16. Wan sie pesargten, das er stüerb 
ynd ynder iren henden yerdürb, 

17. Vnd jn nicht mächten pringen dar, 
da sie jn wolten martern gar. 

18. Sye seczten in auf ainen stain ; 
dy rast des nerren was da klain. 



19. Der herr hinumb sach gen der stat 
Vnd sach yil yolcks jm yolgt her nach. 

20. Dar ynder heilig weyber warn 
mit layd ynd smerczen hochpeladn. 

21. Von iren äugen Aussen ab 

die haissen czäher an ynderlosz. 

22. Ihesus, der herr, die muter sach. 
er tröst sy, in dem das er sprach: 

23. 'Ir töchter yon iherusalem, 

nicht Vber mich solt ir hie waynn, 

24. Allain Vber euch vnd ewrew kind! 
wan es dy czeyt noch auf euch kümbt, 

25. In welcher ir dan sprechen wert, 
vor iamer fallen aui die erd: 

26. ''Sälg seind die leyb die nye ffeporn. 
die prüst die nye gesawget habm"!' 

27. Vnd das geschach nach yierczigk iarn: 
iherusalem czerstöret ward. 

28. Als nun die ritter hörten das, [Bl. 54a] 
das er anhub ynd reden ward, 

29. Sye ruckten jn pald ab dem stain 
an alle gnad ynd güttigkait. 

30. Das krewcz jm hüben wider auff 
ynd eylten vast mit jm hin aus. 

31. Der herr was kranck ynd also schwach, 
das krewcz er nicht getragen macht. 

32. Ain man kam dar ausz ainem darf; 
der must im heLQTen tragen nach. 

33. Also wara er dahin gepracht, 
da er dan leyden soldt den tod. 

34. Des alles pvs nun, herr, ermant ! 
parmherczigklichen siech yns an, 

35. Vnd yns yerleich hie dein genad, 
dir ynser krewcz auch tragen nach 

36. Vnd tragen das auch an die stat, 
da ynser leben ain ende hat! 

37. Maria, himelkünigin, 

erbirb yns das yon deinem kind! 



XXXII. 
Dye abczihung pey dem krewcz. 



1 . Als nun der herr wart dar gepracht, 
da er nun leyden wolt den tod, 

2. Den seinen rock czoch man jm ab; 
der haft jm in den wunden yast. 

3. Den ryss^n sie ab jm herab. [Bl. 54 b] 
sein heyli^ijs plut er mer yergos. 

4. Der herr stuend plosz, elendigkleich, 
yor allem yolck gar ärmigkleich. 

5. Vor frost vnd scmnerczen czitem ward, 
vnd jm die kraft engangen gar. 



6. Dye rytter eylten mit jm ser, 

das krewcz sie legten auf ain hoch. 

7. Sye griffen nach dem herren da 
mit vngefueg pey seinem har. 

8. Sye wurffen jn da auf das krewcz 
vnd streckten jm aus seinen leyb. 

9. Sye nummen jm dy grechten haut 
vnd schluegen die ans krewcz hinan. 

10. Sye massen jm die andern dar 
hin czw dem loch des andern ortz, 



— 33 — 



11. Das yil czw ferr geporet was, 
ynd czugen dye mit stricken dar. 

12. Ain naffel da geschlagen ward, 

was pmbägs ynd auch darczw grosz. 

13. Zw herttigkait was ir pegier. 

sje legten strichk auch an die fües 

14. Vnd czugen die mit aller kraft, 
das jm sein leichnam krachen ward. 

1 5. Sye czugen die auch mit geschray. 
kain pain an seiner stat pelayb. 



16. Der herr da an der marter lag, 
auf czw den himeln er da sach, [Bl. 55a] 

17. Als ob er seinen yater sach, 
den seinen leib jm opffern wär._ 

18. Dye Schacher wurden auferhabm, 
dy weil der herr lag auf der wag. 

19. Des auch ermanen wir dich hie, 
herr, kainen dw nye hie yerliest! 

20. Dar ymb so rüffen wir dich an, 
yerlassz yns nicht in disem land! 

21.Kum yns czu hilf in diser not, 
so wir da ligen in den tod! 



xxxm. 

Dy aufrlchtung des krewcz. 



l.Nyn Süllen wir yergessen nicht, 
wie es der herr ward aufgericht. 

2. Dye ritter kummen eylund dar, 
den herren hüben sie enpar 

3. Mit yil gespött manigerlay, 

mit lachen, schelten ynd geschray. 

4. Sye trugen jn der eruben czue 
mit aller schant ynd yngefueg. 

5. Sye stiessen jn mit kraft dar ein, 
des kracht jm aller seiner leyb. 

6. Aus henden ynd aus füessen flosz 
sein heiligs plut an ynderlosz. 

7. Dye yier prCLnn wurden aufgethan, 
dar jnn wir yns nun waschen schan. 

[Bl. 55 b] 

8. Dye hämerschleg ynd auch dapey 
das aufheben ynd gross geschray 

9. Das hört ynd sach maria an, 

dar durch sie herczenlayd gewang. 

10. Als nun der herr wart auf gericht 
in czwischen czwayer Schacher mitt, 

11. Sye lieffen für jn ym das krewcz; 
sein grosse marter was ir freyd. 

12. Sye hueben irew hewper auff 
ynd sprachen czw jm so hin auf: 

13. 'Nun yach, der so gewaltig ist, 
den tempel gottes prechen wil, 

14. Vnd den hinbider pawen wil 

jn dreyen tagen, ruembt er sich!' 

15. Sye triben yor im yngefueg 
ynd retten jm da Vbl czwe: 

16. 'Den andern er geholffen hat, 
jm selb er nicht gehelffen mag! 

Bänmker, Deatsches geistliches Liederbuch. 



17. Fistu gotz sun, so stey^ herab! 
so glauben wir nach deiner sag.' 

18. Das hub jm auch der Schacher auff, 
Der zw der lincken seyten was: 

1 9. ' Pistu gotz sun, erledig dich 
ynd yns mit dir mach naibärttig!' 

20. Des straffet jn der ander yast : 

'ynd dw furchst got nicht?' zw jm 

sprach, 

21. 'In der yerdampnüsz dw doch pist, 

[B1.56a] 
ynd leyden das gar pilligklich. 

22. Was aber der hie leyden ist, 
das leydet er ynpilligklich ! ' 

23. Vnd kert sich czw dem herren da, 
mit rewigem herczen czw jm sprach: 

24. 'Gedenk mein, herr, in deinem reich!' 
ynd er gelaubt da yestigkleich. 

25. Der herr den Schacher trösten was 
ynd sprach: 'fürbar, ich dir das sag, 

26. Hewt wirstu warlich pey mir sein, 
warlich pey mir jm paradeys!' 

27.0 wie so gar ain süsser dan 
dem Schacher in den oren klang! 

28. Da jm der herr yerhaissen was 
das paradeys, die ewig gab. 

29. O milter herr, mit deinen gabm 
pegab yns auch mit disen gnadn! 

30. Vnd das wir dir nit schnöder seind, 
dan dir der Schacher an dem krewcz, 

31. Sprich auch czw yns, herr, disew wart 
mit den dw jn getröstet hast! 

32. So ynsers lebens nicht mer sey, 
so ste vns mit den warten pey ! 

3 



— 34 



XXXIV. 
Als er nun hi^ng au dem krewcz« 



1 . Nun Bullen wir petrachten mer, [Bl. 56 b] 
wie es der herr am krewcz nun led. 

2. Der herr hieng da in todes not, 
gespannen yna genagelt hart, 

3. An allen glidern ser verbunt, 

allain die czung noch prauchen kunt. 

4. Vnd in Verspottung solcher schmach 
pat er für sie vnd also sprach: 

5. Vergib jn, vater, vater mein, 

wan sie nit wissen, was sie thain!' 

6. Dye stym des suns da senften thet, 
des vaters czoren nyder legt. 

7. Wan solche kraft het das gepet, 
das da von wurden vil pekert. 

8. Vnd wert noch hewt auf disen tag : 
nyemantz der vater versagen mag. 

9. Wan er nun so parmherczig ist, 
wee dem, der sicn versawmen ist! 

10. Maria hört an disew wart, 

wie ir sun für sein veint da pat. 

11. Vor herczenlayd vnd iamer schwär 
vil lieber tod gewesen war. 

12. Ir schmerczen thet dem herren wee 
Vber alle marter, die er led. 

13. Maria jn ir sprechen gund 

zw irem sun aus herczem grünt: 



14. *0 herr des himels vnd der erd, 

wie pist erarmet hewt als ser! [B1.57a] 

15. Vor armut nicht ain statlein hast, 
dahin dein hawp gelainen magst! 

16. O allerliebster herr, der mein 

vnd trewer hiert der schäfflein dein, 

17. Sprich zw mir nur ain ainis wart 
in meiner gegenbürtigkayt ! 

18. Als das maria ir gedacht, 

der herr trost sy vnd czw ir sprach: 

19. 'Nymbar, weyb, das ist nun dein sun!' 
vnd czw johannem widerum: 

20. *Nymbar, daseist dy muter dein!' 
dyjunckfrawnnamdy junckfrawn* ein. 

21. Dye trawrig muter schweygen thet, 
vor schmerczen ward ir hercz verdeckt. 

22. Dye hayssen czäher sy vergos, 

der schmercz was gros, ir red peschlosz. 

23. Wie gros der schmercz doch ymer was, 
jünckfreylicher czucht sie nye vergasz. 

24. Nun, muter der parmherczigkait, 
nun wir ermanen dich des laytz, 

25. Als dir dein allerliebster sun 
sand Johanns gab für deinen sun 

26. Vnd dich jm mr dy muter sein, 
lass vns dir nun pefolhen sein! 



XXXV. 
Als noch der herr Ueng an dem krewcz vnd lebt. 



1 . Als nun der herr hieng an dem krewcz 

[Bl. 57 b] 
kain glid an jm het er nit frey, 

2. Allain dy czung vnd äugen sein; 
damit trost er die muter rain. 

3. Als er wolt gen aus diser weit, 
mit reden, senen er sy trost. 

4. Darum sy wol gesnrechen macht: 
*vnd ob ich alles des vergassz, 

5. Das ye mein sun hie mit mir thet,, 
so mächt ich des vergessen nit, 

6. Als mich mein allerliebster sun 
am letzten sach so liebplich an.' 

7. Der herr schray auf mit lauter stim, 
dy stim hal czw dem vater hin. 

8. Er schray die wart: *mein got, mein 

wie hast dw mich verlassen doch?' 

9. In pittrikait des todes not: 
'mich türstet', da der herre sprach. 



10. Die Juden lieffen eylund hin, 
pald gall vnd essing prachten sie. 

1 1 . Das gaben sie jm in den durst, 
das jm dy martter grösser wurd. 

12. Als ihesus, der geduldig herr, 

des pittem trangks versüechet het, 

13. Dienmütigklichen dar nach sprach: 
*^es ist nun alles das volpracht!' 

14. Py Juden waren vnder dem krewcz 
vnczichtig vnd gar grober weys. [B1.58a 

15. Sye taylten jn das sein gewant, 
das sach auch da maria an. 

16. Den rock des herrens sunderbar, 
der was gewürckt an alle nat, 

17. Den jm maria het gemacht, 
darumb so wurffen sie das lasz. 

18. Als nun der herr das wart gesprach: 
'^es ist nun alles das volpracht , 

19. Da rang mit seinem heyligen leyb 
der pitter tod gar kreftigkleich. 



* H.: junkfawn. 



35 — 



20. Sein heiligs hawp er naigen ward 
vnd seiner sei da vrlaub gab. 



21. Dem tod er auch erlauben thet 
mit lauten schreyen und gar hertt; 




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Itt 



Va-ter, in dein hend enpfilch ich meinen gei-ste! 



22. Der herr gab hie auf seinen geist 

[Bl. 58bi 
mit lauter stim, gar herttigkleich. 

23. In himeüi vnd in ertterreich 
erhal dy stim gar p&rmigkleich. 

24. Dye chör der englen stelten sich, 
als ob sye trawrten jnni^klich. 

25. Dy sunn nicht mer gab iren schein, 
die stain enspielten sich enczway. 

26. Dem herten sünder hie czw schant, 
der hertter ist, dan ain stainbant. 

27. Centurio ain ritter was, 

dem dan der herr pefolhen was. 

28. Als der die wunderczaichen sach, 
der schlug in sich vnd also sprach: 

29. * Warlichen was der gottes sun ! ' 
dye rew sein hercz perüeren gund. 

30. Der vmhang in dem templ was, 
raysz sich enczway von oben herab. 

31.Drey stund wert es dy vinsterey. 
so lang lebt christus an dem krewcz, 

32. Als lang Adam im paradeys, 

als vns dye heilig gschrift ausweyst. 



33. Dy stim ihesu gehöret hat 

das ertterreich, erpudmen ward; 

34. Wan es das krewcz schwärlich enpfieng, 
daran sein schöpf er led vnd hie[n]g. 

35. Dy stim auch mer gehöret habin: 
der toten greber offen wurdn. [B1.5Öa] 

36. Vil heiliger leyb dar aus erstuen 
vnd in der stat ir vil erschaynn. 

37. Auch ward erpudmen alles das, 
dar indert in der vorhell was. 

38. Dye pösen seist die schmückten sich, 

?ys sie der herr stürmbt gweltigklich. 
)er himlisch vater da zwhant 
den menschen czw genaden nam. 

40. Maria sach in iamers not, 

wie mit jm rang der pitter tod. 

41. Nun, muter der parmherczigkait, 
pitt für die armen kristenhait! 

42. Herr ihesu christe, tail vns mit, 
des dich dein liebew muter pitt! 

43. Dye lieb dich pracht auf an das krewcz; 
tayl vns die mit noch ewigkleich 

44. Durch deinen pitterlichen tod! 
dein gnad vns armen nicht versagt. 



^ 



XXXVI. 
Als nun dy sei Ton dein leichnam was geschaiden. 



l.Als nun des herren heilig sei 
sich von dem leib geschaidet het, 

2. Sy lies den hangen solcher weys 
verwunten vnd so iämerleich 

3. Durchmartert vnd durchlöchert ser, 

[Bl. 59 b] 
das kainer leydet nymmermer. 

4. Mit offnem mund, genaigtem hawp, 
o kristen sei, den nerren schaw! 

5. Der Juden fürsten nummen bar 
irs hohen hochczeytlichen tags, 

6. Das nicht die leyb dy hohen czeyt 
peliben hangund an dem krewcz. 

7. Den rittem das pefolhen ward, 
die eylten zw jn aus der stat, 



8. Den schachern prachen ir gepain, 
dem herren auch das wolten thain. 

9. Da sahen sie jn toten an 

vnd nicht czerprachen sein gepain. ' 

10. Ain ritter, der langinus hies, 

drang durch das volck vnd sich periet. 

11. Sein sper er czw dem herren masz 
vnd jm das in sein seyten stach, 

1 2. Dar aus dan plut vnd wasser ran. 
das alles sach maria an. 

13. Das was czwmal gar parmiffkleich, 
das er das thet dem toten leib. 

14. Maria newes layd enpfant, 

vor schmerczen auf die erden sanck. 

15. Vnd das petracht auch, cristen sei, 
was schmerczen da dy muter het! 



3* 



— 36 — 



XXXVII. 
I N K 1. 



1. Pylatus der lies schreyben auch[Bl. 60a] 
vnd schlahen an das krewcz hin auf, 

2. Das hies : ,,JhesuB von Nazareth, 
der Juden künis", schreiben thet. 

3. Als nun die Juden sahen das 
vnd horten, aas ^eschriben was, 

4. Hin czw pilato lieffen sie : 

* nicht schreib den vnsem künig hie, 

5. Nur das er sich hat den genant/ 
dapey ir poshait ward erkant. 

6. Irs regimentz sie sich verczign, 
dem kayser wolten vnderlign. 

7. Pylatus sprach vnmutigklich: 
'was ist geschriben, ist geschribm!' 

8. Vnd in der czeyt kam dar ain man, 
josehff von Aromathia, 

9. Der haimlich auch ain junger was, 
der rayt da för den herren sach. 

10. Er sach den herren christum an, 
genadelt an das krewcz hin an. 

11. Er sach, das er gestarben was, 
dar ym sein hercz petrüebe was. 

12. Vnd eylund zw pylatum gieng, 
vnd Nycodemus auch mit im. 

13.Sye paten jn gar vleyssigkleich, 
das er jn gab den toten leyb, 

14. Das eye jn prächten czw dem grab 
vnd melten auch der mutern klag. 

[Bl. 60 b] 

15. Ob man den nicht verpergcn würd, 
vor schmerczen sy aucn sterben wurd. 

16. Mit wurder hört pylatüs das, 
das er als pald gestarben was. 

17. Wan er gedacht die marter sein 
vnd der mani^en hertten pein, 

18. Vnd dauon nicht gestarben was; 
darumb vermaint er auch noch das. 

19. Als nun pylatus hörat das, 
das es der herr gestarben was, 

20. Den leichnam christi er jn gab, 
vnd sie jn trüegen czw dem grab. 

21. Des wurden sie gar ser erfrevd 
vnd danckten jm gar vleissigldeich. 



22. 

23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 

42. 



Josehff der schickt sich in der czeyt 
mit laytem, czangen czw dem kreucz. 
Er nam ain tuch auf sich, was weys, 
vnd lost den herren ab dem kreücz. 
Maria stuend da nahant pey 

i'n fi^rossem herczenlichen layd. 
n lieb vnd müterlicher klag 
wartt sy irs sunsz am krewcz herab. 
Er ward geleeet auf die erd, 
da ward ir scnmerczen erst gemert. 
Sy naygt sich czw jm auf das tuch 
vnd nam jn auf ir schossz hiuzwe. 
Dye haissen czäher sy vergas. [Bl. 61a] 
das wunder was, das sie genasz; 
Wan er ir nye als nahand was 
m allen seinen leyden vor: 
Darumb der schmercz am grösten was. 
wer sy da sach, erparmet das. 
Mit iren czähern oft vnd dick 
feycht sy sein heiligs angesicht. 
Sy kust im oft die wunden sein 
vnd trucKt jn czw ir herczenleich. 
Der aller dmg ain Schöpfer was, 
der la^ ir totter auf der schossz, 
Durchlöchert jm sein hend vnd füessz, 
gestochen in sein seyten tyeff, 
Vnd so gar mit czerrissem leyb: 
o muter, gros was da dein layd! 
Des nem ain yedew muter war, 
wie ir sun totter vor ir lag. 
Wan alle, dye da pey ir warn, 
die ^nden mit ir mitleyden habm. 
Maria nicht het so vil hie, 
dahin sy jn pegraben biet. 
Dar vm, wo sich dy arm hin kert, 
da het sy schmerczen, layd vnd wee. 
Johannes da pesargen gund, 
vnd sy verlüer mitsambt den sun. 
Dar vm sye mit jm eylten vast 
vnd nummen jn ir ab der schossz 

[Bl. 61b] 
Vnd Westen doch nicht, wo doch hin 
den heiligen leichnam grüeben jn. 



xxxvm. 

Wie man jn ab dem krewcz nam ynd in das grab legt. 



1. Josehff, ain man wie vor genant, 
dem gab got in sein hercz zwhant: 

2. Das er ihesum trüeg in sein grab, 
dem einsprechen gehorsam was. 

3. Er lies den totten nach jm tragn, 
gewilckelt ein czw seinem grab. 



4. Maria volgt mit schmerczen nach, 
pys das sy sach das newe grab. 

5. Ir geyst ain wenig wider kam 
vnd sagt da josehff grossen danck. 

6. Man wolt jn legen in das grab, 
den sun dy muter czw ir czoch: 



— 37 — 



7. ' Erpannbt euch mein, ir frewnt diemein, 
das ich noch sech das angesicht sein! 

8. sun, ain leben meiner sei, 
aniger trost vnd got, mein herr, 

9. Wie last dir mich in schmerczen hie! 
schaff, das die sterb vnd sey pey dir, 

10. Dy dich gepar, herr, czw dem tad. 

schaff, das dy sterb zw dir jns grab!' 
ll.Hye waech hin der gewünschte tod 

Ton maria, der muter gotz, [B1.62a] 

12. Wie wol sy des von herczen gert 
für alle freyd auf diser erd. 

13. Vm dreyerlay si des pegert: 

vor grosser lieb, das ist das erst 

14. Das ander: das geendet het 
mitsambt dem sun ir grosser schmercz. 

15. Das dritt: ir sei gefaren war 
mit jm auch czw der vorhell ab. 

16. Vnd das ward ir verlihen nicht; 
gott alle ding czwm pesten schickt. 

17. Man lest den toten in das grab 

vnd walczt ain stain darfür, was gros. 

18. Maria da peliben w&r, 

pys das ir sun erstanden war, 

19. Wan es des nachtz ynczimlich was, 
das ain junckfraw sold sein heruor. 

20. Des nam jm auch Johannes war, 
dem sy am krewcz pefolhen ward. 

21. Er fürt sy wider von dem grab 
mit andern frawen in die stat. 



22. O, wie gar oft sach dahin vm 
die muter gotz nach irem sun! 

23. Damit fürt sie Johannes ein 

als wie dy geliebten muter sein. 

24. In seinem haws er sy pehielt 
in aller er vnd aller wird. 

25. Hie möcht ain kristenlichew sei [61.62b] 
yerbundem vnd petrachten mer, 

26. Wye das maria vor layd nicht starb, 
des sind drey Trsach, der nymbar: 

27. Dy erst was: dy war yrstend sein 
pehielt sy yor des todes pein. 

28. Dy ander: dasallsmenschlichs gschlächt 
durch seinen tod erloset war. 

29. Dy dritt yrsach, dy was dy pest: 
das was der heüig geist, so yest, 

30. An den sy nit pestanden war 

in so yil schmerczen hertter, schwär. 

31. Des alles wir ermanen dich 
yon ganczem herczen jnnigklich, 

32. Du muter der parmherczigkait, 
nun ste yns pey in allem layd! 

33. An ynserm strengen, letzten end 
kumb yns czw huff ynd kum pehend! 

34. Erparm dich, muter, l^ber yns! 

?itt ihesum, deinen liebsten sun, 
)as er yns wel genädig sein, 
pehutten dort yor aller pein 
36. Vnd ynser sünd hie püssen lass, 
parmherczigklichen yns hie straff! 



XXXIX. 
Wie er abflier czw der hellen. 



1. Nyn sullen wir petrachten gar fBl. 63a] 
das leyden christi an ain ort. 

2. Als nun der herr yerschaiden was, 
da fuer sein sei zw der yorhell ab. 

S.Ais lang er dan lag in dem grab, 
so lang sy pey den yättern war. 

4. Mit gwalt er da perawben gund 
die tyefl in der vorhell grünt. 

5. Da sahen jn mit schricken an 
die hellenischen legion. 

6. Dye torbartten da fragen warn: 
'wer ist, der solchen gwalt ist 

habm 

7. Vnd der so srawsamlich ynd starck 
ist kummen ner an alle forcht, 

8. Vnd prehet mit schneweyssem schein, 
nicht fürchten ist hie ynser pein? 

9. Wer hat yns ye gesandet mer 
ainn solchen totten yon der weit, 

10. Der ynser thörr ynd ynsrew end 
^o trüczigklichen wil durchgen, 

IJ.Vns notten ynd auch czwingen wil, 
der ynsem yns perawben wil? 



12. Wir sehen hie den pitter nicht, 
der richter da erczayget sich!' 

13. 'Vnd war er schuldig', sprachen sie, 
* fürbar, so küen war er da nicht! 

14. Ist er dan got sich hie erczaigt, 
was thut sein leyb dan an dem krewcz ? 

[Bl. 63 b] 

15. Ist er dan mensch ynd kumbt her ein, 
so gar an forcht ynd truczigkleich? 

16. Ist er dan warer got ynd mensch, 
we, we wie seinen wir erplent! 

17. Durch den also petrogen warn, 
yon ynserm gwald nun abgeualn!' 

18. Nach solcher grawsamlicher stim 
rieht Christus pald den spycz hin jn. 

19. Den iren gwalt er in czerprach 
ynd durch die engel czw jn sprach: 

20. 'Ir fürsten, nun erhebet hie 
ewr parten ynd ir ewig thuer! 

21. Wan es wirt eingen mit gebalt 
der künig der em also pald.' 

22. Vnd wider das erschallen sie 
mit hertter grawssamlicher stim: 



— 38 — 



23. 'Wer ist der kunigk hie der ern?' 
die engl gunden antburt gebm: 

24. 'Er ist der starck herr in dem streyt, 
der herr der krefften vnd der sterck. 

25. Der mächtig herr, künig der ern!' 
nach dem czerprachen da die thör. 

26. Der herr gieng in die vorhell ein 
mit yil der engein, grossem schein. 

27. Dar jnn dan pey fünff thausend iarn 
ethlich alt väter wartten warn. 



28. Dye wurden da erfreyet gros, [Bl. 64a] 
das ir erlöser kummen was. 

29. Vor frevden vyelen auf die knye, 
mit czähraten stimen sprachen sie: 

30. 'O dw, pegierlichister nerr, 
pistu nun czw vns kummen herr? 

31. üestigen czw den hellen ab, 
des wir hie lang gepyten habm. 

32. Nicht mer hinfüran von vns sey, 
so dw wirst faren in dein reich!' 



Hye hernach volgen ethlich geistlich [Bl. 65 a] lieder, doch in welt- 
lichen weysen. Von ainem grossen sünder. Darauf auch wol ander 
sünder mügen merken vnd sich pessern. Von erst, wie er oft ward 
innbenig ermant, aufczwsten von dem schlaff, das ist von den sünden, 

wye hernach stet etc. 



XL. 
Wach auf^ dw sünder, schwacher man! 




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Wach auf, dw sün-der, schwa-cher man! Dw hast dich ser 




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ver - schlaf - fen, Dein sei musz zw der hell ab-gan 

4—4 



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Ste auf vnd lauff, ver- leg ir die stras-sen! 



1. Wach auf, dw sünder, schwacher man! 
dw hast dich ser ver schlaffen, 

Dein sei musz zw der hell ab gan: 
ste auf vnd lauff, verleg ir die Strassen ! 

[Bl. 65 b] 

2. Wach auf, dw sünder, nym dein war! 
das gut hast dw verschlaffen, 

Ste auf vnd eyl im binden nach, 
ob es dir noch möcht widerfaren! 

3. Wach auf! die nacht schleicht her 

auf dich, 
den tag hastu verschlaffen, 
Dein veint die streyten wider dich: 
ste auf vnd leg an dich die waffen! 



4. Wach auf zw got! dw kumbst in not, 
das süess wirt dir noch sawrre. 
Was ligstu hie in disem kot? 

ste auf, geleich dich nicht den sawen! 

5. Ste auf, gelaub vnd nicht verczag ! 
das gut mag dir noch werden 
Von dem, der alle ding vermag: 

ste auf vnd lauff, erczaig dich demnerren ! 

6. Der herr ist mild vnd gütig gar, 
er weist dich auf die Strassen. 
Lassz varen allew andre hab! 

er wirt dich warlich nicht verlassen. 



— 39 — 



7. Dar vm ker wider, nicht verczag! . 
er ist das ewig leben. 

Lassz raren alle andre hab, [Bl. 66 aj 
er wil sich dir noch wider geben. 

8. Dar vm so kum, versat^m dich nicht, 
val nyder für den herren! 

Wan er so gar parmherczig ist, 

das er sich nicht ma^ von dir keren. 

9. Dar vm so schrey, mit nichte feyr, 
dasz in die himel klinge! 

alls himlisch her das stet dir pey, 
Maria, dy rain küniginne. 
10.. O Sünder, last dir grausen nicht! 
dw must hie sein verwegen, 
zw got hab starcke zwuersich 
wildw pesiczen ewigs leben! 

11. Hab rew vnd laid, peichtt vnd würck 

puess! 
got wil dich jm versehen, 
als ainen frewnt haben in huet, 
den er gar lang nicht hat gesehen. 

12. Des frey dich, armer sünder hie, 
ker wider zw dem herren! 

wan er dich hat noch also lieb, 
das er dir hat so lang übersehen. 

13. Dar vm ker wider, thue das schier, 
vnd wart nicht auf das ende! 

das vrtail fürst alczeyt mit dier, 
das dir wirt sein dan also strenge. 

14. Gedenck dar an vnd lasz davon, 
gedenck dein armes leben! [Bl, 66b] 
dein sei musz zw der hell ab gan, 
wildw dich hye des nicht verbegcn. 

15. Doch Sünder, so verczweyfel nicht! 
magst dw der sünd nicht lassen, 
schrey auf zw got, des nicht vergy«! 
er wirt dich warlich nicht verlassen. 

16. Ja pistu aber also frey 

des höchsten gutz vei^essen, 
so merck dw warlichen dapey, 
das dich verdampnüsz hat pesessen. 

17. Des thue erschncken da dein hercz, 
ste auf. schlach in dich selber, 

vnd last dir das nit sein ain schercz, 
thue dich sen sot dem herren melden ! 

18. Ste auf vnd eyl, ker dich czw got, 
gedenck der seinen gute, 

der dich nye lies in kainer not! 
ste auf vnd danck jm seiner gütte! 



19. Den tod des Sünders nicht pegert, 
nur das er sich pekere 

vnd widervmb sein diener werd, 
jn gutem willen zw jm kere. 

20. Dar vm so kum, gefangner man! 
er löst dich aus den panden; 
siecht er dich diemütigen stan, 

er schait dich warlich nicht von dannen. 

21. Nym an dich solchen vestenmut,[Bl. 67a] 
schut ausz den alten menschen, 
vernew dich, als der fenix thuet, 

so wirt dich got warlich erkennen. 

22. Chum , kum , kum vnd versawm dich 

nicht ! 
das tor ist dir noch offen, 
such dir kaynn ausczug falscher list, 
das dir das nicht werd gar verschlossen! 

23. Küff an die liebsten muter sein, 
dy wirt dich nicht verlassen, 
vnd all sein heiling auch dapey! 
damit wirstu die sünd hie lassen. 

24.0b das hinfür verczogen würd, 
dar vm solt nicht verczagen. 
als oft ste auf, schrey für vnd für!. 
GotV&is die stund mit seinen genaden. 

25. Pistu erstanden von dem tod, 
der herr dich hat erhöret, 

pys dan[ck]par, lob vnd er jm sag, * 
dye weil dw lebest hie auf erden! 

26. Siech nicht mer vm, wer nach dir kum, 
pys stät an guttem leben, 

pys an dein end peleyb dw frum! 
ewigew freyd wirt dir gegeben. 

27. Des hilfi vns ^ot, du ewigs gut, 
thue vns zw dir aufczihen! 

dw pist allain, der vns pehüet; 
hüff vns, das wir die sünd hie flihen! 

[Bl. 67 b] 

28. Siech an den armen Sünder hie, 
der jm nicht maggehelffen! 
erlösz jn aus den panden schier, 
chum, herr, vnd hilf jm, ee er sterbe! 

29. Dein leiden an jm nicht verlewsz 
vnd dein gar pitters sterben, 

dein parmherczigkait jm auf schleusz 
vnd jn nicht lass dort, herr, verderben! 



Die Melodie steht in der alten lydischen Tonart und paßt mit ihrem strengen, 
eindringlichen Charakter hesser zum Text, als wenn man sie durch Vorzeichnung 
eines h in das Ionische transponiren würde. Den weltlichen Text zu dieser Melodie 
hohe ich nicht ausfindig machen können. 

Die Verszeiten sind hei diesem Liede überall abgesetzt. Bis zur achten Strophe 
ist der Anfangsbuchstabe der dritten Zeile roth gezeichnet. Von der neunten Strophe 
an unterbleibt dieses. 



40 




XLI. 

Der sünder schlief hinbider vnd ward mer erwecket. 

Stand auf, dw armer sänder! 

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Stand auf, dw ar-mer sün-der! es ist wol an der 




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czeyt; 



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Ich furcht, dw hast ver - schlaf - fen die hi- 




^i^ 



me-li - sehen fieyd. 



1/ Stand auf, dw armer sünder! 

es ist wol an der czeyt; 

Ich furcht, dw hast verschlaffen 

die himelischen freyd.' 
2. O, hab ich dan verschlaffen [Bl. 68a] 

die himelischen freyd, 

von got wird ich verlassen, 

den posen veint zwtail. 
3. 'Ste auf, dw armer sünder! 

dw hast geschlaffen lang; 

wan dw macht hart entrinnen 

der hellenischen flam/ 
4. O, mag ich hart entrinnen 

dem hellenischen wee, 

wo thet ich hin mein synne! 

we meiner armen sei! 
5/Dw hast geschlaffen sere 

vil lange czeyt vnd weyl, 

verloren^ hie dein sele, 

dw armer, träger leyb!' 
6. Hab ich mein sei verloren, 

verschlaffen dort ir freyd, 

O we irs grossen schaden 

vnd meines posen leybs! 
7/ Stand auf, prauch noch dein synne! 

der herr der ist noch hie. 

wild dw der hell entrinnen, 

er wirt noch gnädig dir.' 

8. Ich furcht, ich hab verschlaffen 
den herren vnd mein sei, 

er werd mich nun verlassen, 
pehüten nymermer. [BL 68 b] 

9. Stand auf vnd schaw, pys munter! 
der herr, der wart noch dein. 



er wil sich lassen vinden, 

ob dw noch sein wild sein.' 
10. ia, von ganczem herczen 

wolt ich der sein gern sein. 

wo er nicht ist, ist schmerczen 

vnd alle helle pein. 
11.0, das ich armer sünder 

so lang geschlaffen hab! 

nun wart ich nye recht munter 

in dreysick iaren czwar. 

12. Das klag ich an mein ende, 
O dw, mein sei, mit mir, 
das ich vns hab versencket, 
versencket ab, so tieff! 

13. Wol auf, mein sei, mit layde! 
der herr, der ist noch hie, 

ob er vns noch wolt hauen, 
nicht mer ich ker von dir. 

14. O got, dw ewigs leben, 
des auserbelten freyd, 
parmherczig czwuergeben, 
mir armen hie verczeich ! 

15. Schick mich nicht auf die Strassen 
der hellenischen vart, 

vm das ich hab verschlaffen [Bl. 69a] 
manigen sälgen tag! 

16. Siech an den gar vil armen, 
an dich verdarben gar, 

thue dich sein noch erparmen, 
nym jn noch an dein schar! 

17. wan all mein sünd mich rewen 
ausz ganczem herczen grünt, 
hilff, das ich mich vernewe 
von tag zw tag, all stund! 



— 41 — 

Die Melodie steht in der hypomixolydischen Tonart, in der f clmrdkteriatischer 
Ton isty also nicht in fis verwandelt werden darf. An einer Stelle mußte wegen 
des Triiorius h statt h genommen werden. Wollte man der ganzen Melodie ein h 
vorschreiben, so toiirde sie dadurch in die hypodorische Tonart versetzt werden, die, 
wie mir scheint, dem Texte wenig angemessen ist. 



XLII. 

Hie waid dei sünder veimant, er solt dy weit veilassen vnd sich 

ducken vnd schmucken, wie hernach stet. 

Nnn seh muck dich, sflnder, schmuck dich! 




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Nun schmuck dich, sün-dei, schmuck dich, Von al - 1er weit 




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nun duck dich ! Of - fen stet das hi - mel tor, Duck 




dich hie, so kumbst dw dar. 



1/Nun schmuck dich, sünder, schmuck 

dich, 

von aller weit nun duck dich! 

Offen stet das himel tor, (Bl. 69 b] 

duck dich' hie, so kumbst dw dar/ 
2. Nun pin ich noch ain thummer man; 

hart ich mich noch ducken kan. 

Dye rosen vnd die plüemelein 

erfreyen mir das hercze mein. 
3. 'Nun duck dich, sünder, duck dich. 

der tod, der kumbt vnd czuckt dich. 

Dye rosen «md die plüemelein 

Verliesen alle iren schein.' 
4. Was ist, das mich thuet wecken, 

von meinen freyden schrecken? 

Wan ducken, schmucKen ist ain pein 

Tnd krencket mir das hercze mein. 
5. 'Nun duck dich, sünder, duck dich! 

schaw vm ynd vm vnd schmuck dich! 

Dw kimib[s]t her von dem erterreich 

vnd wirst dem widerun geleich!' 
6. Sol ich mich dan verwegen [Bl. 70 a] 

der freyden vnd des lebens 

Vnd auf erd mich naygen 

vnd schayden ab der haiden! 



7. 'Nun duck dich, sünder, duck dich, 
volg mir nach vnd schmuck dich, 
Lass varen disew rosenhaid 
vnd ewigklich pey mir peleib!' 

8. Nun schaiden ab der haiden 
vnd ewigklich peleyben! 

O ewigklich peleiben, 

ich schaid nuch ab der haiden! 

9. 'Nun duck dich sünder, duck dich 
jn mein leyden schmuck dich! 
Offen stet das himel thor; 

duck [dich] hie, so kumbstu dar!' 

10. Was ist die stim, die in mir hilt. 
so sütigkleichen vnd so mild 
Vernaisset mir das ewig lebm? 

ich wil der haid gantz vrlaub gebm. 

11. 'Nun duck dich, sünder, nicht verczag! 
ich wil dirs trewlich helffen tragn. 
IVlein leiden wirt dein trost hie sein, 
das wirt dir ringern all dein pein!' 

12.0 Waffen, ihesu, waffen! 
wie lang hab ich geschlaffen? 
Der tag ist mer dan halber hin; 
o we meins grossen vngebings [B1.70b] 



— 42 — 



13.0 ihesu, dw pehalte[r] mein, 
nun lass micn dir pefolhen sein 
Vnd schick mich in das lobe dein 
hie vnd dort, auch ewigkleich! 

14. Ir jungen vnd ir alten, 
die in den raien walden, 



Versa^mbt euch an den dingen nicht, 
trett pald zw got mit zwuersicht! 
1 5. Das sey also gesungen 

den klainen vnd den jungen, 
Vnd das sie lernen pey der czeyt 
die rayen ewiger säligkait. 



Die Melodie gehört der lydischen Tonart an. Das Versmaß istj weil die Zahl 
der Senkungen sehr wechselt^ veränderlich Das Schema ist folgendes ^ — ^— v^ — v^ — 
(viermal). In der ersten Strophe Zeile 1 und 2 ist die letzte Senkung ausgefallen, 
in Zeile 3 und 4. die erste (der Auftakt). In der Melodie ist darauf Rücksicht ge- 



nommen. 



XLIII. 

Wye der ausser vnd jnder mensch mit einander lebten, das ist dy 
Vernunft vnd dy sindlickait in dem sünder. Der ausser mensch wil 
wol hie essen vnd trincken, rue haben. Der jnder wolt gern dort rue 

haben vnd der ausser mensch hebt an: 

Wol auf, mein sel^ gehab dich wol! 




i-^ r 1*^1 l ^ziif" ^~^^ 



Wol auf, mein sei, ge-hab dich wol! Wir wel-len vns 




i^^^^^ 




er - ge - czen wol; Frey dich mit mir an traw - ren! 



1 . Wol auf, mein sei, gehab dich wol ! 

wir wellen vns ergeczen wol; [Bl. 71a] 

frey dich mit mir an trawren! 
2. 'Wo wild du mich hin füeren doch? 

die hell ist tieff, der himel hoch. 

pedenck dich, mein geselle!' 
3. Wol auf mit mir! wir wellen gan; 

geczieret ist der haiden plan 

mit pluemen vnd mit rosen. 
4. ' Gesel der mein , es pringt vns pein : 

volg mir, pleib hie, für mich nit ein, 

für mich nicht ein jn leiden!' 
5. Warumb, mein sei, petrüebest dich? 

wol auf mit mir, nicht laidig mich,' 

lass vns ain weil ermayen! 
6. ' O we vns armen deines gangs ! 

dw czuntest an der hellen flam. 

volg mir, pleib hie, gesselle!' 
7. O dw, mein sei, es ist zw schwär. 

solt ich sein hie an freyd so lär, [Bl. 71b] 

ja ee czeyt müst ich sterben. 



8. ' Gesel der mein, dw stirbest nicht, 

allain dw lebes ewigklich: 

schaid ab von disen fremden!' 
9. So ich mich nun von disen schaid, 

was musz hinfür dan sein mein freyd, 

ich armer hie auf erden ! 
10. 'Gehab dich wol vnd nicht verczag! 

der herr, der dich Beschaffen hat, 

wirt sein dein freyd an ende.' 
11.0 dw, mein sei, ich wol erken, 

das got ist fliild vnd auch gar streng. 

o we mir, armen sünder! 
12. 'Gesel der mein, volg meinen rat, 

hab got vor äugen frue vnd spat! 

der wirt dich nicht verlassen.' 
13. O dw mein sei, we thuet die pein, 

als wie der tod dem meinem leib; 

von dir ich nicht gern schaide. 
14. 'Gesel, der mein, wan es musz sein, 

leid hie oder dort die strengen pein, 

volg mir, leyd hie ain weyle!' 



— 43 — 



15. Nun wolt ich leyden, wie das war; 
allain die pein ist mir zw schwär, 
halt yast) mein sei, getrewe! 

16. 'Gesel der mein, wan ich pin dein, 
got mich dir gab hie in dein schrein. 

[Bl. 72al 
nun hut mein wol, geselle!' 

17. dw mein sei, nun pin ich kranck, 
ain kurczew pein ist mir als langk: 
o we, mir armen sünder! 



18/Gesel, der mein, verlcwstu mich, 
am jüngsten tag verlewst auch dich 
vnd ewigkleich verdarben.' 

1 9. O dw, mein sei, da schreckest mich ; 
ich wil dir volgen ewigklich. 

fot mir sein gnad mittaille! 
^er vns das lyed von erst hie sang, 
ain grosser sünder ist genand: 
genad jm got, der herre. 
21. £r singt yns das, vil andrew mer. 
ain yeder mensch pebar sein sei, 
pebar sein sei mit trewen! 



Die Melodie ist hypoionisch, daher muß ihr ein ^ vorgezeichnet werden. Die 
Anfangszeile hat Ähnlichkeit mit Nr. XLV. 



XLIV. 

Mer ward der sünder ermant, vnd er solt dauon lassen, wan er lebt 
nach seinen glüsten, aus ainer freyd in die ander nach der weit lauff. 

Wohin, wohin? ker wider ymb! 

Wo - hin, wo -hin? ker wi-der-umb! dw pist nicht auf 





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♦=3: 



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dei stras - sen; Der weg dei fütt dich iei vnd vm 




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hin zw der hei - len par - ten. 



1. 'Wohin, wohin? ker widerumb! 
dw pist nicht auf der Strassen; [Bl. 72b] 
Der weg der fürt dich ier vnd vm 
hin zw der hellen parten.' 

2. Nun ist er doch so kur[z]beylig 
vnd lustig meinem herczen; 

So ich den ge, erfrey ich mich 
mit schimpffen vnd mit scherczen. 

3. 'Das siech ich wol, das dw pist vol 
mit freyden Vberladen; 

£s kumbt die stunt, das dw wirst wol 
mit trawren also klagen!^ 

4. Nun frewnt der mein, was mag das 

sein? 
ist vnfrid in den landen? 
Ich ker mich widerumb pey czeyt,[B1.7 3a] 
das ich nit werd gefangen. 



5. eher wider schier, das rat ich dir, 
ee dw wirst hin verczucket! 

Den ^osten veint fürstu mit dir, 
hat sich zw dir geschmucket !' 

6. Wie ist dan mir? ich jn nicht siech; 
wie musz ich jn erkennen? 

Wen ich hie siech, der liebet mir; 
nun gib mir jn czerkennen! 

7. 'Nun pisz ain man vnd greyff an, 
ich main dein aygnen leibe! 

Vil Vbels hat er dir gethan, 
mit nieten solt jn streichen!* 

8. Das thuet mir we; rat mir noch mer, 
das ich in Vberbinde ! 

Mich selber straffen also ser? 
rat mir ain wenig linder! 



— 44 — 



9/ Ich sag dir das: nur pint jn pas, 
das er mr nicht entrinne! 
Wan er hat lieb, das jm da schat: 
prauch recht mit jm dein synneP 

10, Als ich verste, so ist er der, 
der mich da thut verfuren. 
Vnd thät es jm noch ains als we, 
ich wil jn änderst schnüeren. 

11/ Wild sein pehut, nym jm den mut, 
lasz jn nicht ob dir herschen! [B1.73b} 
Er prächt dich um das ewig gut 
jn pein, ach, we vnd schmerczen/ 

12. So ich das thue, noch kumbst dar zw, 
das er mich Yberbindet. 



Ich furch, ich geb jm vil zenueg, 
das ich musz sein da binden. 
13. 'Ich rat dir mer: volg meiner 1er, 
verpint jm seinew äugen! 
Ain eysnein hunt nir seinen mund, 
die weit nicht mer anschawen.' 

1 4. Nun das musz s ein ; dw fre wnt der mein, 
ich danck dir deiner lere. 

Er prächt mich in die ewig pein, 
erlöset n3anmermere. 

15. *^Woldan, nur dran, dw must hinan, 
ain andre hawt versuchen. 

Ich hab dein lang genug geschant, 
dein lan get mit verfluechen!' 



Die Melodie steht in der dorischen Tonart, 



XLV. 



Hie fragt jn sein gewissen, was ei doch da thue, er solt den 

dingen widersten. 

Was thastu, sflnder, hie! 




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Was thu - stu, siin-der, hie? nun siech, fleuch, fleuch, eyl 




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vnd eyl! Der wol-lust hie, der lie-bet dir. Fleuch, fleuch, eyl 




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vnd eyl, das dich der tod nit v - her - eyl ! 



l.Was thustu, Sünder, hie? nun siech, 
fleuch, fleuch, eyl vnd eyl! [B1.74aj 
Der Wollust hie, der lieoet dir. 
Fleuch, fleuch, eyl vnd eyl, 
das dich der tod nit Vbereyl! 

2. Schaw vm vnd vm der weite lauff, 
fleuch etc. 

Auf disen grünt paw dir kain haws! 
Fleuch etc. 

3. Leg an die waffen dises streytz ! 
Dein veint die streyten wider streyt. 

4. Czain auf dein pfara, reytt das in huet, 
Lass jm nicht mer den seinen mut! 

5. Thue dich pewarn, zayg jm die sparn ! 
Wan deiner veint ist vil da vorn. [Bl. 74b] 

6. Ffleuch ewig schant, reytauszdemland, 
Mach dich erkant jm obern land! 



7. Küeff auf zw got! des wirt dir not. 
Der wirt dir helfen ausz der not. 

8. Pys frisch vnd kechk, das gmüt erbeck, 
Die fewl iag^wegk, dein veint erschreck ! 

9. Pys vest vnd stät! der wint der wät, 
Nur für vnd für das mer sich plät. 

10. Nur lass nit ab pey nacht vnd tag. 
All deinen veinten widersag! 

11. Der stat eyl zwe! da vintz dw rue 
Vnd ewigs leben, freyd genueg. 

12. Hilff herr, mein got, ausz aller not, 
hilf, hilf, es ist spat! 

Nach disem leben kumbt der tod. 

hilf, hilf, es thuet not! 

mein veint, die wellen mir den tod. 



— 45 — 



Wenn man der Melodie ein ^ vorzeichnet, so steht sie in der hypoionischen 
Tonart und ist dann sehr ansprechend, Sie hat Ähnlichkeit mit der Stngweise zu 
dem Liede »Es liegt ein Schloß in Oesterreicha, Vgl, Böhme , Altdeutsches Lieder- 
buch 1877, Nr. 27 und Erk^Böhme, Deutscher Liederhort 1893 I, Nr. 61. 

XLVl. 
Hie weckten die prediger den sünder. 

Wolaaf, wir wellens wecken! 




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Wol-auf, wir wel-lens we - cken! es ist wol an 



der 



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den sün-der auf - er-schre - cken, wo er 



czeyt, 




' ♦ « *^i«« 



in sün-den leyt. 



1. Wol auf, wir wellens wecken! 
es ist wol an der czeyt, [Bl. 75 a] 
den Sünder auf erschrecken, 

wo er in Sünden leyt. 

2. Wir wellen jm vorsingen 
vnd sagen herttigkait; 

sein sei, dy musz dort prinnen 
vnd leyden ewigkleich. 

3. Wir wellen jn vmgeben, 
verlegen steyg ynd strass, 



zw pesrung hie seins lebens, 
vnd von den Sünden lass. 

4. Wir wellen jm für le^en 
die herttigkeit der pem, 
das ewig leben geben, 
ob er der sunt wirt frey. 

5. Sein hercz jm wellen machen, 
zwstoren hie die freyd, 

vor lieb vnd layd mus krachen 
wol auf, wir haben czeyt. 



Die Melodie gehört einem weltlichen Liede gleichen Anfanges an, welches 
Böhme in seinem Altdeutschen Liederbuche 1877, Nr. 112 und im IL Bande des 
Liederhortes Nr. 803 nach Otfs Liederbuch 1534, Nr. 92 mittheilt. Sie ist ursprünglich 
dorisch. Auch in der genannten späteren Quelle findet sich das t^ nur an der Stelle, 
wo es auch in unserer Handschrift steht. Zeichnet man der Singweise überhaupt 
ein i? vor, so wird sie ansprechender für unsere Ohren. Ueber die geistliche Um- 
bildung des Liedes mit veränderter Melodie » Wolts auff, wir wollen ins lesen, gut 
lesen ist an der zeit« in Comer^s Gesangbuch (1625, 1631) vergleiche Bäumker, Das 
kath. deutsche Kirchenlied I (1886), Nr. 311. 

XLVII. 
Der sttnder, der sflnder. 

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Der sün-der, der sün-der, er-fun-den in tod-sün- den, 



— 46 — 




Der ist ver-damp-net 



e - wigk-leich, 



Als vns die hei - lig 




J^^^^^^^s^ 



gschrift ausweist. O ihe-su christe, pe — hüt vns vor dem wee! 



1 . Der Sünder, der sünder, erfunden in 

tod8ünden,[B1.75b] 
Der ist verdampnet ewi^kleich, 
Als vns die heüig gschrift ausweist. 
O ihesu christe, pehüt vns vor dem wee ! 

2. Dye diefl, die tiefl, die werden sein sein 

kurczweil. 
O we des iämerlichen spils! | 

Ir stim ist grym, ir angesicht wild, i 
- O ihesu christe, pehütvnsvordemwe! j 

3. Sein äugen, sein äugen got nymmer 

anschawen.[Bl. 76a] 1 
O schmerczen, herczenliches laid, | 

Was wee vnd iamer mag das sein! 
ihesu etc. 

4. Sein oren, sein oren nichtz anders 

werden hören 
Dan wayien, klagen, iamer, not, 
Fluchen, schelten auf zw got. 
O ihesu etc. 

5. Sein speise, sein speyse der ewig tod 

Wirt seine! 
Den durst jm nyemantz leschen kan, 
Wan er von got ist abgethan. 
O ihesu etc. 

6. Sein riechen, sein riechen macht jm 

dort ewigs siechen; 
Wan aller vnflat wand jm pey, 
Dye ewig armut ist jm frey. 
O ihesu etc. 

7. Sein greyffen, sein greyffen wirt auch 

seinpein pegreyffen. 
We das er ye geparen ward. 



Der dort hin kumbt an disew etat! 
O ihesu etc. 

8. Sein pette, sein pette wirt sein hays, 

kalt vnd hertte, 
Die flammen dar vmb durch vnd auf, 
So ist dan alle freyd hie ausz! 
O ihesu etc. 

9. Sein schöne, sein schöne wirt dort so 

gar czergene. 
Dem posen geist wird er geleich, 
Der jn wirt martern ewigKieich. 
O ihesu etc. 

10. Sein stercke, sein stercke sol auch hie 

ainer mercken, [Bl. 76 bj 
Aines dort nicht als vil vermag. 
Sich ainer muck erberen mag. 
O ihesu etc. 

1 1 . Nun Sünder, nun sünder, nun schaw 

hie auf, pis münder ! 
Wildw des iamers vber sein? 
Ain ye sunt ir sundrew pein! 
O ihesu etc. 

12. Das sterben, das sterben wirt ewigk- 

lich dort werden. 
O armer mensch, gedenck daran, 
Lass von den Sünden, rüff got an! 
O ihesu etc. 

13. Ir leyden, ir leiden kan nyemantz 

ausgeschreiben 
Dan got, der sie peschaffen. 
Pehüt vns dort vor solcher not! 
O ihesu christe, pehut vns vor dem wee ! 



Die Singweise ist dorisch ; tcelcTiem weltlichen Liede sie angeTiört, habe ich nicht 
ausfindig machen können. 



— 47 — 



XLVIII. 

Mer ward der sünder vermand vnd er hies dy vermanung seinen 

frewnt, wie hernach stet: 



Sünder, wie. 




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O sün - der, wie, wes wartz 
Vnd leb - stu noch vnd pist 




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dw hie? o we 
doch tod ? wie main- 

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dort dir, 
stu doch, 



kei wi 
ob er 




der- umb, vil ar 
sich werd er - par 

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mer! 
men? 






Ja für -bar, ich dir das sag, al - lain lass ab, er 




dein nit niag, nur ab vnd 



ab, ab, ab. 



1/0 Sünder, wie, 
wes wartz dw hie? 
o we dort dir, [Bl. 77 a] 
ker widerumb, vil armer! 
Vnd lebstu noch 
vnd pist doch tod? 
wie mainstu doch, 
ob er sich werd erparmen? 

Ja fürbar, ich dir das sag, 
allain lass ab, 
er dein nit mag, 
nur ab vnd ab, [Bl. 77 b.] 
ab, ab.' 

2. Nicht, frewnt der mein, 
trost mich allain 
jn meiner nein ! 
ich mag die ding nit hassen. 
Ich häb versuecht 
oft dick genug; 
nun rat darczw, 
das ich die sunt müg lassen! 



O was not ist disew not! 
Verliesen got, 
das ist der tod, 
ich musz hinab, 
ab, ab. 

3. 'Nicht, nicht also, 
secz hie dein klag 
nur auf czw got 

mit diemuetigen siten! 

Mit rew vnd laid 

auf zw jm schrey! 

er stet dir pey, 

o dw jn wirst schon pitten. 

Nur vertraw, verczweyfl nicht, 
hab czwuersicht! 
er last dich nicht, 
dich zw jm schickt 
der herre.' 

4. O frewnt der mein, 
we thuet die pein, 
ja, es musz sein, 

ich musz mich ains verbegen. 



* Bei der Wiederholung heißt die Anfangsnote g. 



— 48 



Das ich hie suech, 
pringt mir den fluech, 
n3TnDt mir dar zwe 
jn ener weit das leben. 

O so ich das waisz so wol, 
das ich nit sol, 
das liebt mir wol 
vnd ist doch vol, 
vol schmerczen. 
5. 'O armer man, 
nun greyf dich an, 



wie schwach vnd kranck 

Sistu in disem streyte! [Bl. 78a] 
[un siech den an, 
der vm dich kam 
ausz seinem tron 
mit seinem pittern leyden! 

Ja, der dich genununen hat 
dem ewigen tod, 
dich zw jm pracht. 
schweyg, leid vnd harr, 
harr, ni 



arr: 



Die ionische Melodie ist wol einem Tanzliede entnommen. Sie hat, wie der 
Text, drei Theile: den Aufgesang mit seinen beiden Stollen und den Ahgesang. 



XLIX. 

Hie klagt sich der geuangen aim siindei, verknüpft vnd veiczogen 
[Bl. 78 b] in den stricken der sunt, dar durch er het verlorn den herren. 

Ich klag mich armen sfinder. 

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Ich klag mich ar~nien sün - der In mei-nen schwä-ren 




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pün - den , Von got pin ich ge - schai-den. O we 




» y-»-»- 



meins hei-czen lay - des! 



I.Ich klag mich armen sünder 
jn meinen schwären pünden; 
Von got bin ich geschaiden. 
o we meins herczen laydes! 

2. O, wo sol ich hinkeren! 

am mir tregt schwär die erden. 
Der himel ist mir verschlossen, 
dy hell dy stet mir offen. 

3. O we, ich arme creatur, [Bl. 79a] 
wie gar pin ich erarmet nun! 
Wan got thuet mich nun hassen, 
mein engl mich verlassen. 

4. Mein vemt mich haben Vberbunden, 
mit siben stricken gepunden: 

Wie sol ich jn entrinnen! 
hilff, maria kuniginne! 



5. Mein veint sich mein erfreyen, 
das ich von got pin geschaiden: 
we mir armen sünder ! 

wie sol ich sie l^berwinden! 

6. Wan ich mein veint thue flihen, 
hinbyder sie mich czihen 

Vnd an die strick mer sailen 

vnd pringen mich von meinem hailer. 

7. Mein veint auf mich nicht schlaffen, 
verlegen mir all Strassen, 

Des ich nun pin gefangen, 
hilff, maria, mir von dannen! 

8. Siech an, fraw, mein ctoss wunden 
pys in den tod gepunden! 

Mein veint mich haben getroffen 
mit stralen, tyeff geschossen. 



— 49 — 



9.0 muter der parmherczigkait, 
ich fleuch zw dir in meinen laid, 
Ich hab verloren gpttes hulde 
vm mein gar grossew schulde. 

10. Gedenckmein, muter, künigin, [B1.79b] 
mit deim gepet vor deinem kind, 
Pephilch mich in sein leyden, 
von jm nicht werd geschaiden! 

11. Erparm dich, ihiesu, Vber mich! 
gen dir so gib ich schuldig mich. 
Vnd durch dein pitters sterben 
lass das an mir nicht verderben! 



12. Got. vater in der ewigkait, 

nun all mein sunt, die seind mir layd: 
Thue dich noch, vater, erparmen 
tber mich sünder vil armen! 

13. Wan, vater, durch mein schulde 
hab ich verlorn dein hulde, 
Gen dir ich mich erkenne: 
hilff mir des lebens ain ende! 

14. Vnd pit dich durch dein gute, 
lass mich mein sünd hie püssen, 
So du mich hast peschaffen, 
mich ewigkleich nicht verlasse! 



Die Melodie steht in der mixolydischen Tonart. 

Das folgende Blatt 80 ist verkehrt eingeklebt und gehört vor das Blatt 100. 
Das Lied, welches auf demselben steht: 

XLIX». 
Wo ansz innsz ich hinkeren? 

suche unter Nr. LIX». 

L. 

Mei waid der sündei sei petiübt vnd klagt sein gai aimes verdämp- 
liches leben, wan jn die gewanheit nicht wolt auflassen, so getoist 
61 auch nicht wol mer zw dem herien sc^ieyen, vmb das er jm 
[Bl. 114b]* oft het verhaissen, er wolt es nymmer thain vnd viel doch 
oft hinbider, vnd hueb an czw klagen vnd schreien, 

wie hernach stet: 




Ich schrey Tud rfieff auf erden. 

— 4 



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Ich schrey vnd lüeflF auf er - den, all sün-der ho - ren 




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czwe: Ich pin ver-way-set se - re an leib vnd auch an 




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^ — 4 



4-4- ♦♦ 



se - le! wo wird ich ha- ben rue? 



* Das spätere Blatt 114 gehört hieher. 
Bänmker, Deutsches geistliches Liederbuch. 



50 — 



1 . Ich Bchrey vnd rüeff auf erden, 
all Sünder hören czwe: 

Ich pin yerwayset sere 
an leib vnd auch an sele! 
wo wird ich haben rue? 

2. Mein sei thuet auf mich klagen 
vnd schreyen auf zw got, 

Sy well mir nicht vertragen, 
die schuld mit ir müss czalen, 
so nun die czeyt da kumbt. 

3. Das get mir nun zw herczen. [Bl. 81a]* 
o we hie meiner freyd, 

die mir nichtz pringt dan schmerczen ! 
Was ist mein schimpf vnd scherczen, 
warumb was ich so frey? 

4. Mein sei hab ich gefüeret, 
gegeben ab zw gnint, 
mich oft vnd dick verirret 
Vnd ab dem weg gefüeret, 
gefallen ab zw grünt. 

5. Vnd haben nun verloren 
das leben ewigkleich, 

ob sich nicht wirt erparmen, 
Der vns da thet erarmen, 
wir sterben ewigkleich. 

6. O wie musz ich jn süechen, 
der mir gehelfen mag! 

ich heb nun an zw siechen, 
Mein wunden faulen, riechen, 
wan ich des artz nicht hab. 

7. O wie musz ich jn vinden, 
der mir mein wunden hail? 
mir ratten all mein synne 
Zw ainer küniginne, 

der ich da klag mein layd.** 

8. Damit so thue ich rüffen 
vnd schreyen czw ir dar: 

o künigin, mild süssew, [Bl. 81b] 
Ich val hier für dein füesse, 
siech an mein wunden gross! 

9. Erczaig dich mir in nöten, 
. dw himelische fraw, 

das ich nicht werd getöttet 
So iamerleich erstoret 
mit leib vnd sei hinab! 

10. Zw dir ist mir geraten, 
wan dw gebeltig pist; 
des himeuschen arczte 
Des muter pist vnd warste, 
ee dw geparen pist. 

1 1 . Ich lig und pin gefallen 
pys in den töd verbünd, 
wan mir hat lang gefallen 
Der weit woUust zwmale: 
hilf, das ich werd gesunt! 



In der person marie. 

12. "Wer ist, der zw mir schreyet 
vnd nicht wil lassen ab? 

der von mir ist geschaiden, 
Von meines sunes leyden, 
der weich von mir hinab.' 

13. Nicht, muter gottes herren, 
ich pins, ain sünder gros, 
vnd wil mich zw dir Keren; 
Zw ihesu, meinem herren, 
nicht schaid mich von dir ab! 

14/ Weich ab von meinen äugen! [Bl. 82a[ 
mein hilfF verr ich von dir; 
dw liebest ander frawen. 
Da ich dir gie vor äugen, 
dar vmb weich ab von mir!' 

15. Nicht, muter der genaden! 
geschriben ist von dir, 
die Sünder thue enphahen, 
Parmhercziglich pegnaden, 
nicht schaid sie ab von dir ! 

16/ Was thuet dich zw mir dringen, 
vnstät in deinem gmüet? 
die not an lieb dich czwinget 
Zw mir vnd meinem kinde. ^ 
dar vmb schaid ab von mir!' 

Der Sünder. 

17. Ja, muter, ich erkenne 
an mir vnstätiekait. 
o, pys mir nicht so strenge, 
Raich mir der genaden hende, 
hilff mir ausz disem laid! 

18/Vil gulz ist dir geschehen 
vnd auch vermanung vil, 
das must dw selb veriehen. 
Gehört vnd auch gesehen 
von mir vnd meinem kind.' 

19. Des danck ich dirvonhercz en [Bl. 82 b] 
dw parmherczigew fraw. 
hilf mir von disem schmerczen, 
Zw ihesu, meinem herren, 
des ich dir, fraw, vertraw! 

20. ' Wye sol ich dich erhören, 
so dw ain solcher pist? 
wan dw mir thetz czerstören, 
Dye meinen von mir verren. 
dar vmb weich ab für dich!' 

21. Von dir thue ich nit weichen, 
der armen sünder trost, 
vnd solt ich dar vm leyden, 
Das ewig leben meyden, 
von dir schai^ ich nicht ab. 



* Bl. 81 bringt die Fortsetzung. Bl. 80 gehört vor Bl. 100. 
** H.: layl. 



— 51 — 



22. * Wie sol ich dich erhören 
gen meinem lieben kind? 
sein pluet thet er verreren 
Vnd dich so hert erlösen, 
des dw vndanckpär pist' 

23. Ja, fraw, ich das erkenne 
gen dir vnd deinem kind. 
der hat zerichten strenge, 
Wo er hin wil mich senden, 
des ich gehorsam pin. 

24. Vnd ob ich dan musz schaiden 
von dir vnd deinem kind 

hin in das pitter leyden, [Bl. 83a] 
Da ich dan musz peleyben, 
mein schuld das vrtaU gibt. 

25. Vnd wil dar vm nicht lassen, 
dich loben an mein endt, 

£ys zw der hellen parten, 
^a ich dich dan musz lassen, 
da hat das lob ain end. 

26. Vnd wil mich also nyetten 
hie dein vnd deines kintz 
vnd fallen für sein füesse 
Für dich auch, muter süesse, 
dw edlew künigin. 

27. Vnd danck dir der genaden 
vnd ihesu, deines kintz, 
vmb aller gut vnd gaben, 
Vnd ich wil nicht verczagen, 
so lang ich schaid von hynn. 

28. Wan alle ding dich loben 
jn himeln vnd in erd. 

dw pist ain fraw dar oben: 
O siech herab von oben 
zw vns auf disew erd! 

29. So wirstu auch genennet 
die parmherczigist fraw. 
wie möcht ich das erkennen, 
So dw mir wärst so strenge? 

ich hoff zw dir vnd traw. |^1. 83 b] 

30. Vnd pist dar czw geporen 
gantz rain auf disew erd, 
vnd muter gotes warden, 
Vmb das da ward verlaren 
der Sünder hie auf erd. 

31. Des pin ich dich ermanen. 
pitt noch dein kind für mich, 
das er durch seinen namen. 
Als er herab dan käme, 
erparme l^ber mich! 

32. So wil ich mich ergeben 
warlich in stättigkait, 

zw pessem hie mein leben, 
Mit hilff ain krewcz aufheben, 
das tragen stätigkleich. 



33. Des ste für mich zw pargen, 
dw himelkünigin ! 

wan du hast oft erbarben 
Den Sündern ausz den sargen, 
pit noch für mich dein kind! 

Maria. 

34. *^Seind dw mich thuest ermanen 
so hoch mit meinen kind 

vnd an rüffst seinen namen, 

In solcher mainung kommen, 

mein kind erhöret dich. 
35. 'So hab hinfür des vleysse, [Bl. 84 a^ 

jm dienen stätigkleich; 

wes dw wirst vnderweyset 

Von got, dem heiligen geiste, 

das halt vnd stät peleyb! 
36. ' Thue dich der genaden nicht weren, 

volg nach den dienern mein 

vnd schick hie recht dein leben, 

Dein czeit also verczeren 

zw lob dem kinde mein! 
37. 'Pys danckpär seines leidens 

vnd ander guttat vil, 

die er dir hat peweyset, 

Vnd all dein wunden hailet, 

zw dem hab czwuersicht ! ' 

Der Sünder. 

38.0 muter der genaden 
vnd himelkünigin, 
o junckfraw, raine maget, 
In huet mich alczeyt habe! 
wan kranck vnd schwach pin ich. 

39. Wye sol ich dich, fraw, eren, 
so ich ain sünder pin, 

vnd ihesum meinen herren. 
Ich Würmlein hie auf erden, 
so gar czw nichtew pin? 

40. Nur, parmherczigew frawe 

vnd mildew muter gotz, [Bl. 84 b] 
dw seyst mich 'vor an schawen 
Mit parmherczigen äugen, 
so lob ich dich mit got. 

41. Vnd lob dich hie mit singen; 
o junckfraw, nym für gut, 
rieht auf mein hercz, das prinne 
Zw dir vnd deinem kinde, 

das ist das ewig guet! 

42. Von dem ich nicht mer schaide; 
hilff junckfraw, raine magt, 

das ich also peleybe, 
All sunt vnd Vbl meide, 
dem pösen widersag! 

43. O hochgelobtew frawe, 
dw edles walsam plue, 
o himellsches tawbe. 
Nun reys herab vnd pawe, 
mach fruchpÄr hie das thüerr! 

4* 



— 52 



44. O lilium confalium, 
wolriechuntz plüemelein, 
mach yns dir wolgeuallund, 
Von hinnen zw dir wallund, 
ewigkleich pey dir seinn! 

45. O dw peschlosner garten, 
vnd rosz von Jericho, 

o himelischew parten, 

Mit freyden vnser warte [Bl. 85a] 

jn vnser leczten czeyt! 

46. Des ich mich dan erfreye 
ausz ganczem herczen grünt, 
o junckfraw, zw mir eyle, 
So ich da lig, wil schaiden, 
zw hilff dw mir dan kumm! 

47. Damit ich dir pefilhe 

mein leib vnd auch mein sei. 
o junckfraw, muter milde, 
Halt mich vnder deinem Schilde, 
die weil ich leb auf erd! 

48. O ihesu, dw getrewer 
vnd allerhöchstist gut, 
hilf, das ich mich vernewel 
wan all mein sunt mich rewen, 
halt mich in deiner huet! 

49. Vnd danck dir deiner gute, 
herr got vnd schöpffer mein, 
das dw mich hast pehüttet 
In meinem leben wüttund 
so lange czeyt vnd weyl. 

50. Gedenck mem, milter herre! 
alczeyt pedarff ich dein. 



thue dich von mir nicht verren, 
Die weyl ich leb auf erden, 
mach gut das ende mein! 

51. In freyden vnd in leyden [BL 85 b] 
pefiih ich mich, herr, dir, 

das mir das werd geleiche 
Durch dein gar pitters leyden 
Zw lob vnd ere dir. 

52. Das sey also gesungen 
dem Sünder hie czw trost 

. mit seinen grossen wunden. 
Gefangen vnd gepunden, 
vnd das er werd erlöst. 

53. Vnd nym dir es zw herczen, 
dw armer Sünder hie, 

lass dirs nicht sein ain scher cze, 
Hab rew vnd laid von herczen! 
so wirt vergeben dir. 

54. In kainer weysz verczage, 
rüff an die muter gotz 
vnd lass mit nichte abe 
Pys hin in deinen tode! 
so kumbt sy in der not. 

55. Als oft dw armer vallest, 
ste auf, schrey für vnd füer, 
hab nicht dar an gefallen! 
So wirt dir gnad zwfallen, 
got dir dein hercz perüert. 

56. Dar vmb hab lieb den herren, 
gelaub vnd hoff in jn, 

das dw dich mügst pekeren [Bl. 86aj 
Sein Bchäfflein wider werden, 
schaw auf, versawm dich nicht! 



Die Melodie ist dorisch. Die dem Liede voraufgehende Anmerkuna steht 

; darunter eine Federzeichnung. Jal. 114h 
Die übrigen Strophen folgen Bl. 81 ff. 



Bl. 79 b unten j die Fortsetzung auf Bl. 114 
steht die Singweise mit zwei Textstrophen. 




LI. 

Hie schied der sünder von der weit vnd vberwant sich. 

Wol auf, aaff, ver sich schaiden well. 

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Wol auf, auff, wer sich schai - den well, wol auf, auf, 




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wer sich schai - den well, der komm her nach, sey 







mein ge - seil! 



— 53 — 



1. Wol auf, auff, wer sich schaiden well, 

[Bl. 86bl 
der komm her nach, sey mein gesell! 

2. Dye lieb hie gibt dort posen lan, 
dar vm wil ich sy varen lan, 

3/Wildw von mir dan also schier, 
was hab ich ye versaget dir?' 

4. Dein gab pringt mir den ewigen tad ; 
we, das icn ye hie pey dir war! 

5. 'Pedenck dich pas, nicht eyl so vast! 
wan nvemantz ist hie, der dich hasst/ 

6. Der gÜnst vm sunst pringt mich 

in pein.: 
ohillfmir,gotvnd Schöpfer mein ! ^B1.87a] 



7. 'Siech mich noch an, wildw mich lan! 
o, wie machstu mir das gethuen!' 

8. Dein süssigkait ist alles laid ; 

ain schwares end: von got geschaidt. 
9. 'Peleyb doch nur pys margen frue! 
so get es dir vil ringer zwe. 

1 0. Ye lenger ich harr, scnaid ich mich hart, 
was ist, das ich ])ys margen wart? 

11. 'Leczt dich noch hie ainweylvonmir! 
wer ways, wan mich mer sehen wirst!' 

12. Gesegen dich got! ich schaid von dir; 
wan nynmiermer kum ich zw dir. 

13.Pestät mich got in ewigkait! 
nun aller weit sey widersayt! 



Die Melodie steht in der hypodorischen Tonart. 



LH. 



Hye hernach singt nun der siinder andern sündern vnd weltkindern 
auch den klainen ethlich rayen vnder weltlichen rayen noten, jn ver- 
manung. das sye auch dauon Hessen vnd sich czw got kerten, vnd den 

klainen czw vnderweysung. 




sttnder, grosser sflnder. 



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O siin-der, gros-ser sün-der, got last dich nicht lang 




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1 . 4 



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hie stan. Dw macht jm nicht ent-rin-nen; wan er wil, 




greift er dich an. 



Varianten der Melodie in Nr. LXXIV »Hin gartt, ain edler gartem BL 12 ib. 

4,6.. 



1) Ohne i? Vorzeichnung und ohne 2J es, 3) -f- 



n 



1 . O Sünder, grosser sünder, [Bl. 87 b] 
got last dien nicht lang hie stan. 
Dw macht jm nicht entrinnen; 
wan er wil, greift er dich an. 



2. Hast dw den auch verloren, 
so kum her vnd klag mit mir! 
Wan er mir frömbt was war den, 
des mein sei gert mit pegier. 



— 54 — 



3. Ich thet mich von jm schaiden, [B1.88a] 
der mein sei da speysen sold, 

Nur durch mein schuld allaine; 
wan ich jm nicht volgen wolt. 

4. Ich thet mich von jm keren, 

von dem höchsten schacz vnd guet. 
Das klag ich nun auf erden 
aller weit trawrigem muet. 

5. Ich schied von jm an senden 
czwainczick oder dreyssick iar, 
Das klag ich nun an ende, 
das ich selten sein gedacht. 

6. Als ich von jm thet wencken, 
der mich lieh het, sach mich an, 
In lieb nach mir thet senden: 
'ker herwider, armer man! 

7/ eher dich zw mir, vil armer! 
ich pin hie vnd wart noch dein, 
Wan dw mir noth erparmest,' 
sprach, der mir der liebst sold sein. 

S, 'Lass dich von mir nicht dringen, 
ker zw mir, erkenn mich pas, 
Die weil du mich macht vinden! 
lass das varen, das ich hass!' 

9. Er wolt nicht von mir schaiden. 
oft vnd dick sprach er mir zwe 
Vnd trewet mir auf leiden, 
auf die straff der hellen grueb. [Bl. 88b] 

10. Was mich der liebst vermanet 
vnd mich zu jm rayczen wolt, 
Ain anders zw mir käme: 

'pleyb pey mir vnd hab mich hold!' 

11. Er czaigt mir ewigs leben, 
vnd das ander solchen schein, 
Ich solt mich des verbegen, 
vnd in woUust pey jm sein. 

12. Der liebst schickt mir auch poten, 
von mir nicht gar schaiden wolt. 
Er czaigt sich mir in nöten, 

das er mich noch haben wolt. 



13. Er gund sich ye verpergen 
vnd mich nit wolt sehen an. 
Doch mich nit lies verderben, 
jn den nöten zw mir kam. 

14. Ich merckt sein grosse liebe, 
die mir ward zw herczen gan; 
O hart ich mich da schiede, 
von dem andern abczelan! 

15. Ich ruft zu jm mit schreyen 
vmb erparmun^ tber mich. 

Wie wol der liebst thet schweygen, 
doch halff er mir haimelich. 

16. Er czoch mich ausz den veinten, 
die mein sei verbunten hart, 

Vnd half mir trewlich streyten [Bl. 89a] 
Yud mich wider zw jm pracht. 

17. Von jm ich nymmer schaide 
hin pys an das ende mein; 
Wan er ist, der mir haillet 

all mein wunden, all mein pein. 

18. Wer wil die lieb erkennen, 
der sol das also versten: 
Jhesum ich euch wil nennen, 
der der allerliebst sold sein. 

19. Das ander, wil ich melden, 
ist der woUust diser weit, 
Der tbuet vil menschen feilen 
von ihesu, wie vor gemeld. 

20. Wer den nun hat verloren, 
allew ding verloren hat, 
Der suech jn wider klagund, 
pys er jn gefunden hat. 

21. Das sey also gesungen 
hie dem allerliebsten mein 
Und allen menschen frummen, 
die sein lob gern hören seind. 

22. Den wünsch ich ewigs leben 
von dem allerliebsten mein. 
Das in das werd gegeben, 
sprechet amen algeleich! 



JDie Singweise steht in unserer Handschrift zweimal aufgezeichnet, einmal mit 
1?- Vorzeichnung zu dem obigen Texte, also in der äolischen Tonart, und dannBl, 121 h 
zu dem Liede ^^Ein gartt, ain edler garten«. (Nr. LXXIV) ohne Vorzeichnung von b 
und ohne Hinzufügung eines solchen innerhalb der Melodie, also in der mixolydischen 
Tonart. Sie gehört ursprünglich dem weltlichen Liede an » Nun laube , Lindlein 
laube«. Böhme theilt sie aus Valentin Triller'' s Singebuch (1555) 1559 und aus 
Prätorius^ Musae Sioniae VII, 1609 Nr. 142 mit. In diesen beiden Gesangbüchern 
steht die Melodie ohne ^-Verzeichnung. Nur an den Stellen, die ich mit einem * 
kenntlich ge^nacht habe, ist ein \? vor die Note gesetzt. Auch sonst weist die älteste 
Aufzeichnung unserer Handschrift wesentliche Varianten auf gegenüber den späteren 
Fassungen der Melodie. (Altdeutsches Liederbuch, Nr. 175; Liederhort II, Nr. 405.) 



— 55 — 



LIII. 
Ainen andern rayen. 

Ntu ich pln frisch. 




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Nvn ich pin frisch, mein 

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hercz ist frey-deu - lei - che, 



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Duich den, der mich er - löst so si - cher-lich mit sei - nem 




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pit-tern ley - den. 

1 . Nvnich pin frisch, mein hercz ist freyden- 

reiche, [Bl. 89b] 
Durch den, der mich erlöst fio 

sicherlich 
mit seinem pittem leyden. 

2. Den wil ich mir, peger ich mir allaine 
Yber alle ding, des alle ding da sind: 
ihesum, den herren meine. 

3. Des frey ich mich , des frey ich mich 

von herczen: 
Wan er ist der, der mir auf diser erd 
vnd dort went allen schmerczen. 

4. Sein grosse lieb czwan^ jn zw mir so sere. 
Von oben herab m dises iamertal 
kam er in grosem schmerczen. 

5. In hunger, durst, hicz, frost vnd ärmig- 

kleich [Bl. 90a] 
Lebt es der herr der himel vnd der erd 
für mich hie armen waysen. 

6. Er süech mich haim so gar mit grossen 

vleise. 
Das er mich prächt, als er dan für 

mich facht, 
auf in das paradevse. 

7. Ja dreysick iar drew iar mich vnder 

weyset, 
Sein süsse 1er ist meiner armen'sel 
ain trost vnd süsse speyse. 

8. In grosser lieb wurckt er hie für mich 

pusse 
Fys zw der czeyt seins aller grosten 

streytz, 
vergosz für mich sein pluete. 



9. Der rosenpawm, der ward auf jn ge- 

pflanczet, 

In solcher schwär kain leyden nye 

mer ward 

auf ainen so verhenget. 

1 0. Er led das alles so geduldigkleichen ; 
In grosser lieb, die er da het zw mir, 
was jm die marter leichte. 

11. Der rosengarten, der was mir ver- 

schlossen; 
Durch seinen tod vnd also pittrew not 
ist er mir warden offen. 

12. Des frey ich mich, des frey ich mich 

nun sere, 
Getraw vnd hoff, der garten werd 

mir off, 
so ich mich schaid ab erden. 

13. Darumb tret zw dem edlen rosenpawme ! 
Ir arm vnd reich, aim yeden ist er 

frey, 
thuet euch dar ab nicht sawmen! 

14. Den rosenpawm sult ir also vememmen, 

[BL 90 b] 
Daran da ward genagelt also hart 
ihesus mit pitterm ende. 

15. Sein süesser geschmach prin^t vns die 

gab aes lebens. 
Yersawmbt* euch nit, mit ganczer 

zwuersicht 
die edlen fracht abprechen! 



* S.: Tersawnbt» 



— 56 — 



16. Darumb so singt das lied andächtig- 

kleichen, 
Werft von euch ab der -groben lie- 

der sag! 
wan sye euch ser verbeysen. 

Die Melodie ist Uotisch mit ionischem Schluss, 



17. Zw lob vnd er sey das also gesungen^ 
Der zw vns kam, die menschait an 

sich nam, 
dem waren gottes sune. 



LIV. 

Ainen rayen den grössern kindlein, die es mügen pegreyffen. 



Nun hört zw disem rayen. 




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Nun hört zw di-sem ray-en, den ich euch hie vor-sing, Von 




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mei-nem lieb vnd hai - le, des al - le ding da sind! 




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nun hort zw lie - be kind! 

1. Nun hört zw disem rayen, 
den ich euch hie vorsing, 
Von meinem lieb vnd haile, 
des alle ding da sind! [Bl. 91a] 
nun hort zw, liebe kind! 

2. Nun singt, ir kindlein, schone 
nach mir hie disen dan! 
Mein lieb gibt euch den lane, 
last euch nicht von im gan: 
dar vm so singet scnan! 

3. Mein lieb ward nicht peschaffen 
vnd nymmet auch kain end, 
Gros, mächtig, schön an masse, 
parmherczig gar pehent, 
vnd richtet auch gar streng. 

4. Es hat in seiner hande 

i'a allew ding gewalt, 
)ie posen schaid von dannen, 
die guten jm pehalt: 
gros ist meins liebs gewalt. 

5. Es gibt das ewig leben, 
dar jnn gross wunn vnd freyd. 
Das merckt, ir kindlein, eben, 
habt lieb das lieb allain, 
ia, das ich hie da main! 



6. O, was sol ich euch singen, 
jr liebsten kindlein mein? 

Wan mir der synn zerrinnen [Bl. 91 b] 
von meinem lieb vnd ain, 
pey dem ich gern wolt sein. 

7. Mein lieb thet mich pedecken, 
ia, da ich lag vnd scnlieff. 
Von meinem schlaff aufwecken 
jn grosser trew vnd lieb, 

die es da het zw mir. 

8. Mich heten ser vmgeben 
mein veint manigerlay, 
Auff mein gar armes leben 
gelegt vil strick vnd sayl: 
mein lieb kam mir zw hafl. 

.9. Ich was lang ir gefangen, 
in stricken wol pehuett. 
Von ainem zw aem andern 
nach allem irem muet, 
den tod ich auf mir trueg. 

10. Vnd da ich wolt verderben 
vnd fallen ab zw grünt 
Vnd ewigklichen sterben, 
macht mich mein lieb gesund, 
das thue ich euch nun kunt. 



— 57 



1 1-. Das sev also gesungen 
dem allerliebsten mein, 
Des lob vnd er vnd wunder 
wert ymmer vnd ewigkleich: 
dem dient, so wert ir reich. 



12. Welt ir das lieb pehalten [Bl. 92a^ 
so mercket mich gar eben: 
Ewr lieb müst ir nicht spalten, 
allain dem alles geben, 
der lau iBt ^wigs leben. 



Die dorische Singweise gehört ursprünglich einem Liede an, welches hehn Reihen- 
tanz um das erste Veilchen gesungen wurde: »Der Meie^ der Meie bringt uns der 
Blümlein viU. Sie ßndet sich im Altdeutschen Liederbuche von Böhme, iffr, 260 y ab- 
gedruckt aus dem Kai. BapsV sehen Gesangbuche 1553, 11, Nr. 35. liier steht sie 
zu einem geistlichen Texte gleichen Anfanges 9nit der Veberschrift t »Em schöner 
Äbendreyena. Sie ist jaher im, zweiten TheHe so verändert, dass Möhfne vermuthete^ 
es sei gar keine Volkstanzweise. Unsere Handschrift gibt die ursprüngliche 
Volksweise. 



LV. 

Den klainen kindlein, dye der siindei ains mals Tsach "vnd hört singen 

gar mit schöner weys vnd gepärd. 

Was singt ir kindlein? 

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Was singt ir kind-lein auf dem plan? Eur dan wil mir zw 

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her-czen gan, Wan eur ge-pärd er-czaigt sich schan. Singt mer, 




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ir kind-lein, di - sen dan! 

1. Was singt ir kindlein auf dem plan? 
eur dan wil mir zw herczen gan, 
wan eur gepärd erczaigt sich schan. 
singt mer, jr Kindlein, disen dan ! [B1.92b] 

2. Ir schönen, lieben kindelein, 
Ihesus, der Bol eur pfleger sein, 
pehüetten euch vor aller pein, 
ja hie vnd dort auch ewigkleich. 

3. Wolt ir mirs nicht für tbl han, 
ainn newen rayen hüb ich an; 
den sin)^ nach mir in disem dan 
ZW lob ihesu, dem kindlein, schan! 

4. 'Pyg grüst, ihesuß, dw kindelein! 
penalt vns durch den namen dein, 
aer dw hie lagst jm krippelein 
elender vnd gar ärmigkleich. 



5. 'Pys mer gegrüst von oben her, 
gellten für vns hie auf erd, 
pehalt vns vnser leyb vnd sei, 
ain sälges leben hie auf erd! 

6. 'Vnd pys gelobet ewigkleich 
Vber alle ding auf ertterreich! 
jm himel ist nicht dein geleich; 
pey dir pehalt vns ewigkleich! 

7. Also pefelhen wir vns dir: 

ain sälges end verleich vns hie, 

das ewig leben auch pey dir, [Bl. 93a] 

vns allen kindlein hili zw dir! 

8. 'Maria, muter, rainew magt, 
auch lob vnd er sey dir gesagt! 
Ihesus ausz dir geparen ward, 
der für vns led den pittern tod.' 



Diese Melodie, welche in der hypophrygischen Tonart steht, gehört ebenfalls 
einem Tanzliede der Kinder an. Den ursprünglichen weltlichen Text habe ich nicht 
ausfindig machen können. 



— 58 — 



LVI. 

Ainen andern raven. 

Ir pitt, das ich euch singen sol. 




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Ir pitt, das ich euch sin -gen sol ein ray - en nach dem 




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may - en; Nun pin ich nit ge-schi-cket wol vnd irr 




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in ma - ni - ger laye. 

l.Ir pitt, das ich euch singen sol 
ain rayen nach dem mayen; 
Nun pin ich nit geschicket wol 
vnd irr in maniger laye. 

2. Doch will ich nicht von euch hingan 

IBl. 93 b] 
vnd euch ain wenig singen, 
Von erst an mir wil heben an; 
das praucht recht in den synnen! 

3. Da ich ward thum vil vm vnd vm, 
sach an manigew ende, 

Mein hercz, das pran, das plut, das ran 
jn meinem leib gar strenge. 

4. Wye mir da was vnd da geschach, 
davon ist nicht zesingen. 

Nur merckt auch, was euch schaden mag, 
dar zw praucht recht die synne! 

5. Welt ir pestan vnd frölich gan 
auf in das ebig leben. 

Als wie ain ritter greyft euch an 
vnd gult es leyb vnd leben. 

6. "Wer dahin wil, der hat hie vil 
zw fechten vnd zw streyten; 

Der veint ist vil mit irem spil, 
jr Waffen gar ser schneiden. 

T.Welt ir pestan, durch sie ausgan; 
den helmen müst aufpinden, 



Ir kainen gar nicht sehen an, 
er schrey, rüff oder sinffe. 

8. Seyt starck vnd klueg, nort jn nit zwe, 
so sie euch wellen lieben! 

Vnd das gehört aym ritter czwe, 
vnd sich nit lass petriegen. 

9. Seyt vest vnd stät, es schneyb, es wä, 

[Bl. 94a] 
vnd euch nicht last verdriessen 
Vnd kert euch nicht an ir gefär, 
so sie die pfeyl her schiessen! 

10. Mit achten nicht wem sie enbicht, 
vertriben pald von hinnen; 

Der leib aer allersterckist ist 
gar hart zw Vberbinden. 

11 . Den greyffet an, nur sein nicht schand ! 
den frähat musz man straffen; 
Wan, was er hat von erst gewand, 
hernach das hart mag lassen. 

12. Vnd Voigt ir mir, als ich euch hie 
den rayen hab gesungen, 

Den lan enpfahet ir dort czwier, 
Den veinten dan entrunnen. 

13. Das sey euch hie in trewer lieb 
von mir also gesungen, 

Vnd nicht geergert wert an mir, 
des pitt ich euch pesunder. 



Die mixolydische Singweise hat in ihrer ersten Hälfte Ähnlichkeit mit der 
des Liedes »Es flog ein Mein Waldvögeleina (Böhme, Altdeutsches Liederbuch, Nr, 223; 
Liederhort, Nr. 459 b). 



— 59 — 



LVII. 



Ainen text als in vermanung vnd straffweys czw der weit, der auch 

layder der vorgemelt sünder ainei was. 

Ir tanczer ynd spranczer. 




»-i-r-HF-r^JS^ -:!"^""^ « a 




Ir tanczer vnd spranczer, dye weys habt ir gesprungen! 
Ir ray-er vnd mai - er, was habt ir da ge-wungen? 



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Ir lie-ger, pe - trie-ger, kert wi - der-umb! Thuet 




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^^^z^^ztir^i^ 



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ir das nicht, es kumbt dy stund: Ab vnd ab! Ab 




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vnd ab! Trum! trum! trum! 



weit, weit. 




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O weit, weit, pes - ser hie zw got dein le - ben! 
Losz auf die strick, mit den dw pist vm - ge - ben! 




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Ain ye-der mensch sich selb er - ken sein ar - mes le - ben. 




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--^ 



Dw krancker vnd wanckler, schaw auf das e- wig le-ben! 
Dw sar - ger vnd kar -ger, der geytt hat dich vm-ge-ben! 



— 60 




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Schaw vm vnd vm, der tod der kumbt, dan must dw 




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. ^ 



rech-nung ge - ben! 

l.Ir tanczer vnd spranczer, dye weys habt ir gesprungen! [Bl. 94b] 
Ir rayer vnd maier, was habt ir da gewungen? 
Ir lieger, petrieger, kert widerumb! 
Thuet ir das nicht, es kumbt die stund: 

Ab vnd ab! 

Ab vnd ab ! [Bl. 95 a] 

Trum! trum! trum! 

O weit, weit, pesser hie zw got dein leben! 

Losz auf die strick, mit den dw pist vmgeben! 

Ain yeder mensch sich selb erken sein armes leben! 

Dw krancker vnd wanckler, schaw auf das ewig leben! [Bl. 95b] 

Dw sarger vnd karger, der geytt hat dich vmgeben! 

Schaw vm und vm, der tod der kumbt, dan must dw rechnung geben! 

2. O weit, weit, geistlich, ich will dich nit straffen : (Bl. 96a) 
Wan dw wol waist zw thuen vnd auch zw lassen. 

Doch lass ich nit, ich klaff auch mit von dir auf gassen. 
Man siecht nit, das liecht ist in aller weit erloschen. 
Die armen verdarmen, die werden auch verdrossen; 
Man acht nit mer der armen sei, ob sie wirt ab Verstössen. 

3. O weit, weit, vnutz ist dein schimpf vnd scherözer, 
Wan dw dar durch verleusst die gnjad des herrens. 

Dein thumer mut, der dunckt dich ^ut vnd nicht gestraffet werden. 

Ir läppen in kappen, verliest ir hie den herren? 

Ir laicher vnd schmaicker, jr müst gepeinigt werden. 

Ker dich da von vnd ruff got an! dw magst noch sälig werden. 

4. O weit, weit, wie pist dw so gar petrogen, 
Falsch in dem hercz, auch gantz vnd .gar verlogen. 

Dye weysen sol man preysen vnd die frummen loben. 
Die grechten, gelerten, dye werden sein dort oben, 
Dye wuchrer, gotz fluecher ab in die hell geschoben, 
All Sünder hie, got ways wol wie, ab in die hell geczogen. 

5. O weit, weit, dw erkenst nicht got den herren. 

Der dich peschueff zw solchen grossen eren. [BL 96 b] 
Dw armer mensch dich nit erkenst, dw pist doch nur ain erde. 
Dein hochfart, dw kotsack, wirt dir der nerr czerstören. 
Dein Vbermut nymbt dir das gut, dich zw der hellen knörren, 
Darvmb so kum pald widerum diemütiklich zwm herren! 

6. O weit, weit, got von tag zw tag dich straffet 

Mit sterben, verderben, vnfrid, andern Sachen. 

Dein plinter syn der fürt dich hin ab zw der [hellen] parten; 

Dye gsellen der hellen, die werden dein da warten. 

Das leyden, got meyden wirt sein da vber die masse, 

Vnd ewigkleich, die gschrift ausweist von got darnach verlassen. 



— 6t — 

Die beiden Tanzweisen in mixolydischer Tonart gehören, wie ich vermuthe, 
insofern zusammen^ als die erste Refrain war und nach jeder Strophe der zweiten 
Melodie wiederholt wurde. Deshalb ist auch wahrscheinlich der ersten Melodie 
^'Verzeichnung zu geben, üebrigens ist der erste Satz der Melodie vtjr tanczer« 
gleich dem Anfange des Liedes » Mein Mann der ist in Krieg gezogen, vor Leid so 
mu88 ich sterben« (Ammerbach, Orgeltabulatur, 1678, Nr, 42J oder »Heinz, wiltu 
Christa hanf sprach die alte Schwieger«. (M, Franck, Fase, quodl.^ 1611, Nr. 3) in 
JBühme^s Altdeutschem Liederbuche Nr. 235 und im Liederho7*t II, Nr. 890. 



LVIII. 
Hie ward der sünder jnbenig getrost vnd doch mit layd gemischt. 

Gehab dich wol. 




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Ge - hab dich wol vnd nicht ver-czag! Wan got der 




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lebt, der dich pe-schaf-fen hat, Der al - le ding ver-mag, 




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-Der al - le ding ver-mag, 

1. -Gehab dich wol vnd nicht" verozag! 
Wan got der lebt, der dich peschaffen Hat, 

[Bl. 97 a] 
Der alle ding vermag, 
Der alle ding vermag, der herre.' 

2. Wie kan vnd mag ich mich wolgehabm, 
Wan ich gedenck meinen allengrosten 

schadn! 
Wan da ich het verlorn, 
Wan da ich het verlam den herren. 

3. All menschen solten pillich klagn 
Deniamer, den die sünder müssen habm, 
Vm das sie haben verlarn, 

Vm das sie haben vorlorn den herren. 

4. ' O mensch der vngeornen lieb, 

Von ganczem herczen dw erparmest mir. 

lass da von schier, 

O lass da von schier, leyd schmerczen ! 

[Bl. 97 b] 
5. 'Dw junges plut vnd waches kind, 

Hüet dich vor lieb, die wider got da sind! 

Sye machen dich plint, 

Sye machen dich plint jm herczen. 



der her-re. 

6.* Nun siech vnd bor hie eben czwe! 
Wan hie noch dort wirstu nicht haben 

nie; 
Darumb schaw dar czwe, 
Dar vm schaw dar zwe, leyd schmerczen l 
7 . ' Halt dich in huet, dw wüttuntz pluet ! 
Thust dw des nicht, dwkumbst In helles 

grueb, 
Wurchstu hie nicht püess, 
Wurchstu hie nicht puess von herczen. 
8 . ' Hut dich vor schaut, r eys auf das pant ! 
Lass faren das, so wirstu got pekan[t] 
Vnd thue das zwhant, 
Vnd thue das zw haut, leyd schmerczen ! 
9. Gedenck dar an , wie lang es müg 

pestan! 
Es kumbt die czeyt, das es auch wirt 

czergan. 
Dar vm lasz davon. 
Dar vm lass dauon, leyd schmerczen! 
10. 'Gedenck dar an, war dar nach wirt 

der lan, 
Das ewig nagen vnd der hellen flam! 
Dar vm rüff got an, . 
Darumb rüff got- an, leyd schmerczen ! 



62 



ll/Dye süssigkait pringt dir dort ewigs 

laid, 

Ain Schwäres end vnd ab von got ge- 
schalt 

Danimb hab hie layd, [B1.98a] 

Dar ym hab hie laid von herczen! 
12. 'Darumb, dw sünder, nym des war! 

Dwkumstanainsograwsamigew schar; 

Ffürbar ich dir sag, 

FfQrbär ich dir sag an scherczen! 
13/Gestanck vnd vinster ewig pein, 

Diepösen geist werden ewigpey dir sein. 



Gedenck an die pein, 

Gedenck an die pein, leyd schmerczen! 



H/Lass von dem pesen, thue das gut! 
Der lan dar vmb wirt sein die ewig nie. 
Darumb würck hie puess, 
Dar vm würck hie puesz von herczen ! 

15/ Das ewig leben wünsch ich dir, 
Got sey genädi^ mir vnd auch dir! 
Sprich amen mit mir, 
Sprich amen mit mir von herczen!' 



Die Melodie gehört der hypoionischen Tonart an. 



LIX. 

Hie hernach ward der sünder ser petiüebt vnd klagt sich, wye 

hernach stet. 




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Wo ich hinker. 



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Wo ich hin-ker auf di - ser erd, Kain lieb ich spiier 




noch frewntschaft mer. Das thuet mii we: got mirs ver-ker 




zw hail 



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l.Wo ich hinker [Bl. 98b] 
auf diser erd, 
Kain lieb ich spüer noch frewntschaft 

mer. 
Das thuet mir we: 
got mirs verker zw haille 

2. Wo ich hin sol, 
ways ich nit wol. 

Die weit ist alles iamers vol. 

Nur dem wirt wol, 

der sich mag A^berbinden! 

3. Dye nächsten mein 
machen mir pein! 

Ich furcht, es sey mein schuld allain. 

O herr, got mein, 

wie sol ich Vberbinden? 



Der herr. 

4. 'Ich hör den man, 
der klagen kan, 

Der jm nur freyd an layd wil han: [B1.99a] 
Küer mich nit an, 
nuer hab mich schan von herczen!' 

5. Nicht, nicht also, 
wirt Schrein der fro, 

Der hie nichtz led durch seinen got, 

Noch jm zw lob 

vnd er jn lieb was dienen. 

6. *Dw klaorst die ding, 
die kindlich sind, 

Die doch nicht hie zwklagen sind. 

Ain leichter wint 

wät dich geschwint zw rucke! 



7. ' Ich sach dir zw 
deins freyen mutz, 
Vil langew czeyt ich dich pehuet. 
Was dunckt dich gut 
auf solchen muet dan leyden? 

8. 'Dw leichter man, 
siech mich recht an. 

Was ich vmh dich hie hab gethan! 

Siech auch die an, 

die ich nun han erfreyet! 

9. * Siech an auch, wie 
sie liten hie, 

In lieb von mir doch schieden nye! 

Wie ist dan dir, 

da dw so schier thuest klagen? 

10/ Siech an auch die, 
die lebten hie 

Dye mein gepot pehielten nye! 
Nach irr pegier 
lebten sie hie dye armen. 

11. 'Hat an, was lan 
ward in davon, [Bl. 99'bl 
Den dw, vil armer, auch wild han! 
Nuer lass dauon, 
wild dw mich han mit freyden. 

12. 'Was hast doch ye 
gellten hie 
Von meinen wegen? sag das mir! 



63 — 



Wo ist dein lieb? 

erczaig die mir von herczen!"* 

Der Sünder. 

13. O herr, ich gsweig 
wan ich nichtz leid. 

Die ewig pen ich mir zwe schreib. 

Dw mir verczeich 

auf ewigkleich, mein herre! 

14. Was ich hie led, 
nekenn ich herr, 

Von deinen wegen nicht das led. 

Genad mir, herr, 

nicht von mir ker dein gütte! 

15. Wan ich an dich 
mich nichtz versiech, 

Wan dw der pist, des ich da pin. 

Dein gnad mein ^in! 

schaid mich nit hin jn leiden! 

16. Lass mich, herr, sein 
den Schacher dein. 

Den dw pegnadest an dem krewcz; 
Das paradeys 

mir auch verleich dein güete! 
1 7. Doch got, mein herr, 
dein will der werd 
An mir hie vnd in ener weit. 
Mein sei pesert 
Genad mir, nerr, genade! 



Die Melodie ist dorisch und gehört dem Volksliede an : » Wenn ich des Morgens 
früh auf steh und in meins Vaters Stühlein gehn, Böhme theilt die Melodie in drei 
Fassungen mit : 1) aus einem mehrstimmigen Tonsatze von H. Isaak in Otts Lieder- 
buch, 1544, Nr. 14; 2) aus einem Tonsatze von Z. Senß in Otts Liederbuch, 1534, 
Nr. 68 und 3) aus M. Neusiedlers Lautenbuch, 1674, Nr. 32 (Altdeutsches Liederbuch, 
Nr. 204 und Liederhort II, Nr. 466). Die vorstehende älteste Aufzeichnung unserer 
Handschrift weist manche Varianten auf Man vergleiche mit ihr auch die Sing- 
weise zu dem Liede: »Ich schrei/ vnd rueff auf erden i< Nr. LXV dieser Sammlung, 
welche einige Aehfilichkeit hat. 

Der Text des obigen Liedes scheint noch mehr Strophen gehabt zu haben. Das 
folgende Blatt 100 unserer Handschrift beginnt mit Versen, die zu einem ganz 
andern Liede gehören: »Dein mag ich nicht enperen« u. s. w. Sie bilden den Schluß 
zum Liede auf Bl, 80: »Wo ausz musz ich hin keren«, welches ich deshalb hierher setze.. 



Ain anders auch der mainung jn diser weys. [BL 80 a] 
Wo ansz mnsz ich hin keren? 



LWo ausz musz ich hin keren? 
wan vnfrid ist noch hie, 
Vnd get vast an die sele 
des leibes pösz pegier. 

2. Dar vm, mein got, an ende 
mich armen nicht verlass, 
Kum. mir zw hilf pehende 
auf diser iamer strass! 



3. Dye weg seind lind vnd strenge, 
dye steig auch tieff vnd hoch. 
Das mör mich hie wil pfrengen 
vnd czeucht mich an sich vast. 

4. Gebalt wil mich petbingen 
auf Wasser vnd auf land, 

Vnd kan noch mag nicht schwymmen, 
an mir hangen dye pant. 



— 64 — 



5. Lö3 auff, lös auff, mein herre 
hilff mir ausz diser not! 
"Wan es get an die seile, 

dw gar mein milder got. 

6. Nye liestii mich verderben 
pys her vil lange czeyt. 
Pehüet mich noch vor sterben, 
das an der sele leyt! 

7. Erlös mich ausz den stricken! [Bl. 80b] 
wan sie mich trucken hart. 

Nicht mer ich mich wil schicken 
auf ain so hertte fart. 

8. O muter der genaden, 
halt mich in deiner huet, 
Schaw, wie ich pin peladen 
mit streyt auf meres fluet! 

9. Dye veint mich wellen twingen. 
o junfraw, edle magt, 

Hilff, das jn nicht gelinge 
vnd ich jn widersag! 

10. Vil süssigkait mir raichen, 
o junckfraw, ste mir pey, 
Vnd sie mich nit mer laichen, 
vnd mach mich von jn frey! 

ll.Lass mich von dir nicht dringen, 
nach got mein czwuersicht. 



Da«» ich recht prauch mein synne, . 
ftlczeyt verlass mich nicht! 

12. ^an ich pin kranfck] zw streyten 
ja wider dise veint! 

Wan es ir waffen schneyden 
durch sei vnd auch durch leib. 

13. Hilff mir, kum schier zw haile, 
dw himelkünigin ! 

Es prächt mir herczenlaide 
verluer ich mer dein kind. 

14. Dein mag ich nicht enperen: [Bl. 100a] 
czeuch mir die pfeil pehend. 

Mit den ich nin verseret, 
vnd mich nicht weyter sendt! 

15. Erczaig mir dein genade 
vnd layt mich zw dir ein, 
Schaid mich nicht von dir abe 
vnd von dem kinde dein! 

16. O süssigkait des lebens 
vnd homung meines hails. 
Hilf, das mir werd vergeben, 
gewischet ab die mail! 

1 7. Dan mag ich frölich loben 
dich, muter, mit dem sun. 
Mein hercz pey dir wirt oben 
pys ich gar zw dir küm. 



Das Lied steht auf Bl. 80 und von der Strophe 14 an auf Bl. 100. 




LX. 

Ain rewlied in gepetz weys czw dem herren.^ 

nymmermer. 

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O nym-mer-mer, die weyl ich leb auf erd, Herr, 

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wi-der dich ich mer pe-ger. E-wi-ger herr in hi- 




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Ich schrey zw dir: ge-nad, herr, mir! 

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An dich, mein got, ver-dirb ich hie; hilff mir zw dir! 



65 



1 . nymmermer, die weyl ich leb auf erd, 
Herr, wider dich ich mer peger. [Bl. 100b] 
Ewiger herr in himel vnd in erd, 
Ich schrey zw dir: genad, herr, mir! 
An dich, mein got, verdirb ich hie; 
hilff mir zw dir! 
2. Mein sei die schreyt, mein leib ist trag 

vnd feyrt, 
Vnd czihen ein ear vngeleich. [Bl. 101a] 
Hilff gn&digkleich, zw czämen meinen 

leib 
Zw lob vnd er dir, got, mein herr! 
Wan dein mein sei alczeyt pegert. 
dw mich erhör! 
3. tött jn mir all glüst vnd posz pegier, 
Vnd ist meins lebens lenger hie, 
Rieht stät zw dir mein hercz vnd mein 

pegier ! 
Halt mich in huet, dw ewigs gut, 
Wan dw mich hast pys her pehuet, 
mein end mach guet! 

4. Layt, herr, czw dir den armen sünder hie, 
Den dw so lang peschirmest hie; 

Dw waist wol wie, wie gros vnd oft 

er viel. 
Erparm dich sein, got, schöpfer mein, 
Lass jn hinfüran pey dir sein 
in deinem reich! 

5. siech nit an, kain gut hab ich gethan, 
Parmherczigklichen siech mich an! 
Ich dich erman, die menschait an dich 

nambst 



Von ainer magt; kain guten tag 
Hast dw pys an dein end gehabt, 
den pittern tod! 

6. Herr, ich pin hie, o pys genadig mir! 
Mein leben steht alczeyt pey dir. 
Darumb hilff mir, so nun die czeit 

ist hie! 
Ich hoff vnd traw vnd gantz gelaub. 
Ain waren cristen mich anschaw, 
hilf mir hin auf! 

7. Erparm dich vor, ee ich von hinnen far! 

[Bl. 101b] 
Dein leyden nymb ich mir peuar, 
Dein pitter tod mich auf der fart pebar. 
In meiner not, o milter got, 
Hilf, das mein en^l mich pebar 
auf diser fart! 

8. O kayserin des himelischen gsintz, 
Xumb junckfraw, muter, künigin, 
Kumb, mittlerin, mit ihesu, deinem 

kind! 
Kumb, muter her, gedenck nicht mer. 
Wer ich hie was auf diser erd, 
hilff mir, kum her! 

9. AUain mein trost nacli got vnd zwuersicht ! 
Kum mir zw hilff, verschmach mich nicht ! 
An meinem end, da wirt die rechnung 

streng, 
Peleyb nit ausz, hilff mir darausz, 
Pelayt mich mit dir in dein haws. 



ewige fraw! 

Die Melodie ist hypoionisch. Der erste Theil derselben (bis zu dem Worte 
»peger ^) findet sich nochmals aufgezeichnet zu dem Liede »Ich rüff zw dir, o junck- 
fraw, m%t pegier«, Nr. LXVII. 

LXI. 

Von den, dye got nun dienen vnd sich pekert haben, es sey in der 
weit oder von der weit vnd wolten nun gern höher steygen czw dem 

vatterland. 

Wolauf, wer pas well wandern. 

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Wol auf, wer pas well wandern auf zw dem va-tern-land, 




Der sawm sich hie nit lan - ge, Dye weyl er mag von 




(|)^ = 



^=*=«^: 



dan - nen, Mach sich dort pas er-kant! 

Bäamker, Deutsches geistliches Liederbuch. 



— 66 — 



l.Wol auf, wer pas well wandern 
auf zw dem vatemland, [Bl. 102a] 
Der sa-^frm sich hie nit lange, 
dye weyl er mag von dsnnen, 
mach Bioh doit pas erkant! 

2. Hie ist nicht lans peleibens, 
yngwisse weil vnd czeyt: 
Darumb man nur Bol eylen 
von tag zw tag all wejjle, 
dy weyl der tag hie leicht. 

3. So nun dy nacht ist kummen, 
dye arbait hat ain end, 

Der menflch ligt vnpesunnen, 
dye gnad wirt ningenummen, 
die yeint kummen pehend. 

4. D^e land Aeind hie vmgeben 
mit vnfrid Vberal, 

An streyt man hart mag leben, 

das merck ain yeder eben [Bl. 102 b] 

vnd mach sich auf gar pald! 

5. Wan wer dahin wil trachten 
der muBz sein resch vnd küen, 
Kains vngewiters achten, 
wan er Wirt angefachten, 
nuer frölich für vnd füer. 

6. Der weg ist streng vnd enge 
hin zw dem vaterreich; 

Ain yeder musz sich pfrengen, 
der dort hinczw wil lenden, 
vnd mag des nicht sein frey. 

7. Noch ist ain weg vorhanden, 
getriben wol vnd weyt, 

.Den gar vil menschen wandern; 
ainer der fQrt den andern 
hinab in ewigs laid. 

8. Der weg ist leicht vnd linde ; 
darum jn raysen vil, 

Dy weil sie nicht enpfinden 
des iamers noch dahmden; 
sye kommen zw dem czil. 

9. O, was sol ich euch singen 
von disem iamerland! 

Da ist nur schrein vnd prinnen, 
ewigklich sein dar jnnen 
we, we vnd alle schant. 

10. Den weg wir sullen meyden 
vnd flihen verr da von, 

Den strengen weg auf steygen, 
hin an den frähat treiben, 
auf in das Vaterland. 

11. Wan der musz sein verbegen, 
der ewig freyd wil han [Bl. 103 a] 
Vnd ewigkleich wil leben; 

der musz hie dar vm streben, 
so lang er das erlang. 

12. Der hat darnach ^ewungen 
das leben ewigkleich. 
Dem tod ist er entrunnen, 



o, dem scheint wol die Buime& 
jn seines vaters reich. 
13. wer kan doch gedencken, 
wie der enpfangen wirt 
Von ^ot vnd seinen engein, 
der hie auf raist so strenge 
jn arbait, grosser lieb! 

14. O was sol ich mer singen, 
jr allerliebsten mein! 

Wan mir der synn czerinnen 
von disen grosser dingen, 
da ich wolt gerne sein. 

15. All lererr müessen schweygen 
vnd auch die kinder sein. 

Ja so sie wellen schreiben 
von disen grossen frey den 
vnd von der hellen pein. 

16.0, wer hat nun versuechet 
dye freyd hie diser weit, 
Der schaw vnd würck nun püesse, 
das Vaterland dort sueche, 
dye freyd, wie vor gemeldt. 

17. Der rieht sich nun, zw leyden 
vnd meyden 1^ppigkait, 

Den strengen weg auf steygen 
zw disen grossen freyden 
mit rew vnd auch mit layd. 

18. Dye werden jm verlihem [Bl. 103 b] 
ja ymmer vnd ewigkleich. 

Mit niditew nicht verczigen, 

der also ob ist ligen 

den V einten in dem streyt. 

19. Wan Christus, der ist milde, 
paxmherczig gantz vnd gar. 
Der halt vns vor den Schilde, 
macht ring das streng vnd wilde, 
der vns ist gangen vor. 

20. Dar vm last vns pas rucken 
von tag zw tag hin czwe, 
Im iamertal vns schmucken, 
verdrucken, pucken, czucken! 
dar nach die ewig rwe. 

21. Got vater, wir dich pitten, 
dein gnad vns hie verleich, 
Das wir zw dir aufczihen, 
all glüst vnd sünd hie flihen 
pys in dein ewigs reich! 

22. Herr ihesu, vnser hailer, 
mit got, dem vater ainns, 
Vns armen hie mittaile 

die hilf deins pittem leydens 
vnd hilf vns nach dir haim! 

23. Ghum got, heiliger geiste, 
den weg vns zw dir weys, 
Das wir vns alczeyt vleissen, 
mit lob vnd er dich preysen 
jn der driualtigkait! 



67 — 



24. Das sey also gesungen 
den gutbilligen hie, 
Vnd das sie -dorthin kummen 
vnd sehen got, den sune: [Bl. 104a] 
got helff jn da hin schier. 



25. Amen, das das geschee, 
das wünscht her wider mir, 
Dort aneinander sehen 
vor got dem höchsten herren 
nach disem elend hye! Amen. 



Die Melodie^ der die ^-Vorztiehnung fehlt, ist ionisoh. Der «r«fe ^atz der- 
selben (bis zum Worte "»vaternkmdv) ist der Anfang des späteren B^nzefiauer Tans: 
»Nun wend ir hören singen ietzund ein nüw gedieht i*. Dieses lAed wwrie verfaßt 
auf den Helden in der Schlacht bei Kuf stein, 1504, Der Anfang der Mf^isid^ ist 
also einem älteren Volkslieds entnommen. Wie der ursprüngliche Te^ desselben 
lautete, habe ich nicht ausßndig machen können [vergl. Böhme, Altdeutsches Lieder- 
buch, Nr. 381; Lieder hört II, Nr, 256; Bäumker, Das kath, deutsche Kirchen- 
lied I, Nr. 26], 

LXII. 

Ains mals czoch der siindei aus vnd kam zw den seinen eikanten vnd 
viel in gelust. Dar vm jn straft sein gewissen, wie hernach stet. 

Flench, fleuch wider haim. 



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Fleuch, fleuch wi-der haim, halt dich al- lain, al-lain! 




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AI -lain vintzt dw das le-ben, dein ay-gen must nicht sein; 



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Der freyd must dich ver-we-gen, wild dw pey mir dort sein. 



1 /Fleuch, fleuch wider haim, 
halt dich allain, 
allain [allain]! 

Allain vintzt dw das leben, 
dein aigen must nicht sein; 
Der freyd must dich verwegen, [Bl. 104 b] 
wild dw pey mir dort sein.' 

2. Ja, ich pin hie, 
herr, wie ist mir? 
ich sewftz vnd siech, 
Siech, siech, herr, an den anner, 
den dw nye verliest! 
Thue dich sein noch erparmen, 
der dir ia viel verhies! 



3. 'Ste auf vnd fleuch! 
es kumbt das feur, 
es wirt dir tewr, 

Tewr, tewr wirt dir mein gnade, 
das alt wirt werden new: 
Dar vm so eyl, lass abe, 
das krewcz mit dir vnd fleuch!' 

4. Herr, ich pekenn, 
ich gib dem end, 
es wurd mir streng. 

Streng, streng wurd mir gegeben 
der ewig tod pehend. 
Dein müst ich mich verbegen: 
dein gnad mir wider send! 

5* 



— 68 — 



5/Wildw mich han, 
dw schwacher man, 
so lass da von! 

««^^^^w, must dw dich schaiden, 
von oem ' 

wild, das ich sey der lan, [Bl. 105 a] 

Ymb den man hie musz levden 

ynd auch sich greyffen an. 

6. Nun, das sol sein, 

pehalter mein, 

erlaub mir ains! 



Ains, ains das sey die lecze, 
(mein hercz waist dw allain!) 
Damit ich wolt ergetzen — 
dw waist wol, wye ichs main. 
7. 'Ja, wild dw das, 
so merck mich pag, 
(ich sag dir das!) 
Das, das dw nicht seist geben 
vrsach wider das, 
Das da krenck das leben 
vnd pring nach jm den tod.' 



Die Melodie steht in der äolischen Tonart. Das Versmaß ist wie folgt: 



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— \y 



Lxm. 

Ain pegierlich wunschlied zw der höchsten künigin der himelen. 

Hyet ich die gnad. 




i 



Hyet ich die gnad, so wolt ich mich auf-schwingen Hoch 




^ 



4- 



t=^ 



KW-^^^ 



in ain stat zw ai-nei kü- ni- gin - ne, Hoch in ain stat 




+ 



+ 



i 



*=3=* 



ä^s 



zw ai-ner kü-ni - gin - ne. 

1. Hyet ich die gnad, so wolt ich mich aufschwingen 
hoch in ain stat zw ainer küniginne. [Bl. 105 b] 

2. Mit freyden wolt ich iren hof anschawen, 
als ich vemymb, sach ich nye solches pawe. 

3. Ir hof gesind wolt ich mit freyden sehen, 
künt ich die weg vnd steg zw ir ausspehen! 

4. Ich wolt ir dienen ewigkleich an ende: 

o reicher got, dein gnad mir darzw sende! 



— 69 — 

5. Wer dienet ir, der dienet dir geleiche: 
hilf ihesu, künig l^ber alle reiche! 

6. War ich der mynst an irem hoff gesessen, 
was wolt ich mer, dan alles laytz vergessen! 

7. Wol dem, der auf an iren hoff ist kummen! 
dem scheint recht wol vnd ewi^kleich die sunne. 

8. Was sol ich singen vil von disen dingen! 

mein mund ein stum, so mir der synn zerrinnen. 

9. O künigin, dein gnad auf mich lass reysen, 
an deinem hoff mich ewigklichen speyse! 

10. Lass mich sein dein, dw hochgelobte frawe, 
an deinem hoff dich ewigklichen schawe! 

11. Lern mich die weg vnd steg zw dir auf raysen, 
o künigin, vnd mich nit lass verbaysen! 

12. Der vemt ist vil, mit irem spil mich iren; 

hilff, künigin, dem armen schier zw diere! 
13. Ich gib mich dir, fraw künigin, zw aigen, 

zw kainer mer hin für an mich wil naygen. 

Das Lied gehört zu den sog, contrafacta. Der weltliche Text beginnt: »War 
ich ein Falk, so wolt ich mich aufschwingen, gen Seidelberg hin, wol über die hohen 
zinnenm (Gassenhawer vnd Reutterliedlein, 1Ö36, II, 6J. Die Melodie war uns bis Jetzt 
nur in der ersten Zeile bekannt aus einem Fragment in Schmeltzels Quodlibet, 1544, 19. 
(Böhme, Altdeutsches Liederbuch, Nr. 54; Liederhort I, 135 a.) Sie ist ionisch. Die 
Vorzeichnung eines ^ muß ergänzt werden. 

LXIV. 

Ain loblied von der junckfraw vnd himlkünigin. 

Nvn loben wir. 




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Nvn lo - ben wir dy hi - mel-kü-ni-gin - ne, dy junck- 




frawn mit dem kin - de, als lang wir le - ben hie. 



l.Nun loben wir dy himelküniginne, 

[Bl. 106 a] 
dy junckfrawn mit dem kinde, 
als lang wir leben hie. 

2. Das lob ist gros in himeln vnd in erden 
der schönen junckfrawn werden 

vnd muter vnsers hails. 

3. Ausz irem mund da ® ^^^ ®° rosenplüe, 

reysen ^ ' 

das macht ir grosse gute: 
wol, der sy loben kan! 



4. Vnd möchten mir von ir der plätlein 

werden, 
nicht mer ich wolt pegeren 
zw meinem tail auf erd. 

5. Was lob erpewt ich dan der gar so 

werden, 
ich Würmlein hie auf erden, 
so gar zw nichte pin? 

6. Gena[d], o junckfraw, mir, von dir zu 

singen, [Bl. 1 06b] 
dein lob ain wenig volpringen, 
ich armes würmelein! 



70 — 



7. Qedenck nicht das, dw waist wol was, 

des armen, 
allain dich sein erparme! 
so heb ich firölich an. 
S.Ich lob dy junckfraw, also her pe- 

schadlen: 
mich armen nicht verlasse 
hie vnd dort ewigkleich! 
9. Ich lob dy juncläawn, nun pey got 

an ende, 
der ir den gruesz thet senden: 
*aue, genaden voll' 

10. Ich lob dy junckfrawn, da sy suchet 

haima 
elyzabeth, ir mamen, 
pys an das ende mein. 

1 1 . Ich lob dy junckfraw also hoch geparen, 
ausz der got mensch ist warden, 

pys an das ende mein. 

12. Ich lob dy junck£rawn mer von kerczen 

gründe, 
dxey künigk zw ir kummen, 
pys an das ende mein. 

1 3. Ich lob sy, da sy in den tempel käme, 
ir kindlein mit ir name, 

pys an das ende mein. 

14. Ich lob dy junckfraw in irs kindleins 

leyden, 
dy schmercz mit jm,m.u«t leyden, 
pys an das ende mem. 

15. Ich lob sy in irs kindleins pittem sterben, 
vnd vns nicht lasz verderben 

hie vnd dort ewigkleich. 



16. Ich lob SV, da er vondemtod erstuende, 
mit freyden ir erschaine, [Bl. 107 a] 

Eys an das ende mein. 
3h lob sy, da er auf gen himel fuere 
vnd sy nach jm erhuebe, 
pys an das ende mein. 

18. Nun lob ich sy in'iren grossen freyden, 
sy well vns oie mittailen 

nach vnserm letzten end. 

1 9. Ich lob dy junckfraw ,* wan ich zw ir hoflfe, 
der himel werd mir ofifen, 

so ich von hinnen schaid. 

20. Nun lobet, alle creatur gemaine, 
dy vnaussprechlich rainen 

vnd junckfiraw ewigkleich! 

21. Das sey zwlob dir,junfraw,hie gesungen 
mit ihesu, deinem sune; 

vnd mir mein sünd verczeych! 

22. Vergisz nicht mein in meiner pein 

des endes, 
kum mir zw hilff pehende, 
mein veint von mir czerstrey! 

23. Vor an lern mich, des pit ich dich, hie 

sterben 
vnd mich nit lasz verderben 
nach meiner grossen schuld! 

24. Pelayt mich schier, junckfraw mit dir 

von hinnen 
zw ihesu, deinem kinde! 
wan er dich nichtz verczeicht. 

25. Wer hie das lied zw lob dir, junckfraw, 

singet, 
erparm dich sein von hinnen, 
zw hilff jm, junckfraw, kumb! 



Die Melodie steht in der dorischen (iranaponirten) Tonart. Die Vorzeichnung 
von t^ ist zu ergänzen. 



LXV. 

Ain maigenlied czwgeleicht der schönen junck&awen vnd 

miUer gotes. [Bl. 107 b] 



leh sdeeh den margensterne» 




^ — r 



3^i=*=«=« 



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Ich siech den mar-gensterne mit sei-nem Hechten schein, Dy 




i 



*=4=¥ 



3E=*: 



>=F^ 



schonen maigen-iöt-te 



♦-♦- -4- 



♦rt^ 



auftringen lu-stigkleich. 



— 71 — 



I.Ich siech den margen sterne 
mit Beinern Hechten schein, 
dy schonen, mar^enrötte 
auf tring^n lustigkleich. 

2. Mein hercz sich da erfreyet, 
die Yogelein in dem hag; 

ich ways wol, wie ichs maine, 
jr lob das nymbt nicht ab. 

3. Dy nacht wil sy verdringen, 
den ta^ nach ir her weist: 

ich main dy küniginne, [Bl. 108a} 
dy in dem himel sleist. 
4.Prich her durch alle gwolken 
vnd 1^ber alle erd 
vnd Vber alle volcker, 
ynd wer deins glancz pegert! 

5. Schein her Vber alles golde 
vnd Yber allsz gestain! 
nach dir der tag her volget, 
der vns zw freyden leicht. 

6. Schein her, dw freydenreychew 
tber alle creatur! 



wan nyemantz dir geleichet, 
dw spiegl vnd figur. 

7. Schein her Vber alle perge, 
schein ab in tales grünt 

vnd thue dich nicht verpergen 
vnd mach die frücht gesunt! 

8. Nun schein von oben here, 
dring durch die himel ab! 
mein sei dein ser pegeret, 
an dich hart leben mag. 

9. Nun schein her mit senaden, 
die nebl von ir treib! 

ausz dir ist es gepaien 
dy sunn der grechtigkait. 

10. Das sey zw lob gesungen 

der sehonen margenrött, [Bl. 108 b] 
ausz der vns ist ensprungen 
das war liecht auf die erd. 

11. Der dises taglied singet 
zw lob der schonen ma^, 
das die jm leicht von hinnen 
an seiner leczten vart! 



Die Melodie ist dorisch und rührt von einem weltlichen Liede mit gleichen 
Anfangsworten her. Die Noten ohne Text nach dem Worte »margenrötte« scheinen 
für d%e Begleitung eines Instrumentes bestimmt gewesen zu sein. Die im Nieder- 
ländischen übliche Singweise, welche ich in meiner Sammlung y>Niederländische geist- 
liche Lieder« (Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft^ 1888, S. 177) mittheilte, 
hat eine etwas abweichende Fassung. Der Text des weltlichen Liedes ist uns nur 
in niederländischer Sprache bekaimt geworden: »Ic sie die morgen sterre, Myns 
lievekens ciaer aenschyn« (Aniwerpener Liederbuch, herausgg. von Moffinann von 
Fallersleben , Hannover 1885, Nr. 96). Die in den Niedevlanden übliche Fassung 
der Melodie gieng in mehrere deutsche, katholische Gesangbücher des XVII. Jahr- 
hunderts über (vgl. Bäumker, Das kath. deutsche Kirchenlied I, Nr. 29 u. II, Nr. 69 IV). 



LXV^ 

Ain taglied, auch in diser weys. 

Ich siech den tag her leichte[]i]. 



I.Ich siech den tag her leichte[n] 
mit seiner margenröt, 
kuin liecht jm mach geleichen 
auf diser gantzen erd. 

2. Er leicht vns hie auf erden, 
der den Beschaffen hat, 

der ewigklich ist werden; 

sein schein der nymbt nicht ab. 

3. Er ist ain liecht, das prinnet 
jn himel vnd in erd; 

vnd wer davon anczündet, 
der siecht in ener weit. 

4. Das liecht pran vor verpargen, 
ee himel vnd erd her ward; 
nun ist es offen warden, 

der schön, war, Hechte tag. 



5. Da sich dy nacht sold enden, [Bl. 109a] 
der tag sich naigen her 

vnd in dy erden sencken, 
das merckten, hört nun, wer? 

6. Dye weysen das vemummen, 
der geist in jn erhal; 

wye das der tag wurd kummen, 
dy nacht wurd treyben ab, 

7. Von oben sich her lassen 
vnd naygea in die erd 
vnd sicn hie sehen lassen 
mit seiner margenröt. 

8. Er was vns lang verpargen, 
ja ethlich tawsend iar; 

vil menschen da verdarben, 
die musten faren ab. 



72 — 



9. Den tod sie musten leyden 
des liechtz perawbet sein, 
o, langk was jn die weyle 
jn diser annen pein! 

10. Nun ist vns wol gelungen, 
wir sehen weg vnd steg; 

wan vns scheind recht die sunne, 
des sich der plint erbert. 

11. Nun leicht her, liechter tage, 
zw allen venstern ein, 
erleicht vns mit genaden! 
wo dw nit scheinst, ist pein. 

12. Durchgewsz die hercz von oben 

[Bl. 109 b] 
mit himelischem tawb, 
damit sie dich hie loben 
jn diser armen aw! 



13. Gib Wasser allen prünnen, 
die hie pesigen sind, 

das sie die tiüss gewingen 
die erd fnicht davon pring! 

14. Nun schein her miltigkleichen, 
dw ewigs Hecht an end! 

vor dir müssen hin weichen 
all veint mit irr gespenst. 

15. Schein her an vnserm ende, 
so vns das liecht erlischt, 
da es vns ligt gar strenge 
manigerlay enprist! 

16. Dan leicht vns in das leben, 
das dw pist, warer got, 

all sünd vns hie vergeben, 
vnd wir nit sterben dort! 

17. Das sey also gesungen 
zw lob dem Hechten tag: 
dem waren gotes sune, 
der her geparen ward. 



LXVI. 

Ain rueff czw der junckfrawen. 

maria. 




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>=0=3: 



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O ma - ria, wir dich hie an ruf- fen Vnd, mu - ter gotz, von 




F=*= 



^ — » — ^ — •"♦-« — 

gan-czem herczen griis-sen: A-ue, junck-fraw rain, schön 




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an end, Der herr mit dir, warr got vnd mensch ! Hilf uns, das 




wir hie pües-sen! 



1 . O maria, wir dich hie an rüffen [Bl. 110a] 
Vnd, muter gotz, von ganczem herczen 

grüssen : 
Aue, junckfraw rain, schön an end. 
Der herr mit dir, warr got vnd mensch! 
Hilf vns, das wir hie püessen! 



2. maria, muter der genaden, [Bl. 110b] 
Tail vns die mit, zw dir wir hofnung 

haben, 
Vnd, muter der parmherczigkait, 
Ste vns pev in dlem laid! 
Dein sun dir nichtz versaget. 



73 



3. maria, himlküniginne, 

Erparm dich Vber vng hie armew kinde ! 

So vnsers lebens nicht mer sey, 

So ste vns, muter gotes, pey 

Vnd vns pelayt von hynne! 
4.0 maria, aller weit ain frawe, 

Hilff vns, das wir dich dort an end an- 

schawen! 



Dan loben wir dich ewigkleich 
Mit deinem sun in seinem reich. 
Hilf vns zw dir hin auffe! 
5. O maria, trost der armen seien, 
Die vm ir schuld dort leyden, hilf pegeren ! 
Parmherczigkait dw jn peweys, 
Das in dein sun ir schuld verczeich, 
Vnd sie erlöset werden! 



Die Melodie steht in der dorischen Tonart. 



Lxvn. 



Ain frewntlichs rüffen vnd pegeren czw der junckfrawen. 

Ich rüflf czw dir. 



1. Ich rüflf zw dir, o junckfraw mit pegier. 

[Bl. lila] 
siech herab, hilflf mir zw dir! 
Ich dein peger Vber alle ding auf erd, 
D w mild ^Tid reich, niembt dein geleich. 
Erhör den, der hie zw dir schreyt 
vnd pey dir sey! 

2. Gedenck nit das, wer ich vil armer was ! 
Verczeich mir das, dw waist wol was! 
Ewige ma^ mein laid sey dir gekla^. 
Erparm dich schier, hilflt mir zw dir ; 
Scnleusz auf das schreyn der gnaden mir, 
ker dich zw mir! 

3. Lass mich sein dein, deynn diener 

ewigkleich, 
Vnd siech nit an die vngstalt mein; 
Dy schuld ist mein, peklaid mich 



ainigs ain 



r 



Gewer mich, fraw, als ich dir traw, 
Farmherczerigklichen mich an schaw 
vnd mich auf paw! 
4. Dw junfraw werdt, jn himeln vnd in erd 

[Bl. 111b] 
Vor aller creatur geerd, 
Vergis nicht mein jn allen freyden dein ! 



Tail mir die mit, des ich dich pit. 

O künigin, verschmäch mich nit, 
mein zwuersicht! 

5.0 kay serin des himelischen gsintz*, 
Verdis nit hie der deinen kind 
Im jamertal, also peladen gar 
Manigerlay, hör ir ^eschray. 
Dein parmherczigkait mit jn tail 
jn allem layd! 

6. O edlew firucht Vber alle weibplich 

Zucht, 
Schleuss auf dein arm, mich czw dir czuck ! 
An meinem end mein sei enphach 

pehend! 
Tött vor in mir all pösz pegier! 
Dan kumb vnd pring dein kind mit dir. 
dw waist wol wie! 

7. Dw künigin, das lied ich dir hie sing 
Zw lob vnd er mit deinem kind. 

Des wil geschech an meiner armen sei. 
War es zw vil, war nit mein wiU. 
Dar vm, junckfraw, dein kindlein still, 
ja, wie das wil! 



Die Melodie zu diesem Liede ist nur aufgezeichnet bis zu dem Worte »pegier«, 
Sie stimmt üherein mit der Melodie zu Nr. LX. 

LXVIII. 

Ain herczenliches rew oder layd lied von dem armen sünder 

*vnd am jüngsten tag*. 

Am jängsten tag. 




i=F - 4=i=t 




-^~ — ^ --f — 

Am jüng-sten tag wirt es dy pu-sawn schal -len: Wol auf, 
* H. gsinczt. Vgl. Nr.LX, 8, 1. * * Ist von einer späteren Hand hinzugefügt 



74 — 




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stet auf, Ir to-ten jung vnd al-te! Stet auf! es ist 

4-- "~ = 



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>-*=^ 



* 



+ 



nun an der czeyt, 



Das jüngst ge- rieht ist hie; stet 




; 



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^ 



51* 



rt 



auf vnd eylt! 

l.Am jüngsten tag wirt es dy pusawn 

schallen: [B1.112aj 
'Wolauf, stet auf, ir toten iung vnd alte! 
Stet auf! es ist nun an der czeyt, 
Das jüngst gericht ist hie; stet auf 

vnd eylt!' 
2/ Stet auf zw gricht! der richter ist ge- 
sessen. [Bl. 112b] 
O iamernot! ain sündersich wil rechen. 
We, das er ye geparen ward, 
Der nun mus leyden czyfaltigen tod!' 
3. *Stet auf! ir mugt euch nicht vor jm 

verpergen. 
O arme sei, der leib mit dir musz sterben, 
Doch nymmermer gesterben mag. 
Stet auf! sech an den jämerlichen tag!' 
4. ' Stet auf! ir mügt dem gricht da nit 

entrinnen. 
We, we, we, we ! es ist Vber alle synne. 
Stet auf vnd secht den richter an! 
Enphach von jm ain yeder seinen lan.' 
5/'Kumbt her, hört czw, ir ewigklich 

verdampten ! 
Hort zw, hört zw! vor mir müst jreuch 

schämen ; 
Das vrtail ich euch vellen wil. 
Das ir veracht vnd lebt vnsicherlich. 

6. "Mich hat gehungert, vnd mich nitthet 

speysen. 
Der durst mich czwang, vnd rust vor 

euren hewsern 
Elentigklich in czryssem gwant, 
Vil Schmach vnd schant must ich von 

euch oft leyden. 

7. "Ich sand mein diener, euch zwunder 

weysen. 
Ir hört ir nicht, vnd lebt nach ewrer 

wey se ; 
Was ich gepot, pehielt ir nye: 
Was vrtail duncket euch? das sprecht 

auch ir!' 



8. 'We, we, das wir ye herwarden geparen! 
Wir glaubten nicht, [Bl. 11 3aj das chris- 
tusward geparen ; 
Dar vm wir pillich faren ab, 
Vnd vnser nymmermer hinfür gedacht. 

9. ' We, we, das wir das vrtail suUen höven ! 
Wir glaubten wol, wie christus kam 

auf erden, 
Doch sein gepot pehielten nicht; 
Dar vm wir leyden pillich ewigkHch.' 

10. "Get,ir verfluchten, in das ewig fewre! 
Vnd alle frewd, die sol euch werden 

tewre. 
Dem lüciper werd ir geleich, 
Wirt sein eur got vnd ewigklich ewr 

freyd. 

11. "Ffärt hin, ir geist, das volck mit leib 

vnd sele, 
Volpringt mit jn eurn grim, lust, räch, 

neyd, wee, 
Vnd aller vnflat mit euch ab. 
Get hin vnd ewigklich verfluechet gar! 

12. " Get her, gebenedeyten meines vaters! 
Get her, get her, das reich von jm 

enphahet! 
Von anfang euch peraittet ist 
Die ewig freyd, das leben ewigklich. 

13. "Wan ir mich het alczeyt vor euren 

äugen. 
Get her, get her, mich ewigklich an- 

schawen ! 
Was ich gepot, pehielt ir schan; 
Dar vm get her, enpfacht pey mir den lau ! 

14. "Von meinen wegen habt ir vil gelitten 
Vnd auch darzw[Bl. 113 b] vil fteyd vnd 

glüstvermitten; 
Parmherczigkait peweist ir mir; 
Wan ir die armen mir nye hie verliest. 



75 



15. ''Mein leiden gie euch oft vnd dick zw 

herezen, 
Mit danckperkait gedacht ir meiner 

Bchmerczen, 
Vber alle dind het ir mich lieb: 
Get dan, enphacht die ewig^ freyd pey 

will» I 



mir: 



1 6. Dy tagweys sey euch allen hie gesungen, 
Schawt auf, schaut auff, wohin ir wellet 

kummen. 
Czwo stet euch ewigkleich perayt: 
Der freyden vnd des leydens herczn 

laydcz. 



Die Melodie ist dorisch. Den weltlichen Text zu dieser Tageweise habe ich nicht 
attsßndig machen können. Das nächste Blatt 114 ist an verkehrter Stelle eingeklebt 
worden. Es muß folgen auf da^ Blatt 79. Das auf demselben aufgezeichnete Lied: 

LXIX. 
leb schrey md rfleff anf erden. 

Siehe unter Nr. L. 



LXX. 
Jherasalenit erfreyd dich nun! 




^f=rf^^=^ 



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i^ 



Jhe-ru- sa - lern, er-freyd dich nun! Got hat ge - sandt 




arn-i-R 



^ 



dir sei-nen sun Jhe-sum chri-stum, Jhe - sum chri-stum. 




-rr- 

fiey dich nun vnd kum! 

1. Iherusalem, erfreyd dich nun ! [Bl. 1 15a] 
Got hat gesandt dir seinen sun 
Jhesum ehristum, Jhesum christum. 
frey dich nun vnd kum! 

2«£r ist geparen auf dv erd, 
Des man lang ezeyt hat her pegert: 
Der küuig werd, der künig werd 
himels vnd der erd. 

3. Er ist ge^tigen von dem tron 
Vnd hat gelegt die menschait an. 
Schaw yederman, 

hie die wunder an! 

4. £r li^ hie in dem krippelein, 
Im dient ain osch,* ain eselein 
Dem schepfer sein, 

mensch, lern hie dapey! 



5. Nun lauffet zw dem kindelein ! [Bl. 115 b] 
Es wil vns gar genadig sein, 

Vm rew vnd layd 
gybt es ewig freyd. 

6. O pys gegrust, dw kindelein, 
Des höchsten sun in ewigkait 
Vnd auch der mayd 
junckfraw ewigkleich! 

7. O Jhesu, edles kindelein, 

Dw warer got vnd schepfer mein. 
Nicht von vns sey 

i'n der leczten czeyt! 
Srczaig vns dein parmherczigkait ! 
Wan läl mein sünd die seind mir layd. 
Dich zw mir naig, 
mich zw dir perayt ! 



* lies: ochs. 



76 — 



9. Seind dw pist mensch geparen 
Zw trost vnd hail der gantzer weit, 
Mich zw dir ker! 
dein mein sei pegert. 

10. O Ihesu kind, verschmäch mich nicht! 
Dw pist allain mein zwuersicht. 
Mich zw dir schick, 

herr, verschmäch mich nicht! 

1 1 . Mein grossew schuld ich dir pekenn : 
O milter ihesu, rieht nit streng! 

An meinem end 
kum zw mir pehend! 

12. Mein sei sich dein erfreyen thuet. 
Kum, kindlein ihesu, sy pehüet, 
Dw ewig gut, 

mach ir end hie gut! 

13. Wan dw für sy gelitten hast. 
Dein plut vergossen gantz vnd gar. 



Dw sy pebar 

an der leczten fart! 

14. O junckfraw, muter, künigin, [Bl. 11 6a] 
Dw edlew kindelpetterin. 

Mit deinem kind 
ker dich her zw vns! 

15. Pytt, muter der parmherczigkait, 
Fiür vns dein kind vnd vns pelayt 
Aus allem laid 

jn dye ewig freyd! 

16. Dan loben wir dich ewigkleich 
Mit deinem kind in seinem reich. 
Hilff, das ich schaid 

jn die ewig freyd! 

17. Nun lob vnd er sey got gesayt 
Der heiligen driualtigkait, 

In ewigkait 

lob sey got gesayt. Amen. 



Die Melodie ist dorisch. Ein ähnlich lautender späterer Text: 

Erfreue dich, Jerusalem! 

Dein Heiland liegt zu Bethlehem 

steht bei Pailler, Weihnachtslieder aus Oberösterreich, 1881, Nr. 57. 



LXXI. 

Ain anders von dem kindlein, vnd man singt es wie das puer natus. 

Ain kind geporii zw Pethlehem. 



l.Ain kind geporn zw Pethlehem, 
des frey dich nun iherusalem, 
heb auf dein äugen, jn erkenn! 

2. Vnd ihesus ist der name sein 
der wil vns hallen ewigkleich; 

des freyet euch nun, arm vnd reich ! 

3. Nun kummet her! er ist geporn 
vnd ligt in ainer kiypp her vorn, 
des alle ding sind, ist da arm. 

4. Nun merckt hie wunderlichew ding, 
wer da des kindleins diener sind: 
das ist ain esl vnd ain rind. 

5. Es liget da in armut. [Bl. 116 b] 

wie man jm thuet, nymbt es für gut, 
es wil vergiessen hie sein plut. 

6. Maria haist die muter sein 

vnd ist ain junckfraw ewigkleich, 
vnd nymmermer wirt ir geleich. 

7. Josehff gerecht, weys vnd auch rain, 
dem seind pefolhen da dye czway, 
das kind vnd auch dy junckfraw rain. 

8. Nun sucht das kind, ir kindelein, 
jr alten, jungen auch da pey, 

vnd grüst dy junckfraw muter sein! 



9. Vnd oppfert jm ain kränczlein, 
von weyssen, roten röselein! 
vnd das pedewt das leyden sein. 

10. Vnd vallet für es auf eur knye! 
es ist der war ^ot schöppfer hie, 
vor dem sich piegen alle knye. 

11. Reckt auf eur hend, Schlacht in eur 

prust! 
das kind das pringt vns freyd vnd lust 
vnd ist geporen her vm vns. 

12. Dar vmb ruft an das kindelein 

vnd sucht das gar von herczen haim! 
wan es wil vns gar gnädig sein. 

13. Vnd cziecht hin ein gen Bethlehem! 
das ist: ^w kirehen sult ir gen. 

da sehet ir das kindelein. 

14. Vnd liget in dem krippelein [Bl. I17a] 
auff rainen weyssen tüechelein; 

der priester ist der pfleger sein. 

15. Der hebt und legt das kindelein, 
das secht ir in den henden sein: 
das pettet an andächtigkleich! 

16. Versawmbt euch nicht in diser czeyt, 
sucht haim das kind sar fleyssiskleich ! 
der lan pey jm yrert%wigil.il. 



— 77 — 



17. In diser hoch würdigen czeyt 
das kindlein gar in gnaden leyt: 
wer sein pegert, ist es perayt. 

18. Mit freyden latt das in ewr haws! 
was vnnutz ist, das raumbt heraus, 
damit das kind nicht hab ain sraws! 

19. Enpfacht das gar mit grossem lust 
ynd schmückt es lieblich an eur prust! 
was ir es pitt, gibt es vm sunst 

20. Das ir pehalt das kindelein, 
ewr thüer vnd ewrew vensterlein 
dye Bullen wol verschlossen sein. 

21. So yint ir es gar haimeleich 
vnd wert von jm dan vnderbeyst, 
war vmb es her geparen sey. 

22. Vnd wert vernemmen Wunderding, 
die mit jm her geporen sind, 
halt ir es recht mit disem kind. 

23. Wo pistu Sünder? tryt herfüer! 

[Bl. 117b] 
dye czeyt ist hin, das iar ist hie, 
das kind ist kummen her nach dir. 



24. O spiler, irrer, herter mensch, 
dw vnrainer, das auch erkenn: 

wie wirt dir sein das kind so streng! 

25. Lauff zw dem kindlein mit pegier, 
mit rew vnd layd nymb auch mit dir ! 
es wirt noch sein genädig dir. 

26. Wan wer sich hie versa^ffrmen thuet, 
der hat dort nymermer kain rue: 
Dar vmb eylt hie dem kindlein zwe! 

27. O ihesu, edles kindelein, 

nun lass vns dir pefolhen sein, 
pehalt vns in den gnaden dein! 

28. Vnd junckfraw, muter, künigin, 
dw edlew kindlpetterin ! 

nun pit für vns dein liebes kind, 

29. Das wir jn loben ewigkleich 
vnd dich mit im in seinem reich! 
an vnserm end so ste vns pey! 

30. Nun lob vnd er sey dir gcsayt, 
dw heiligew driualtigkait, 

ain warer got vnd vngetailt. 



Das Lied ist von den bis jetzt bekannten Liedern mit gleichem Anfange ganz 
verschieden. Vergleiche Wackernagel ^ Das deutsche Kirchenlied II, Nr, 904 ff; 
F, Nr. 1226 und 1393. Kehr ein, Die ältesten kath. Gesangbücher /, Nr. 83 ff. 



LXXII. 
Es ist geporn ain kindelein. 




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Es ist geporn ain kin-de-lein: Nun sin -gen wir fro-fio, 




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Ffiofro, fro-fro ! Von ai - ner rai-nen, schönen junckfiawn 




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ge-po-ien hoch. Ffro-fro, v-ber al - le freyd auf erd, 




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layd ver-kert! fro - li-chen sin-gen wir fro - fro! 



— 78 — 



l.Es ist gepom ain kindelein: [Bl.llSa' 
Nun singen wir frofro, 
Ffrofro, frofro! 
Von ainer rain^n, schönen junckfrawn 

geporen hoch. 
Ffrofro, Vber alle freyd auf erd, 
Layd verkert! 
FroKchen singen wir frofro! 

2. Es scheinet in dem kryppelein [Bl. 1 18b] 
Vnd alle ding sind sein. 

Eya, eya! 

Vns wirt vergeben, gegeben das leben 

dort ewigkleich. 
Eya, eya, frölich loben wir 
Mit pegier 
In diser czeyt das kindelein! 

3. Nun eylen wir dem kindlein zw. 
Ja das die junck&aw trueg. 
Ffroleich, froleich! 

An scherczen, an schmerczen, sälig, 

heylig ir werder leyb. 
Ffroleich Vber alle weyb auf erd! 
Junckfraw werd, 
Das wir dich loben ewigkleich. 

4. Nun rüffen wir das kindlein an 
Vnd dienen jm gar schan. 

Gar schan, gar schan! 
Schan miltigklichen wirt gegeben von 

jm der lan 



Gar schan Vber alles gut a«f erd, 

Jhesu werd, 

verleioh vns dort die ewig kran! 

5. O Jhesu kind, verlass vns nicht 
All sunt vns hie vergib, 
Vergib, Vergib! 

Vns armen verdarben, gefangen, vm- 
hangen nut stricken vil, 
Viluil, vil manigerlay auf erd, 
Jhesu werd, 
Verleich des endcz ain salges czil! 

6. Dan loben wir dich ewigkleich 
Pey dir, in deinem reich, 
Jhesu, Jhesu! 

O ihesu christe, vns erhör vnd zw 

dir ker, 
Jhesu, ihesu christe, vns gewer! 
Dw pist der. 
Der vns pehalt dort ewigkleich. 

7. Des singen wir dir lob vnd «r, [Bl. 1 19a] 
Der dw pist kummen her, 

Herher, herher! 

Von oben geczogen in leyden, freyd 

meiden auf diser erd. 
Herher durch die himel auf dy erd, 
Milter herr! 
Des singen wir dir lob vnd er. 



Die Melodie ist ionisch und hat Anklänge an das Lied »Resonet in laudibus« 
oder »Joseph, lieher Joseph mein^i (3iiumher, Das kath, deutsche Kirchenlied /, Nr. 48). 




LXXIII. 
Es ist gepom ain kindelein. 

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3 1—» ♦ ■ I^ — 4— ^ 



Es ist ge-porn ain kin-de-lein. Er-frey-et euch, er-frey- 




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31=-»--»—»^»—^: 



et euch, er-frey-et euch von her 



czen! 



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Es ist ge - porn ain kin-de-lein; Jhe - sus ist der na- 




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*»: 



me sein. [Jhe- sus ist der na - me sein.] 



79 



1. Es ist gepom ain kindelein. 
Erfreyet euch, erfreyet euch, 
erfreyet euch von hercsen! 
Es ist ^epom ain kindelein; 
Jhesus ist der name sein, [Bl. 119 b] 
[Jhesus ist der name sein]. 

2. Wunderleich ausz seinem reich 
Gepom her auf erterreieh, 
Nemmen war all, arm vnd reich! 
Got der ist vns warden eleich, 
Dy menschait hie an sich gelavt 
Zw freyden vns dort ewigldeich: 
Ffreyt euch, ffireyt euch, arm vnd reich ! 

3. Suchen wir das kindelein, 
Erfreyet euch etc. 
Suchen wir das kindelein 
Vnd rüffen an den namen sein! 
Es wil vns gar genädig sein, 
Erlösen von der hellen pein. 
Suchen wir das kindelein! 

4. Lernt erkennen dises kind, 
Erfreyet euch. . . . 

Lernt erkennen dises kind, 
Von dem man wunder list vnd singt 
Vnd hersehet Vhei alle ding! 
Das pitten wir vmb vnser sunt, 
Pitten wir vmb vnser sunt! 



5. Ir Väter, müter, sehet an, 
Erfreyet euch 

Ir väter, müter, sehet an! 
Zw ihesu lernt die kindlein schan, 
Welt ir pesiczen disen lan, [Bl. 120 a] 
Den ihesus gibt, die ewig kran! 
Lernet, lernet die kindlein schan! 

6. Nun loben wir das kindelein, Erfreyet... 
Nun loben wir das kindelein 

Vnd auch dy lieben muter sein, 
Ain junckfraw imer vnd ewigkleich, 
Loben wir sie nercsenleich! 

7. edlew himelkflnigin, Wir frey en 

O edlew himelkünigin 
Vnd Sälgew kindlpetterin, 
Pit für vns dein liebes kind. 
Am leczten end dan zw vns küm 
Vnd vns mit dir pelaytt von hinn, 
Pit für vns, dw künigin! 

S. O milter ihesu, tail vns mit, 

Wir erfrcyen 

milter ihesu, tail vns mit, 
Des dich dein liebew muter pit 
Dienmütigkleichen vor der krypp! 
Erhör vns vnd verlass vns nicht, 
Erhör vns vnd verlass vns nicht! 



Die Melodie steht in der ionischen Tonart. Die \?- Vor Zeichnung ist zu er- 
gänzen , was schon daraus hervorgeht ^ dass an einer SteUe dem e ein ^ vorge- 
schrieben ist. 



LXXIV. 
Von ainem garten, dar ausz man auch wol ethwas mag nemmen. 

Ein gartt, ain edler garten. 



1. Ein gartt, ain edler garten, 
den ain yeder pflanczen sol, 

dar jnnen krewtlein wagsen, [B1.122a] 
jn die himel riechen wol. 

2. Von dem ist wol czesingen ; 
wan er ist gar tu gentreich 

vnd gar süessz frücht her pringet, 
die da werden ewigkleich. 

3. Wem diser frücht mag werden, 
der hat wun vnd freyd gar vil, 
den hungert nymmermere, 
noch der durst jn czwingen ist. 

4. Ja, wer die frücnt mag haben, 
aller prechen ist er frey; 

dar vmb pflanczt disen garten, 
davon ir lebt ewigkleich! 

5. Wer aber des nicht achtet, 
alle vnkrawt reytt nicht aus, 
dem pringt er grossen schaden, 
vngeschmach vnd solchen graws, 



6. Ewigen durst vnd hunger, 
allen prechen auch da pey. 
ain yeder sey da munder; 
wan es wert auch ewigkleich. 

7. Dar vm pflanczt recht den garten! 
so newst ir der frücht gar hoch, 
kain vnkrawt da last wagsen, 
nembt der krewter ewen war! 

8. Der grund ist rechter glauben, [Bl. 122 b] 
das der vest vnd gancz peleyb, 
darauf man dan mag pawen 

disew krewter tugentreich. 

9. Dy maur vm disen garten 
ist genant dy stätigkait, 

dy sol sein vest vnd hoche, 
das kain dieb dar Vber raich. 
10. Das thor ist gottes vorchte, 
da mit thue peschliessen wol 
den garten vor gewalde; 
wan der veint ist vil dar vor. 



— 80 — 



ll.Ffünf fensterlein dar jnne 
Süllen sein gar wol pebart: 
das seinen die fünf synne, 
dar durch hütt man dises gartz. 

12. Auch must dw jn vor düngen 
mit diemutigkait gar wol, 

da von die krewtlein kummen, 
wagsen auff prayt, weyt vnd hoch. 

13. Dar auf magst dw dan pflanczen 
deinen garten also vol. 

wer da für reytt vnd spranczet, 
das er jm auch riech gar wol, 

14. Vnd sich dar ab pestercke 
nach den krewtern plangen sey, 
vnd irer tugend mercke, 

vnd auch pflancz den garten sein. 

15. Von ersten must dw pflanczen [Bl. 123a] 
gar czway edlew krewtUein, 

die ryechen auf gar schane 
jn die himel weyt vnd prayt: 

16. Das erst haist gottes liebe, 
vnd das ander ist dem gleich; 
da mit musz man sich Vben, 
wan dye frucht wert ewigkleich. 

17. Das ander, solt dw mercken, 
haist die lieb des nächsten deins, 
da mit thuet man sich stercken 
vnd dy frucht pringt grosse freyd. 

18. Wan aine ^n die ander 

jn dem garten nicht pestet, 
seczt dw sie nicht czwsamen, 
all dein arbeit ist nichtz wert. 

19. Thustu die recht pebaren, 

in dein gärtlein pflanczen wol, 
so wagsen sie dir hoche 
füllen dir den garten vol. 

20. Von disen czwain enspringen 
alle ander krewter gut, 

ob dw sie pflanczt mit synnen 
vnd sie haltzt in stater hu et. 

21. Ain krawt must dw auch haben, 
ist genant Geduldigkait; 

das hat an jm dy krafte, 

all dein veint von dir vertreybt. 

22. Gerechtigkait ain krewtlein [Bl. 123bl 
secz auch in den garten dein, 

nicht vast czw eng noch weyte, 
das es geh auch seinen schein! 

23. Zw dem secz noch ain krawte ! 
ist parmherczigkait genant, 
das wagst mit disem auffe: 

die czway müssen sein gemengt. 

24. MeT ains secz in den garten! 
ist genant peschaidenhait, 
des musz man ewen warten, 
andrew krewter das perayt. 



25. Milttigkait ist ain krawte, 
secz czw der peschaydenhait! 
dar czwe must dw oft schawen, 
wild das es dir riechen sey. 

26. Ain krawt ist alczeyt grüene, 
gotbilligkum ist es genant; 
das wegst an alle müee, 
ethlichen gar wol erkant. 

27. Noch ist ain krawt gar tewre, 
das haist jnnigklichs gepet; 

das gleicht sich czwe dem fewre, 
wan es dringt auf in die hoch, 

28. Vnd reucht auf in die himel. 
wol dem, der es pflanczen kan! 
der wirt erfreyet jmmer, 

so er kumbt in enes land. 

29. "Wer dises krawcz wil nyessen, [B1.124a' 
der musz in den garten gan, 

sich nicht lassen verdriessen, 
andrew krewter dar czw han. 

30. Mer ist ain edles krewtlein, 
gut gepard ist es genant; 

das dunckt ethlich gar veintleich 
vnd nicht allen wol erkant. 

31. Noch ist ain kraut vorhanden, 
des solt dw auch nicht erpern, 
das ist also genante: 

alle ding zwm pesten kern. 

32. Das krawt ist kreftig, gute, 
wenig lewten wol erkant; 
des solt dw gar wol hütten 
wan dauon wirt dir der lau. 

33. Noch hab ich ains vernummen, 
das ist auch gar tugentreich, 
sein sam vom himel kummen, 
das das auch im garten sey. 

34. Dw solt nicht widerklaffen 
falso ist das kraut genant j, 
noch nachreden deim nagsten, 

das halt schon vnd auch das pflancz! 

35. Von andern lewten Sünden 
schweig, mit leyd, wo dw die siechst, 
schaw dich selb an geschwinde! 
lernet dich das kreütlein hie. 

36. Vnd wild dw also wandeln [Bl. 124 b] 
hie für ainen cristen gut, 

hör nicht gern von den andern! 
afterkosen ist nicht gut. 

37. Hast dw die kreuter alle, 
noch must aines dar zue han, 
das haisset danckperkayte, 
vnd das nymmer von dir lan. 

38. Also pflancz deinen garten 
auf ain solchen guten grünt 
mit disen krewtlein czarten; 
ewig freyd dir da von kumbt. 



81 — 



39. Vnd thue dar aus auch geten 
alle ynkrawt gar mit vleys, 
an allen enden seczen 

Siten frid, so wirst dw reich, 
ar ausz so wägst ain pluemen, 
geistlich freyd vnd süssigkait. 
nach ihesu wirt dich plangen, 
seiner gegenbürttigkait. 

41. Nun sullen da aui wagsen 
dysew kreüter tugentreich 
jn deines herczen garten, 
so leg dar an deinen vleys. 

42. Mit disen krewtem allen 
laczt dw ihesum czw dir ein, 



wan er hat wolgefallen 

an aim solchen gärtlein vein. 

43. Wild, das er dir peleybe [Bl. 126a] 
vnd dar jnn spacyeren sey, 

so thue pösz kraut ausreytten, 
vnd das nicht jm garten sey. 

44. So gibt er dir den segen 

vnd peschleüst das gMlein dein 

pys in das ewig leben, 

da die frücht wem ewigkleich. 

45. Das sey czw lob gesungen 
ffot, der alle ding peschueff : 
das wir all dahin kummen, 
da dan ist ewigew rue. 



Die zu diesem Liede aufgezeichnete Melodie ßndet man hei Nr. LH besprochen. 

LXXV. 
Von dem kindlein ihesu. [Bl. 125b] 

Wolauf ! loben wir das kindelein. 



l.Wolauf! loben wir das kindelein, 
herczenleich, 
jn der hohen czeyt 
vnd also gnadenreich, 
der nye ward geleich. 
Wer nun well, der mag werden reich. 
Wir vnd auch die grossen, 
die nlossen, 
die klainen, 
gemainen, 
sullen sein perait, 
Dem kindlem nun zw dienen, 
dar ab versawm sich nyemantz: 
frölich eylund auf 
in das leben! 

2. Wer nun well des kindleins diener sein, 
freyd, layd, pein 
sol jm gleich hie sein 
vnd dienen jm allain; 
gros der lan wirt sein. 
Der wirt dort ewig frölich sein. 
Lauffen wir mit freyden 
vnd eylen 
vnd suchen 
vnd grüssen 
hoch das kindelein, 
Das da ist gepären 
aus ainer juncKfrawn waren, 
warer got vnd mensch! 
eylt, eylt, kömbt, kömbt! 

3. Seind dw, ihesu, nun geporen pist, 
als man list, 
vnd an czweyfel ist, 
vnd «ein des nun gewis^ 
vnser nit vereis! 
Wan vnser aller hayler pist. 

fiänmker, Deutsches geistliches Liederbuch. 



Gnad vns allen, gefallen 

vnd armen, 

verdarmen, 

gefangen 

vnd sepunden ser. 

Seind aw pist her kummen, 

vnd haben dich gefunden, 

ihesu, kindelein, 

leyd, leyd, hail vns! 

4. Ihesu, seind dw vns pist warden gleich, 

[B1.126a] 
nicht verczeich, 
der hie zw dir schreyt, 
jn noten steh jm pey, 
seiner sünd mach frey! 
Dar vm, ihesu, heb an, nur leyd! 
Seind dw ye wild leyden, 
vns freyen, 
verczeynen, 
vertreyben 

vnser schuld des tötz, 
Nicht lassen dich verdriessen, 
dein plut für vns vergiessen, 
heyligs kindelein, 
leyd, leyd, hail vns! 

5. Wer das kindlein nun vernummen hat, 
der köm drat, 

ee es werd zw spat; 

pey jm ist alle gnad. 

wer die von im hat 

Vnd sy pehalt, nit von jm iagt. 

Der ma^ frölich singen 

vnd sprmgen, 

sich freyen 

der freyden 

in der ewigkayt. 



— 82 — 



Der ßy nicht wil haben, 
der mag wol wainen, klagen 
villeicht ewigkleich. 
Ihesu, hayl vns! 

6. Pys gegrüst auch, junckfraw, künigin, 
mit aem kind! 
vnser end mach lind, 
am leczten zw vns küm! 
vns pelayt von hynn 
Ihesu zw, deinem lieben kind. 
Da wir dich dan loben 
dort oben 
mit fireyden 
vnd schreyen 
heylig ewigkleich! 
Lass vns nicht verderben, 
nach vnserm end dort sterben, 



pit dein kind für vns, 
ihesum christum! 
7. Lob, lob, lob vnd er sey got gesagt, 

[Bl. liöbi 
auch der magd, 
dy vns her gepar 
den hailer offenbar, 

i*n der krippen lag 
3iemütigklichen arm vnd schwach. 
Schawen wir die wunder, 

gesunder 
ie czaichen, 
vns waichen 
zw dem kindelein. 
Schawen wir die dierlein, 
die irew knydlein piegen. 
lob sey got vnd er 
in dem himel! 



LXXV \ 
Der Tenor. 



O ihesu, heiligs kindelein. 
Warer got, ewiger Schöpfer mein, 
Lass vns pey dir dort sein 
ewigkleich in deinem reich, 
ihesu ! 



Sälig, heilig, ewigkleich 
Dein gnad vns alczeyt verleich, 
das wir dich hie loben, 
dort auch ewigkleich! 



LXXV^ 
Der altt. 



Vnser hailer ist hie. 

wolauf! fröhlich kumbt schier, 

jr reich vnd arm! 

er ist geparn, 

er ist vns kummen, 

den die propheten vorlang 

haben gesungen. 



Suchen wir jn pald vnd kummen 
zw der krippen, schawen die wunder! 
Er ist warlich gotes sune. [Bl. 127a] 
Petten wir jn an gar schan 
vnd pitten jn für vnser Sünde! 
Ihesu christe, heiligs kindelein. 
Nun lass vns dir pefolhen sein 
vnd vns pehüt dort vor aller pein! 



Nummer LXX V enthält Krippenlieder , die nacheinander von ' verschiedenen 
Stimmen gesungen wurden. 

LXXVI. 
Ain halt lied von dem kindelein. 



Nun halt mir schan. 



1 . Nun halt mir schan, dw frewnt der mein, 
vnd frey dich mit mir jnnigkleich! 
wan vns ist kummen grossew freyd. 

2. Vns ist geporn ain kindelein 
von oben her auf erterreich, 

des frey dich mit mir herczenleich ! 



3. Von ainer magt ist es geparn, 
ain junckfraw rain im auserkarn, 

ain junckfraw rain nernach vnd vam. 

4. Es hat verlassen dort sein reich 
vnd sich gemacht vns hie geleich 
jn armut, vns dort machen reich. 



— 83 — 



S.Sein gleich ward nye mer her geparn 
als diemütig, geduldig, arm: 
des allew ding sind, ist da arm. 

6. Es ist, der alle ding peschueff: 
ain warer got vnd mensch dar zwe, 
vm adams val hie thain genueg. 

7. Es ligt nun in dem krippelein [BI. 127 b] 
das heilig, sälig kindelein, 

wil für vns leyden alle pein. 

8. Ain krewcz auf seinen ruck gespant; 
es wil hie leyden schmach vnd schant 
vnd sterben vm das Vaterland, 

9. Sein grossew lieb vns tailen mit, 
das wir jn lieben auch damit, 
vergessen wir des kindleins nicht! 

10. Ain yeder mensch der lern nun wol: 
was er hie thain vnd lassen sol, 

wil er dem kind gefallen wol. 

11. Das kind, der himel vnd die stem, 
dy sunn, der man vnd auch die erdn: 
dye weysen vns den höchsten herrn. 

12. Dem süUen wir hie dienen schan, 
l^ber alle ding vor äugen han; 
wan der gibt vns den rechten lan. 

] 3. Des helff vns das lieb kindelein, 
mit seinen gnaden pey vns sey, 
vnd wir jm dienen ewigkleich. 

pausa. 

14. Halt mir noch lenger, frewnt der mein! 
das kindlein sol dein Ion dort sein, 
pehütten dich vor aller pein. 

15. Noch wellen wir nicht abelan, 
das kindlein grüssen, petten an, 
mit freyden loben, dienen schan. 

16. Pys grüst, ihesu, dw kindelein, [B1.128a] 
dw warer got vnd schöppfer mein, 
von herczen wir pegeren dein! 

17. Pistu nun kummen oben her, 
hie für vns leyden auf der erd, 
o ihesu, kindlein, vns erhör! 

18. Von erst ich dich von herczen pitt: 
verlassz den armen sünder nicht, 
dw waist wol, wer, wie, wo, womit! 

19. Erparm dich sein hinfür noch mer, 
seind dw pist kummen auf dy erd, 
all Sünder hie zw dir peker! 



20. Erparm dich hie , mach vns dort frey 
von allen sünden, freydenreich, 

vnd wir dich loben herczenleich ! 

21. In allen nötten ste vns pey, 
ain sälges end darzw verleich! 
des pitten wir dich jnnigkleich. 

22. Nym dir zwlob hie dicz gesangk, 
von ainfeltigen herczen danck, 
mach vns nach dir die weyl hie lanck! 

23. Dan eylen wir, ihesu, zw dir 
vnd alle ding vernichten hie: 
wan allew freyd allain pey dir. 

Von der muter vnd junckfrawen. 

24. Pys vnuerdrossen, halter mein! 

[Bl. 128 b] 
wir wellen lenger frölich sein 
vnd loben auch dy muter rain. 

25. O junckfraw, muter, künigin, 
pys auch gelobt mit deinem kind, 
dw sälgew kindelpetterin! 

26. Was lob aber wir erpieten dir, 
wir armew würmlein kriechen hie? 
allain dein gnad köm vns von dir. 

27. Dan mügen wir gar frölich sein, 
dein lob vnd er mit freyden schrein 
vnd auch deins herczen kindeleins. 

28. Was vns enpricht auf ertereich, 
des werst gelobt jm himereich, 

dein gnad vns armen nicht verczeich! 

29. Mein sei vnd leyb pefilch ich dir, 
dw, muter gotz, hilff mir zw dir, 
mein schuld gen dir verczeich hie mir ! 

30. Vnd auch all sünder zw dir ker 

in rew, peicht, pussz, auf diser erd, 
hilff muter gottes, vns erhör! 

31. Vnd pitt für vns dein kindelein 
vnd vns jm lasz pefolhen sein, 
ain sälges end vns hie verleich! 

32. Dw, vnser hofnung, vns erhör! 
Vber alle creatur auf erd 

dein kindlein dich alczeyt gewert. 

33. Damit sey lob vnd er gesagt 
dir, muter gotes, raine magt, 
mit disem lob gar klain pegabt! 



LXXVII. 
Erstanden ist der heilig crist. 



1. Erstanden ist der heilig crist, alleluja, 

[Bl. 129 a] 
der aller weit ain tröster ist, alleluja. 

2. Der nun den tod erliten hat, alleluja, 
vmb vnser aller missetat. alleluja. 

3. Vnd war er nicht erstanden, 
die weit die war czergangen. 



4. Vnd seind das er erstenden ist, 

so loben wir got, den heiling crist! 

5. Drey frawen kummen zw dem grab 
vnd prachten salben mit jn dar. 

6. Sye retten zw einander schan : 

'wer walczt vns disen stain herdan?' 

6* 



— 84 — 



7. Als sie das retten, pald darnach 
den stain sie sahen ab dem grab. 

8. Der eneel gottes jn erschain 

In jungling weys, in weyssem klayd : 

9. Wem suchet ir, jr frawen hie?' 
jn grosser forcht erschracken sie. 

10. Nun furcht ewch nicht', der engel 

sprach, 
'er ist erstanden von dem tod! 

11. Get hin vnd sagt den jungern das 
vnd petro auch pesundebar! 



12. Er ist erstanden von dem tod 
als er euch vor ge saget hat!' 

13. Djre frawen schiden von dem grab, 
mit freyden jn verküntten das. 

14. Des tags, als crist erstanden was, 
den seynn erschain zwm fünften mal. 

15. Daran kain mensch nicht czwej'ffeln sol, 

[Bl. 129 b] 
er sey erstanden von dem tod. 

16. "Vnd darnach auf gen himl gefarn 
vnd richten an dem jüngsten tag. 



Der Text ist eine Ueherarheitung des bekannten Liedes mit gleicher Anfangs- 
zeile. Vergleiche Wackernagel a. a. O., //, Nr. 952 ff.; F, Nr. 1442. Kehrein, 
a. a. O., 7, Nr. 211 ff, 

LXXVIII. 
Erfrejr dich himelkünlgin. 



1. Erfrey dich, himelkünigin, 
erfrey dich, muter, deines kintz! 

2. Wan er vom tod erstanden ist 
vnd hinfür lebet ewigklich. 

3. Erfrey d dich nun an vnderlosz! 
wan dw mit jm geliten hast. 

4. Erfrey dich nun dort ewigkleich 
mit deinem sun in seinem reich! 

5. Erfrey dich, himelischew part, 
an vnserm end dw vnser wart! 

6. Vnd pitten dich, verlassz vns nicht, 
so wir von hinnen schaiden hin. 



7. Pelayt vns mit dir in das reich, 
da wir ^ot loben ewigkleich. 

8. Erfrey sich nun alls himlisch her 
vnd alle creatur auf erd! 

9. Erfrey sich noch der sünder mer, 
von Sünden sich zw got peker! 

10. Des helff vns, der erstanden ist, 
vnd mit jm leben ewigklich. 

11. Nun lob vnd er sey got gesagt, 
der vns erlöst mit seinem tod: 

12. Das er vns well genädig sein, 
pehütten dort vor aller pein. 



Das Lied ist von dem bekannten »Freu dich, du Himmel -Königin« ganz ver- 
schieden. /Wackernagel, a. a. O., 77, Nr. 1120; Kehrein, a. a. O., 7, Nr. 246; 

II, Nr. 395.) 

» 

LXXIX. 
Es ist nun alls Tergangen. 



1 . Es ist nun alls vergangen [Bl. 1 30a] 
nach dem mich thet verlangen, 
dye czeyt ist hin nach vngebin, 
des ich mich nun muesz schämen. 

2. Mein czeyt thet ich verczeren, 
der sünd mich nit erberen, 

das ich nun klag pys an mein end, 

fot mir das well vergeben ! 
ch hab mit meinen sunden 
dy helle dort gefunden. [Bl. 130 b] 
o, got erparm sich Vber mich, 
mach mir mein sei gesunde! 

4. Es get nun zw dem ende, 

der tod kumbt schier pehende. 
maria, muter, ste mir pey 
an meinem leczten ende! 

5. Kumb, muter der genaden, 
dye veint von mir thue iagen 



vnd pit für mich dein kindelein, 
vnd ich wil nit verczagen! 

6. So ich nun lig, wil schaiden 
in schmerczen vnd in layden, 
kupi mir zw trost in meiner not, 
nach got allain mein haile. 

7. Pelayt mich, fraw, von hinnen 
czw ihesu, deinem kinde, 

vnd mich dir lass pefolhen sein, 
dw himmelküniginne ! 

8. Ghedenck nit meiner schulde 
erbirb mir, fraw, vor hulde, 

ee ich peschlews das ende mein 
rew, peicht vnd puess, gedulde! 

9. Auch rüff ich mer all heyling an, 
an meinem end mir pey czestan 
vnd pitten, der sie hat erbelt, 
czw freyden ewigkleich geczelt. 



Titel der öfters angefillirten Bücher. 

Bänmker^ Willieliiiy Das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen. 
Auf Grund handschriftlicher und gedruckter Quellen bearbeitet. 3 Bände. 
Freiburg im Breisgau, Herder'sche Verlagshandlung. I. Bd. 1887; IL Bd. 1883; 
III. Bd. 1891. 

Niederländische geistliche Lieder nebst ihren Singweisen aus Handschriften 

des XV. Jahrhunderts. Leipzig, Breitkopf & Härtel 1888 {Vierteljahrsschrift 
für Musikwissenschaft IV. Jahrg. 2. und 3. Heft). 

Bdhme^ Franz M«^ Altdeutsches Liederbuch. Volkslieder der Deutschen nach VTort 
und Weise aus dem 12. bis zum 17. Jahrh. Leipzig. Breitkopf & Härtel. 1877. 

Erk-Böhme« Deutscher Liederhort. Auswahl der vorzüglicheren Deutschen Volks- 
lieder, nach Wort und Weise aus der Vorzeit und Gegenwart gesammelt und 
erläutert von Ludwig Erk. Im Auftrage und mit Unterstützung der K-önigl. 
Preußischen Kegierung nach Erk's handschriftlichem Nachlasse und auf Grund 
eigener Sammlung neu bearbeitet und fortgesetzt von Franz M. Böhme. 
3 Bde. Leipzig, Breitkopf & Härtel. L und II. Bd. 1892; IIL Bd. 1894. 

Grimm^ Jacob und Wilhelm ^ Deutsches Wörterbuch, fortgesetzt von Dr. M.Heyne, 
Dr. R. Hildebrand, Dr. M. Lexer, Dr. C. Weigand, Dr. E. Wülcker. Leipzig. 
Hirzel 1852 — 1893. 53 Lieferungen (erscheint noch). 

Hofmann^ Bndolph, Das Leben Jesu nach den Apokryphen im Zusammenhange 
aus den Quellen erzählt und wissenschaftlich untersucht. Leipzig. Friedrich 
Voigt. 1851. 

Jacob! a Yoraginey Legenda aurea, vulgo historia Lombardica dicta. Ad optimo- 
rum librorum fidem recensuit Dr. Th. Graesse. Editio secunda. Lipsiae, Impensis 
librariae Amoldianae MDCCCL. 

Kehreln^ Joseph^ Die ältesten katholischen Gesangbücher von Vehe, Leisentrit, 
Corner und Andern in eine Sammlung vereinigt. 3 Bde. Würzburg, StaheVsche 
Buch- und Kunsthandlung. I. Bd. 1859; IL Bd. 1860; IH. Bd. 1863. 

Keppler^ F*^ Zur Passionspredigt des Mittelalters im Historischen Jahrbuch der 
Görres-Gesellschaft III. Bd. 2. Heft. Münster 1882, S. 285 ff., IV. Bd. 2. Heft 
München 1883, S. 161 ff. 

Leutolphns de Saxonia^ Meditationes vitae Jhesu Christi. Nürenberg p. Anthonium 
Koburger 1478. 

Lexer, Matlhias, Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. Vierte Auflage. Leipzig, 
S. Hirzel 1891. 

Reinsch, Dr. Robert, Die Pseudo-Evangelien von Jesu und Maria's Kindheit in 
der romanischen und germanischen Literatur. Mit Mittheilungen aus Pariser 
und Londoner Handschriften versehen. Halle, M. Niemeyer 1879. 

Schade, Oskar, Altdeutsches Wörterbuch. Zweite umgearbeitete und vermehrte 
Auflage. Halle a. S. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses 1872 — 1882. 

Schmeller, J* Andreas, Bayerisches Wörterbuch. Zweite mit des Verfassers Nach- 
trägen vermehrte Ausgabe bearbeitet von G. Karl Frommann. München, 
Rudolf Oldenbourg. 2 Bde. L Bd. 182; II. Bd. 1877. 

Snsos, Heinrieli, genannt Amandiis Leben und Schriften. Nach den ältesten Hand- 
schriften und Drucken .... von Melchior Diepenbrock. Mit einer Einleitung 
von J. Görres. Vierte Auflage. Regensburg, Georg Joseph Manz. 1884. 

Tanleri, D* Job«, Geistreiche Betrachtungen des Lebens und Leidens Christi in 
dem Sammelwerke: Des hocherleuchteten und theuren Lehrers D. Job. Tauleri 
Predigten . . . samt dessen übrigen geistreichen Schriften . . . nebst einer Vor- 
rede D. Philipp Jacob Speners. Franckfurt am Mayn und Leipzig, Joh. Friedr. 
Gleditsch. 1703. 

Wackemagel, Philipp, Das deutsche Kirchenlied von der ältesten Zeit bis zum 
Anfang des XVII. Jahrhunderts. 5 Bde. Leipzig, B. G. Teubner. I. Bd. 1864; 
IL Bd. 1867; IIL Bd. 1870; IV. Bd. 1874; V. Bd. 1877. 

Weinhold, Dr. Karl, Bairische Grammatik. Berlin, Ferd. Dümmler's Verlagsbuch- 
handlung. 1867. 

Mittelhochdeutsche Grammatik. Zweite Ausgabe. Paderborn, Ferd. Schöningh. 

1883. 



Anmerkimgeii. 



# 



2, 


2 


3, 


1 


3, 


2 


4, 


2 


5, 


2 


6, 


2 


7, 


1 


8, 


1 


10, 


1 


10, 


2 


11, 


1 


11, 


2 


13, 


1 



> statt u bezw. ü hat die Handschrift oft w oder ü- 



Nr. Strophe Zeile 

I, 1, 1 fnariam. Die Eigennamen sind in der Handschrift meistens mit 

kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben, selten mit großen. 
2, 1 am. ai, ay steht gewöhnlich für das mittelhochdeutsche ei ey; da- 
gegen ist das mittelhochdeutsche i aufgelöst in ei ey. Wemhold, 

Bairische Grammatik §. 78. 

pote Bote, p steht im Anlaut fast regelmäßig für b. Weinhold 

§. 121. 
dy oder dy die. y, y steht oft für ie, auch für i. 
zw oder zib zu 
junckfraw Jungfrau 
czelle Zelle, z wird gewöhnlich mit vorgesetztem c (cz), mitunter 

auch mit vorgesetztem t (tz) geschrieben. Weinhold §. 152. 
Oberland Himmel. 
erkanf bekannt. 

vant fand, v steht vielfach anstatt unsers f. 
hoffenlich heißt mhd. hoffend, Hoffnung erweckend. Hier wird es 

wohl s= hovelich sein: höflich. Das n wäre dann eingeschoben. 

Weinhold §. 168. 
Aue Ave. Anstatt unsers v steht öfter u. 
sach sah. Im Auslaut wird gewöhnlich anstatt h: ch geschrieben. 

Weinhold §. 185. 
anthurt mhd. antwurt. Weinhold §. 29. b steht im Anlaut oft für w. 

Daselbst §. 124. 
vngeböndlich ungewöhnlich. Zunächst v für u, dann b für w. Der 

Buchstabe d ist eingeschoben. Weinhold §. 148. 
verbundern verwundern. Vgl. 10, 2. 
enphahen empfangen. Weinhold §. 128. 
^eren gebären. Weinhold §. 47. 

13, 2 Schlacht Geschlecht. 
erlörst nur an dieser Stelle, sonst immer »erlöst«, über den Ein- 

schub des r vgl. Weinhold §. 163. 
tcern werden. 

14, ] engl = engel. Nach der Melodie ist hier und an andern Stellen das 
Wort zweisilbig zu nehmen. 

vnderbeys unterweise. "Vgl. 10, 2. 

Wye wie. 

müg geperen vermöchte zu gebären. 

nye nie; thef thäte. Weinhold §.47. 

mügelich möglich. 

wUrcken wirken. 

geparen geboren, a steht häufig für o. Weinhold §. 6. 

sun Sohn. 

peUiben bleiben. 

mer mehr. 
2 nymbar nimm wahr. 

frewntin Freundin. 

maneyd Monat; seind sind. 
2 erfreyd erfreut, ei, ey steht oft für eu = öu. Weinhold §. 79. 

* Um dem Laien es zu ermöglichen, sich in die Handschrift einzulesen, ist 
das erste Lied ausführlich behandelt worden. 



14, 


2 


16, 


1 


15, 


2 


16, 


2 


17, 


1 


17, 


2 


18, 


1 


19, 


1 


20, 


1 


20, 


2 


21, 


1 


22, 


1 


^2, 


2 



— 87 — 

Nr. Strophe Zeile 

I, 24, 1 diern, dieren Magd, Dirne ohne üble Nebenbedeutung. 
24, 2 geschech geschehe. Vgl. 10, 1. 

26, 1 kewsch keusch. Vgl. 3, 1. 

27, 1 gspräch =» gespräch. 

28, 2 eylund eilend. Weinhold §. 289. 

29, 1 freyden Freuden. Vgl. 22. 2. 

29, 2 schan s= schon auf schöne, freundliche Weise. Vgl. 17, 2. 
31, 1 schier sogleich, sofort. 
enpfcmt empfand. 

31, 2 zwhant alsbald. 

32, 1 toan hochdeutsch wannen woher. Schmeller II, 916. kumbt kommt. 

Weinhold §. 1 26. 

34, 1 ewigkleich ewiglich. 

35, 2 drew drei, eu steht oft für ei. Weinhold §. 87. 

36, 2 czoch zog. ' 

38, 1 sach sah. Vgl. 10, 1. 

39, 1 West wußte. Prät. von wissen. 

disew = disiu diese. Weinhold §.84. 

39, 2 kindcz Kindes, z vertritt die Genitivendung s. Weinhold §. 152. 

40, 1 haimeleich heimlich; er jm gedacht dachte er sich. 

40, 2 mächte vermöchte, könnte. Weinhold §. 325. 

41, 1 gotz Gottes. VgL 39, 2. 

vnderstain sonst understen abwehren, verhindern. Weinhold §. 271. 
2 erschain hier und sehr oft ist t am Ende abgefallen. Weinhold §. 143. 

42, 1 den gemahel das ist Maria, ebenso IX, 21, 4 deinen gemahel. 
48, 2 vnhirdig unwürdig. Weinhold §. 19. gedacht deuchte. 

50, 1 gesagt = gesagt. Weinhold § 65. 
50, 2 heihgew == heiligiu. Vgl. 39, 1. 

driualtigkait Dreifaltigkeit, u anstatt v kommt oft vor. 
54, 1 pet Gebet. 54, 2 an ohne. 

57, 1 Nach Bonaventura und andern Schriftstellern wurden die der Sodo- 

miterei Schuldigen in der Ghristnacht auf der ganzen Erde ver- 
nichtet. Hofmann, Das Leben Jesu 1851, S. 111. 

58, 1 attspelibm = auspeliben. Weinhold, §. 139. 

II, 4, 1 er schar cken steht nur an dieser Stelle, sonst heißt es immer »er- 

schracken.« Über die Umstellung des r vgl. Weinhold §. 163. 
9, 1 menige Menge. 

10, 2 Als Christus geboren wurde, herrschte Friede im ganzen römischen 

Eeiche, sodaß der Janu Stempel geschlossen werden konnte. Der 
Lobgesang der Eneel »Frieae auf Erden!« ging demnach in Er- 
füllung. Orosius, lib. VI, c. 21 bei Hofinann a. a. O., S. 110. 

16, 2 himelfn = himelen. Vgl. I, 58, J. 

19, 2 hert schmerzlich. 

21, 1 achtUt achte. Weinhold §. 259. 
III, 10, 2 mr vor. 

11, 1 mos Sumpf. 

12, 2 Werder = weder. Einschub des r. Vgl. Weinhold §. 163. 
24, 2 ster = steren Stern. 

26, 2 pär s=s gepär Art und Weise, wie sich etwas zeigt. Schmeller I, 186. 

27, 2 wand wohnt. 

31, 2 gunden = hequnden begannen. 

37, 1 vnd [ich] auch köm. Vgl. XI, 19, 1. 
39, 1 der dw = daß du. 

IV, 7, 1 hiet Coni. Präs. von haben. Weinhold §.321. 

14, 1 Mit grouen Gaben, einem schönen Zeichen der äußeren Ehrerbietung. 

V, 4, 1 schuppfe bedeckter Gang, Schuppen. Schmeller II, 442. 

oh üoer, auf. 
5, 1 Für die alte Tradition, daß Christus in einer Höhle geboren wurde, 
und den Lichtglanz, den er um sich verbreitete, findet man die 
Quellen in Honnanns Leben Jesu, 1851, S. 108 ff. 



Nr. 


Strophe Zeile 




15, 






16, 






18, 


A 




30, 






32, 




VI, 


4, 


1 



— 88 - 

?ach schnell, plötzlich. Mir wird gach ich habe Eile, strebe mit Eifer, 
hr Herz begann inwendig zu brennen. 
hewplein Häuptlein. Über den Abfall des t vgl. Weinhold, §. 143. 
statnenis = steinenig. 
erbaicken erweichen. "Weinhold §. 181. 

Der Dichter nimmt an, daß der Stern den h. drei Königen in der 
Christnacht erschien. Sie brauchten also vom 25. December bis 
zum 6. Januar dreizehn Tage. Diese Auffassung findet man fast 
in allen Liedern und Spielen von den h. drei Königen: Pailler, 
Krippenspiele 1883, S. 256; auch in der Historia trium Kegum 
von Johann von Hildesheim (zuletzt herausgegeben von Köpke 
im Brandenburger Oymnasialprogramm 1878] ; ferner bei Wein- 
hold, Weihnachtspiele und Lieder 1875, S. 122; bei Bolte, Mär- 
kische Forschungen 18, 168 (zu Lasius' Weihnachtsspiel V. 530). 
Vgl. auch Hofmann, Leben Jesu. 1851, S. 126. 

10, 2 Die Heise des Herodes nach Kom, die durch den Zwist mit seinen 
Söhnen veranlaßt wurde (Josephus, Antiq. 16, 4; Bellum 1, 23), 
ist schon im apokryphen Evangelium desFseudo-Matthäus zwischen 
den Besuch der Weisen und den Bethlehemitischen Kindermord 
eingeschoben. Jacobus a Voragine, Legenda aurea c. 10. Vin- 
centius Bellov., Speculum bist. 6, 9, 3 nach Petrus Comestor. 
Hrotsvita, Maria v. 659. Erlösung hsg. von Bartsch 1858 v. 3417. 
A. Greban, Mystere de la Passion ed. Paris u. Baynaud 1878 
V. 7263. Bolte, Märkische Forschungen 18, 168, 221 etc. 
Leutholphus de Saxonia, Vita Christi, 1478 c. XIII. Vgl. auch 
Hofmann a. a. O., S. 136. Keinsch, die Pseudoevangelien S. 107, 

17, 1 schmucken an sich drücken, schmiegen. 

19, 1 da er dir nichts abschlägt. 

VII, 1, 2 dind = ding. Weinhold §. 171. Dieselbe Schreibweise kommt auch 

im Liede Nr. LXVIII, 15, 3 vor. Ferner ist »ding« gereimt mit 
»sind« in Nr. LIII, 2, 2 und Nr. LIX, 6, 1 . 
6, 2 warcht wirkte. 

VIII, 8, 2 Daß die Götzenbilder bei der Ankunft Jesu in Ägypten zusammen- 

stürzten, ist alte Tradition. Evangelium des Pseudo-Matthaeus 
cap. 23. Auch Conrad von Fußesbrunn erwähnt diese Legende in 
seinem Gedicht »die Kindheit Jesu« und gibt die Zahl der ge- 
stürzten Götzen auf 340 an. Weinhold, Weinachtsspiele S. 68. Pailler, 
Krippenspiele S... 393. Reinsch, Die Pseudoevangelien S. 108,110,130. 
10, 1 jmseb = jmselb. Über den Ausfall des 1 vgl. Weinhold, § 159. 
.18, 2 Die angegebene Zahl 144 000 für die getödteten Kinder in Bethlehem 

ist gleichfalls der Legende entlehnt. Nach griechischer und 
äthiopischer Tradition sollen 14000 Opfer gefallen sein. Vgl. 
Sandini, Hist. fam. sacr. Wirzeb. 1768, p. 60 bei Hofmann, a. a. 
O., S. 137. In dem niederländischen Gedichte »Van den levene 
ons heren« ed. Vermeulen 1843 heißt der Vers 752: »Hondert 
dusent verloren daer haer leven ende XL, dit is ghescreven.« 
In der Erlösung (ed. Bartsch 1858) lautet Vers 3647: »Vier tüsent 
unde hundert und dan noch vierzic ist der kint«. 144000 
sind angegeben im Kremnitzer Weihnachtsspiele (Weimarisches 
Jahrbuch 3,416). 40000 sind genannt bei Pailler, Krippenspiele 
1883, S. 278, bei Hartmann, Oberbayrisches Archiv 34, 186 und 
bei Wolfgang Hermann in seiner Verdeutschung von H. Ziegler& 
Infanticidium, Salzburg 1557. Vgl. auch noch Hartmann, Volks- 
schauspiele 1880, 513 und Weinh., Weihnachtsspiele 1875, 169, 272. 

vtrt = wirt. 

ee und = bevor (und pleonastisch). vor ee vorher. 

nächnen sich nähern. 

gedacht deuchte. 

geperin = gepererin. 



IX, 


10, 


2 




19, 


1 




20, 


1 




24, 


2 




26, 


2 



Nr. Strophe 


Zeile 


X, 3, 


4 


5, 


2 


8, 


1 



20, 


3 


30, 


2 


4, 


2 


13, 


4 


58, 


4 


60, 


2 


63, 


4 



— 89 — 

yeder an vielleicht zu lesen yederman. verhellen erklären, nennen. 

Die wurde ihnen schnell abgeschlagen. 

Erinnert an die dritte Strophe des Liedes »Der Tag der ist so freuden^ 
reich« {Wackemagel, Kirchenlied II, 689 ff.), üeber das gebrauchte 
Bild vergleiche W. Grimm, Vorrede zur Goldenen Schmiede 
Konrads von Würzburg 1840, S. XXXI, ferner Salzer, Sinnbilder 
und Beiworte Mariens in der deutschen Litteratur 189Ö. 
15, 2 ^«^enftwrjf Gegenstand, Objekt. Wir sagen jetzt »Vorwurf« im künst^ 
leriscnen Sinne. 

pegunden begannen. 

vinster Finsterniß. * 

XI, 4, 2 michel groß; wad Kleidung, Rüstung. 
erkünnen verkünden. 
warr wahrer. Weinhold §. 163. 
allenthdben. Ausfall des 1. Vgl. Weinhold § 159. 
von vielleicht vor iren mütern ; oder von ihren Müttern weggenommea 

und dann vergewaltigt. 

XII, Das Opfer Abrahams gehört mit zu den alttestamentlichen Leidens- 

voroildern, welche in den mittelalterlichen Fassionsspielen Ver- 
wendung fanden. Vgl. Keppler, im Hist. Jahrbuch IV, 2. München 
1883, S. 178. 
3, 2 jm dem. Vgl. dazu Nr. XLIX, 2, 2. 
23, 2 schiceyund. Ausfall des g? Weinhold §. 177. 

Xni, Den Grundstock der Passionsdichtung bilden die Berichte der Evangeli- 

sten. Außerdem finden sich viele nicht biblische Schilderungen, 
welche den Passionspredigten des Mittelalters entnommen sind. 
Die mittelalterlichen Prediger liebten es, .nach dem Vorgange de» 
h. Ambrosius, Augustinus, Anseimus, Bemardus und Bonaventura 
die Passion des Heilandes mystisch zu erweitern und auszumalen. 
Gabriel Biel, der Verfasser des Werkes Passionis dominicae sermo 
historialis, notabilis atque praeclarus. Beutlingae 1489 (Mogun- 
tiae 1509), rechtfertigt dieses Verfahren, indem er sagt: »Die 
Evangelisten geben nur die einfachen Thatsachen, einmal, weil 
sie die Tendenz haben, nicht das Gefühl des Mitleids, sondern 
vielmehr den Glauben an das, was sie berichten, zu wecken, so- 
dann, weil es für die Frömmigkeit der Gläubigen überaus nützlich 
ist, das, was die Evangelisten mit Schweigen übergehen, durch 
Geistesarbeit unter Thränen und Gebet selbst zu suchen und zu 
finden. Denn auch, was sie verschweigen, deuten sie wenigstens 
kurz an, und die Seele, die sich recht in ihr Wort vertieft, kann 
auch das finden, was sie nicht berichten« (P. IL art. II im Hist. 
Jahrbuch III, 2. Münster 1882, S. 307). Bonaventura, Op. ed. Pel- 
tier 1868, 12, 595: Quo modo dominus mortem suam praedixit 
matri [Die in Lied XV behandelte Scene] : 'Hie potest interponi 
meditatio valde pulchra, de qua tamen scriptura non loquitur.' 

petrys Bettlägerigkeit, Gichtbrüchigkeit. 

mail Flecken, Mal. 

kucken neu beleben, erwecken. 

attsmerckig aussätzig. 

verschmacht erschien ihnen verächtlich. 

sambten versammelten. 

ptscholf Bischof. Über den Einschub des 1 vergl. Weinhold § 159. 

gleichsner Heuchler. 

Übermächten überwältigen. 
2 hawp Haupt. Über den Abfall des t vergl. Weinhold §. 143. 
1 von der armen soll wohl heißen von wegen der Armen, oder von den. 
1 gie = gieng. Nach dem 15. Jahrhundert verschwindet diese Form. 
Weinhold, Mittelhochdeutsche Grammatik §. 357. 
39, 1 laydsam Leid verursachend. 



5, 


1 


7, 


2 


9, 


1 


9, 


2 


12, 


o 


13, 


1 


14, 


1 


23, 


1 


29, 


2 


33, 


1 


37, 


1 



Nr. Strophe 
XIV, 7, 

27, 
28, 
31, 

51, 

5i; 

XV, 



XVI, 1, 
10, 

11, 

13, 



14, 
20, 
30, 
33, 
36, 

XVII, 5, 
12, 

XVIII, 24, 
26, 
30, 
36, 
41: 

XIX, 12, 
26, 

XX, 15, 
22, 

31 

34, 

36, 

42, 
4, 

7, 

8, 



XXI, 



— 90 — 

Zeile 

1 schaffen bestimmen, befehlen. 

2 strätten streuten. Weinhold, Bairische Grammatik §. 44. 
2 erkUcken erwecken, hier: wieder aufbauen. 

1 Die Bede gefiel den Juden gar nicht. 

2 vtxren = voren vorher. 
1 verstainen steinigen. 

1 erichtag Dienstag. 

2 gie. Vgl. XIII, 37, 1. 

Diese Abschiedsscene zwischen Jesus und Maria kommt auch in 
den Fassionspredigten vor, z. B. in Gerson's Fassion (Strass- 
burg 1509), in der aus dem Lateinischen ins Deutsche über- 
setzten Fassion (Köln 1517) und in der Fassion von Nikolaus 
von Dinkelsbühl (Hist. Jahrb. IV, 3 München 1883, S. 175). 
Auch in den Fassionsspielen kehrt sie wieder, z. B. im 
Egerer Fronleichnamspiel V. 3653, in der Frager Marienklage 
bei Schönbach, Marienklagen 1874, S. 63. V^l. auch Hartmann, 
Oberammergauer Fassionsspiel 1880, S. 8. Volksschauspiele 1880, 
S. 422. Fhuipps Marienleben ed. Rückert 1853, S. 105. Bona- 
ventura, Opera ed. Feitier 1868, 12, 595. A. d'Ancona, Origini 
del teatro italiano 1877, 1, 117, 153. Vgl. die Notiz zu Nr.XIII. 

2 piten warten. 

2 Wenn er euch über's Meer entflieht; oder »entflieht er euch, dar- 
über mehr!« 

1 Des dieses. 

1 Auch diese Unterhaltung zwischen Maria und Judas kommt in der 
Fassionspredigt von Gerson und in der zu Köln 1517 gedruckten 
deutschen Fassion vor. Hier wird sie auf St. Bemard zurück- 
geführt. (Hist. Jahrbuch III, 2. Münster 1882, S. 289.) Vgl. 
auch Egerer Fronleichnamspiel V. 3861. Hartmann, Ober- 
ammergauer Fassionsspiel, S. 11 und 233. 

1 williqkum willkommen. 

1 mit Mitte, Mittelding. 

2 nyenantz = nyemantz. Vgl. Weinhold § 169. 
2 walgen sich wälzen, rollen. 

1 anthstag Ablaßtag, besonders der grüne Donnerstag, weil an diesem 
Tage von alters her den öffentlichen Büßern Ablaß ertheilt wurde. 

1 läglein Fäßchen. 6, 1 mushaws Speisehaus, Speisesaal. 

2 und 13, 2 ee hier: Testament. 

2 haub = Haupt. Abfall des t. Vgl. XIII, 29, 2 

2 salsß gesalzene Brühe. 

2 autsgesickt = ausgeschickt, s für seh. Vgl. Weinhold §. 154. 

1 pslus Beschluss. 

2 czersträet zerstreut. Vgl. XIV, 15, 2. 

1 heind heute mit Beziehung auf den Abend und die Nacht. Vgl. 
Schmeller a. a. O. I, 1135. 

1 frewt ==■ frewnt. über den Ausfall des n vgl. Weinhold §. 166. 

2 last == lass. Vgl. Weinhold §. 142. 
gefert Aufzug, Handlungsweise, Benehmen. 
nyndert nirgends, durchaus nicht. 
schuff schoß. 

ainen = ainem. Vgl. Weinhold §. 169. 
der ßnster süne Söhne der Finstemiss. 
frewtlich = frewntlich. Vgl. XIX, 12, 1. 
Denn ich habe eueren WiUen gethan. 
ge/ert Vgl. XX, 15, 1. 
Ein Holzschnitt in der um 1470 zu Ulm gedruckten Gaistlichen 

Vszlegong des lebes Jhesu Christi (vgl. Muther, Die deutsche 
Bücherillustration der Gothik 1884 S. 23, Nr. 102) Bl.n 5 a zeigt, 
wie ein Krieger dem Herrn, während ihn Judas küßt, eine Schlinge 
um den Hals wirft. Überhaupt finden wir viele der in den vor- 



1 
1 
1 
1 
2 
1 
2 
1 
1 



— 91 — 



Nr. Strophe Zeile 



XXII, 
XXIII, 

XXIV, 



XXV, 
XXVI, 

xxvn. 



XXVIII, 



XXIX, 



10, 2 



16 
17 
23 

30 
30 
32 
11 
20 
15 
41 
44 
46 
4 



11 
14 
23 
53 
7 
7 

15 

26 

6 

24 

6 

11 

12 

13 

17 

7 

8 

13 

16 

1 

2 

12 

12 

33 



liegenden Liedern geschilderten Züge genau übereinstimmend 
in den Passionscyklen der Zeichner des XV. Jahrh. wieder, so 
das XXVIir, 8, 1 erwähnte Eindrücken der Dornenkrone ver- 
mittelst zweier quer gelegter Stäbe (Gaistlich vszlegong Bl. o 7a; 
das um 1470 gedruckte Leiden Christi, das Stoeger 1833 u. d. 
T. »Zwei der ältesten deutschen Druckdenkmale« reproducirt 
hat; Hans Wächtlins Darstellung in dem 1508 zu Strabburg er- 
schienenen Leben Jesu Christi = Muther, Tafel 234 ; Dürers Pas- 
sion u. s. w. Vgl. C. Meyer , Geistliches Schauspiel und kirch- 
liche Kunst in Geigers Vierteljahrsschrift für Kultur u. Literatur 
der Renaissance 1, 366. 1886.) 

orsädl Ohrsitz d. i. das äußere Ohr. 

gerecht (dexter) recht. 

1 frayssam schrecklich, wild. 

2 vieng nahm sefangen. 

2 schrieren schrieen. Vgl. Weinhold §. 268; Schmeller, Bayr. 
Wtb. II, 593. 

1 spürczen spucken. 

2 sündrew besondere. 

2 voller kotz voll von Koth. 

1 müen unbequem sein, ärgern. 

2 czucken schnell und mit Gewalt ziehen. 

1 ee Gesetz. 15, 2 widerspänig widerspenstig. 

2 pa8 besser. 

1 czwier zweimal. 
gie. Vgl. XIII, 37, 1. sich heben sich erheben, aufmachen. 
frewt =i frewnt Vgl. XIX, 12, 1. Zur Sache vgl. Bonaventura 

a. a. O. 12, 603. 
wäpner Waffenträger. 

erpiten mit dem Genitiv der Sache: warten, erwarten. 
verhengen gestatten. 
verspürzen anspeien. 
Die Rede gefiel den Juden schlecht. 
drat schnell, alsbald. 
strenginkleich strenge. 
erczaigt = erczaigst. 
freyat sich sonst freyet sich freut sich. 
ander = andern. Abfall des n. Weinhold §. 167. 

2 Säle Säule. Vgl. Weinhold §.44. 

1 czucht Züchtigung. 

2 solle Schuhsohle. 

2 platten blau machen. 

2 erziehen übel zurichten. Schmeller a. a. O. II, 1107. 

2 kröten = krönten. Ausfall des n. Vgl. Weinhold § 166. 

1 Vgl. die Bemerkung zu XXI, 8, 1. 

2 hart kaum. 14, 2 spüczen speien. 
2 yndert irgendwo, .irgend. 

2 haup = haupt. Über den Ausfall des t vgl. Weinhold § 143. 
2 verbuntten verwundet. 

1 ee Gesetz. 

2 pusz Besserung, Abhilfe ; p. machen mit dem Genitiv der Sache. 
1 Die Zurückführung des Iraumes der Frau des Pilatus auf die 

bösen Geister findet sich bereits im Heliand. In der Über- 
setzung von Dr. C. W. M. Grein 1869 V. 5433 ff. heißt es: 
»Als nun die Seele des Judas in die Hölle kam, da erkannte 
Satanas, daß Christus durch seinen Kreuzestod all diese Welt 
zum Himmelreich erlösen wollte. Das war ihm ärgerlich, 
und er wollte diesen Tod hintertreiben, damit die Menschen 
nicht von der Hölle und von Sünden frei würden. Er begab 
sich am hellen Tage, mit dem unsichtbar machenden Helm 



Nr. Strophe Zeile 



XXX, 7, 2 

XXXI, 10, 1 
XXXII, 7. 



XXXIV, 



12, 2 

18, 2 



XXXIII, 1, 2 
4, 1 



9, 
13, 

18, 
19, 



2 
1 
l 
2 



30, 1 

8, 1 

15, 2 

23, 1 



XXXV, 21, 1 

31, 1 

32, 1 



— 92 — 

bekleidet, in die Burg des Pilatus und zeigte der Frau des- 
selben offen ein Wundergesicht, damit sie nelfen sollte, daß 
der bereits zum Tode verurtheiUe Christ sein Leben behielte : 
denn er wußte , daß derselbe ihm die Gewalt nehmen würde, 
daß er sie nicht mehr so mächtig über diese Welt hätte.« 
Wie Grein nachweist, liegt hier der Commentar des Beda zu 
Matth. XXVII 19, zu Grunde. Beda hat den Gedanken 
wohl von Gregor dem Großen (Expositio moralis in Job, 
lib. XXIII, 21) entlehnt. (Grein, Die Quellen des Heliand. 
1869, S. 109). In den Predigten und Passionsspielen des 
Mittelalters findet sich ganz dieselbe Darstellung (Histor. 
Jahrbuch IV, 2. 1883, S. 177). Milchsack, zum Heidelberger 
Passionsspiel 1880, S. 227 und zum Egerer Fronleichnamsspiel 
1881, S. 206. 

verspürczen anspeien. 

geletchen gleich machen. 

Die Schilderung der Kreuzigung ist dieselbe, welche in den 
Passionspredigten und geistßchen Schauspielen des Mittel- 
alters uns dargeboten wird. Die Quelle ist Bonaventura, 
a.a. 0. 12, 606. (Histor. Jahrbuch IV, 2. 1883, S. 180). Auch in 
der bildenden Kunst ist die hier beschriebene Scene genau 
entsprechend dargestellt; vgl. die Gaistlich vszlegong Bl.p 6a. 

pülhägs stumpf. Schmeller a. a. O. II, 840. 

toage Wage. Die Schacher wurden aufgehoben, während der 
.Herr noch wagerecht dalag (AUioli, Afterthumskunde 2, 271). 
»Auf der wage liegen« heißt auch »noch unentschieden, un- 
gewiß sein, nach welcher Seite der Ausschlag erfolgen werde«. 
(Schmeller II, 868). Demnach könnte hier der Sinn sein 
»während der Herr noch sein Schicksal erwartete«. 

Das es ist pleonastisch. Vgl, Grimm D. W. B. 3, 1138. 

Die Grube wird in der Gaistl. vszlegong als ein »staine loch« be- 
schrieben. Auf dem beigegebenen Bilde (Bl. p 7 b) heben zwei 
Knechte mit großen Gabeln die Querarme des Kreuzes in die 
Höhe, während zwei andere den mit einem Strick umschlunge- 
nen Fuß desselben in das Felgloch hinablassen. Vgl. auch 
Meyer in der genannten Vierteljahrsschrift 1, 369. 

gewang = gewann. Weinhold § 170. 

Vdch (von vahen) fang an! 

aufheben, einem etwas ihm Vorwürfe machen. Schmeller I, 1036. 

haihärttig = haimwertig. »Bring' uns nach Hausie!« 

schnöde unwerth, verächtlich. 

wert währt, hat Gültigkeit. 

gelainen anlehnen. 

Daß Maria bei dem Leiden des Herrn sich nicht das geringste 
Unwürdige oder Übertriebene habe zu Schulden Kommen 
lassen, ist eine Bemerkung, die wir schon bei Anselm nach 
dem Vorgange des Ambrosius finden (De instit. virg. c. 7) 
und die bei den mittelalterlichen Predigern zur stehenden 
Formel wurde. (Hist. Jahrbuch III, 2. 1S82, S. 310). 

erlauben Zutritt gestatten. 

es pleonastisch. Vgl. XXXIII, 1, 2. 

Als lang Adam im paradeys. Die heilige Schrift sagt uns, 
daß Christus drei Stunden am Kreuze gehangen habe, aber 
nicht, daß Adam drei Stunden lang im Paradies gewesen 
sei. In der Legenda aurea Jacobi a Voragine cap. 53 lesen 
wir: »Quia Adam fuit et peccavit in mense Martio feria sexta 
et hora sexta, et ideo Cnristus pati voluit in Martio, quia 
in die, qua fuit annuntiatus, fuit et passus. Item in feria 
sexta et hora sexta.« Ludolphus de Saxonia berichtet im 
LIV. Capitel seiner »Vita Christi«: »Qua hora primus Adam 



Kr. Strophe ZeUe 




33, 2 




34, 2 




36, 1 




37. 2 




38, 1 


yxxvi, 


2, 2 




10, 2 


XXXVII, 


6, 1 




9, 2 




10, 2 




16, 1 




26 ff. 


XXXVIII, 


3, 2 




8, 2 




11, 1 


XXXIX. 





XL, 



XLI, 



XLII, 



1, 2 

1 
2 
2 



10, 
16, 
29, 



9, 1 
10, 1 



10, 


3 


11, 


2 


12, 


4 


14, 


4 


23, 


3 


25, 


3 


4, 


2 


12, 


1 


16, 


2 


1, 


1 


3, 


2 


5, 


3 


5, 


4 


6, 


1 



12, 1 

12, 4 

13, 1 

14, 2 

15, 3 



— 93 — 

peccando mortem huic mundo induxit, eadem hora secundus 
Adam mortem moriendo destruxit, et qua hora Uli paradisus 
est occlusus, eadem hora iste paradisum aperuit.« 

erpudmen erbeben. 

Meg = hienff. Ausfall des n. Vri. Weinhold §. 166. 

erstuen. In aem Original, von welchem unsere Handschrift eine 
Copie ist, stand wahrscheinlich erstayn als Reim auf erschayn» 

dar wol = das. 

achmucken zusammenziehen, ducken. 

vertüunten verwundet. 

periet sich bedachte sich (von beraten^. 

Sie verzichteten auf ihr eigenes Regiment. 

der ordnete für den Herrn die Sache. 

genadelt = genagelt. Vgl. Weinhold §. 140. 

Mit wurder soll wohl heißen »mit wunder,« d. i. mit Ver- 
wunderung. 

Zu dieser Schilderung vergleiche man das Capitel »Von der Ab- 
lösung vom Kreuze« in Susos gesammelten Schriften. S. 380. 

gewilckelt gewickelt. Über den Einschub des 1 vgl. Weinh. §. 159. 

anig s= ainig. Vgl. Weinhold §. 7. 

waech = waich weicht. Weinhold §. 44. 

Der Inhalt dieses Liedes ist dem apokryphen Evangelium Nico- 
demi cap;, 21 und 22 entnommen. Vgl. Hofmann, Leben Jesu. 
S. 440. Über die dramatischen Darstellungen dieser Scene 
vgl. Milch«;ack zum Egerer Fronleichnamsspiel 1881 S. 281 ff. 
Wülker, Das Evangelium Nicodemi in der abendländischen 
Literatur 1872 S. 34, 68. 

an ain ort bis zum Ende, vollständig. Vgl. Lexer T. W., 4. Aufl. 
S. 182. 

prehen glänzen. 

thörr (fores) Thüre. 

seinen sind. 

Mit weinenden Stimmen. 

Zu XL und XLI vgl. Peter von Arbergs Tagweise in den Meister- 
liedern der Kolmarer Hs. hsg. von Bartsch 1862, S. 578. 

mit nickte fayr feire nicht ! 

last = lass. Weinhold §. 142. 

zwuersich Zuversicht. Über den Abfall des t vgl. Weinh. §. 143 

versehen bewahren. 

übersehen Nachsicht schenken. 

sich verwegen (eines Dinges) verzichten auf etwas. 

heiling Heiligen. Vgl. Weinhold §. 168. 

danpar = danckpar, Abfall des k. Weinhold §. 174. 

In der Handschrift steht das Wort »wee« viermal. 

muß entweder lauten: »Das klag vnz an mein ende,« oder der 
folgende Vers muß abgeändert werden: »vwc? du mein sei 
mit mir.« 

an ohne. verdarben verdorben. 

sich schmuckeil., sich schmiegen, ducken. 

czucke7i schnell und mit Gewalt ziehen, fortreissen. 

kumht = kumbst. 

widerun = widerum. Vgl. Weinhold § 169. 

sich verwegen vgl. XL, 14, 4. 

Waffen ist das gewöhnliche Ausrufungswort bei Suso eigent- 
lich = zu den Waffen! ach! wehe! (Ges. Schriften, S. 140). 

vngehing = vngewinn Schaden, Unglück, Verlust. Vgl. Wein- 
hold §. 170.' 

fehalte = pehalter. Über den Abfall des r vgl. Weinh. §. 162. 

in den raien walden sich üben. 

vnd das damit. Vgl. N. XLIV Überschrift. 



Nr. Strophe 

XXIII, 5, 

12, 
XLIV, 2, 

10, 
12, 

13, 



XLV, 

XLVI, 
XLVII, 



XLVIII, 



XLIX, 



L, 



LI. 



LH, 



4, 

8, 
5, 

2, 
11. 

11: 

4, 
4, 
2, 

8, 

9, 
4, 

5, 

9, 

14, 

18, 

22, 

26, 
33, 
34, 
38, 
43, 
43, 



43, 
44, 

45, 

49, 

7, 
9, 
11 



2, 
5, 
6, 

7, 

9, 
19, 



— 94 — 

Zeile 

3 ermayen belustigen, ergötzen. 

1 meinen = meinem. VgL XX, 34, 1. 

1 kurheylig kurzweylig. Über den Ausfall des z vgl. Weinhold 

§. 151. 
1 pa8, besser. 

3 ains ah we noch einmal so weh. 
1 kumbst lies: kumbts. 

3 zenueg = ze qenueg. eil. z. g. mehr als genug. 
3 eysnein von Eisen. 

hunt eine Art in den Strom getriebener Wehre (Schmeller, B. W. I, 
1127), ein Werkzeug der Böttcher, die Reifen um die Fässer 
zu legen (Grimm D. W. B. 4, 2, 1918). 

czainen zäunen. 

kechk keck. Vgl. Weinhold §. 182. 

mtis = muß es. 

wahrscheinlich hat die ursprüngliche Schreibweise »kurzwil« ge- 
lautet als Reim auf »tiefl«. 
1 pis münder sei munter! 

3 Eine jede Sünde hat ihre besondere Pein. 

8 Anstatt »o« ist wohl »so« zu lesen. 

4 Ich muß mich einmal dazu entschließen. 

ener jener. 

am mir. Vgl. XII, 3, 2. 

atrale Pfeil. 

meinen = meinem. Weinhold § 169. 

dick dicht, häufig. 

erarmen = erarnen erretten. Weinhold §. 139. 

erstoren erschüttern. Schmeller, II, 780. 

verren entfernen. 

verjehen eingestehen. 

verreren vergießen. 

sich nyeten, sich sättigen, ergötzen. Schmeller I, 1770. 

Steh' für mich als Bürge. 

seind seit. 

lies: ich pin des Reimes wegen auf »künigin«. 

walsam = baisam. plue Blüte. 

himelisches tawhe, lies: himelische. über diese Bezeichnung ver- 
gleiche: Grimm, Vorrede zur Goldenen Schmiede des Konrad 
von Würzburg, S,. XXXVII und XLVI. 

5 fruchpär fruchtbar. Über den Abfall des t vgl. Weinhold §. 143. 

1 lilium convallium Lilie des Thaies wird Maria nach dem Hohen- 

liede c. II, v. 1 genannt. Auch bei Suso, Ges. Schriften S. 352. 

2 und 3. Über diese Bezeichnungen vergleiche Grimm a. a. O. (43, 3) 

S. XLII und XLV. 
In meinem tollen Leben. 

gethuen ursprünglich wohl gethan als Reim auf lan (lassen). 

ringer geringer, leichter. 

leczt = lecz ähnlich wie lasst =s lass. Weinhold §. 142. 

sich leczen sich vor dem Abschiede noch einmal schmausend ver- 
gnügen (Grimm D. W. B. 6, 805). Der Sinn ist: Nimm noch 
eine Weile hier von mir Abschied! d. i. Bleibe noch eine 
Weile hier! 

3 Er war mir fremd geworden. 

1 an senden ohne Sehnen. Einschub von d. Weinhold §. 148. 

1 wencken wanken, weichen. 

3 Du dauerst mich nothgedrungen. Not ist Dativ. Vgl. Grimm 

D. W. B. 7, 914. 
3 wies mich drohend auf Leiden. 
3 feilen zu Fall bringen. 



8 
2 
4 
2 
3 
4 
4 
2 
3 
3 
1 
1 
1 
5 
2 
3 



— 95 — 



Nr. Strophe Zeile 

LIII, 5 

6 

7 

14 



LIV, 
LVI, 



LVII. 



LlXa 



LX, 
LXI, 



LXII, 



LXIII, 



15 

4 
6 
9 

10 
11 
11 
11 
12 



1 
2 
3 
3 



LVm, 4 
8 

10 
14 

LIX, 16 



10 
12 
16 
7 
1 
10 
12 
14 
14 
18 
19 
20 
20 

1 
2 

7 
1 

8 



9 

10 

12 

LXIV, 5 

6 
10 



2 
1 
1 
1 



1 
2 
5 
1 
4 



es. Vgl. XXX IIl, 1, 2. 

süech sucht. Über den Abfall des t vgl. Weinhold §. 143. 

yielleicht zu lesen: dreysick vnd drew (drei) iar. 

Der Bosenbaum des h. Kreuzes kommt bei Suso öfter vor, u. a. 

Ges. Schriften, S. 185 ff. Abgebildet in der Gaistlichen vszle- 

gong Bl. t 3 a (Muther a. a. 0. Tafel 61). 

1 geschmach Geruch, Duft. 

2 gewalt gewaltig, mächtig. 

3 der synn vgl. LXI, 14, 3. 

1 schneyh. Anschub von b. Weinhold § 126. »ob es schneie, oder 

wehe.« 
Mit Nichtachtung werden sie zum Weichen gebracht (enwicht). 
nur schont seiner nicht. 

frähat = freihart Lotterbube, Vagabund. Schmeller I, 815. 
gewand gewohnt. 
czwier zweifach. 
Der Inhalt des Liedes erinnert an das Büchlein von den neun 

Felsen bei Suso, Ges. Schriften S. 505. 
sprancze Geck, Stutzer. 
gewungen = gewunnen. Weinhold § 170. 

verdarmen Die Verdorbenen, zu Grunde Gegangenen. Weinh. §. 1 39» 
scherczer = scherczen. Weinhold §. 164. 
läppe einfältiger Mensch, Narr (darauf weist auch die folgende- 

Kappe). 
laicher Spielmann, Betrüger. 
schmaicker Schmeichler, Betrüger. 
knurren (knerren) schreyen. Schmeller I, 1353. 
vngeornen ungeordneten. Weinhold §. 148. 
pekan. Über den Abfall des t vgl. Weinhold §. 143. 
war wo. Vielleicht ist was zu lesen. 
pes böse. Weinhold §.13. 
pegnadest ist hier wohl Imperfectum = pegnadetest) oder es ist 

pegnadet zu lesen. 
laichen sein Spiel ..mit einem treiben, ihn foppen, betrügen. 
kran s== kranck. Über den Abfall des k vergl. Weinhold §. 174, 

4 inail Makel. 

2 peuar bevor, voraus. 8, 4 muter her hehre Mutter. 
1 pas besser. 

4 frähat siehe LVI, 11,2. 
1 gewungen siehe LVII, 1, 2. 

3 der synn siehe LIV, 6, 3. 

4 grosser = grossen. Vgl. Weinhold §. 164. 

3 mit nichtew nicht verstärkte Negation (Grimm, D. W. B. 7, 694). 

4 ring gering, leicht. 

3 schmucken siehe XLII, 1, 1. 

4 verdrucken gewaltsam niederdrücken, überwältigen. 
pucken biegen, bücken. czucken siehe XLII, 3, 2. 

6 sich verwegen siehe XL, 14, 4. 
4 armer = armen. Vgl. LXI, 14, 4. 

daß du nicht gebest. 

hyet Conj. Praet. von haben (Weinhold §. 321). Vgl. IV, 7, 1. 

ein stum ist ein stummer. 

der synn siehe LXI, 14, 3. 

reysen fallen, niederfallen. 

eigentlich schawen. 

iren irre machen, auf Abwege bringen. 

erpewt = erpiet Weinhold §. 84. erbieten darbieten, wert werth, 
würdig, herrlich. 

1 gena = genad. Über den Abfall des d vgl. Weinhold §. 149. 

2 mame Muhme. 



5 
1 
2 
1 
1 
3 

3 
1 



4 
1 
2 

1 
2 
1 
1 



96 — 



Nr. Strophe 

XXV, 2 



LXVb, 



LXVI, 
LXVII, 



LXVIII, 



LXX, 

LXXI, 
LXXIV, 



XXXV, 



LXXVI, 



LXXVII, 



xxxvm, 

LXXIX, 



9 

1 

10 

12 
13 
13 
15 

1 
1 
3 
3 
6 
1 



3 
4 
15 
15 
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2 vielleicht ist y>der vogelein« zu lesen. 

3 e^ ist pleonastisch greoraucht. Vgl. Nr. XXXIII, 1, 2. 

1 leichte = leichten. Weinhold §. 167. 

4 des (nämlich des Sehens) der plinte sich erwert woran er ver- 

hindert ist. 

2 tawh = taw. Über den Anschub von b vgl. Weinhold, §. 126. 

2 peaigen versiegt. 

3 gewingen = gewinnen. Weinhold §. 170. 

3 wenn es uns hart ergeht, und manches gebricl^t. 
enhresten fehlen, gebrechen. 

4 warr wahrer Weinhold §. 163. 

4 niembt niemand Weinhold. §, 353. 

5 parmherczerigkllchen sonst patniherczigklichen. 

6 und richte mich auf! 

1 weibplich. Vergl. Weinhold §. 123. 

2 Strophe 1 — 4 sprechen vier verschiedene Engel , wie im Drama 

vom jüngsten Gericht (Mone, Schauspiele des Mittelalters. 
1846. I, S. 279). 
4 czyfaltiq = czwy faltig. Über den Ausfall des w vergl. Wein- 
holä §. 135. 

4 sech^secht / Weinhold §. 143. 

4 enpfach = enpfacht \ ^ 

1 gie siehe XIII, 37, 1. 

3 dind = ding. Vergl. Nr. VII, 1, 2. 
1 erfreyd. Vergl. Weinhold §. 149. 

3 die dritte Zeüe wird jedesmal wiederholt. 

3 und nimmermehr wird ihresgleichen sein. 

Dieses Lied ist mit ähnlichen weltlichen Allegorien eines Liebes- 
gartens zu vergleichen, so mit dem Spruchgedicht von einem 
»Wurtzgarten« im Liederbuche der Nonne Clara Hätzlerin 
(ed. Haltaus 1840, S. 243) und mit dem »Plümleingertlein« im 
Münchener Cod. germ. 71 •, Bl. la (15. Jahrb.). Vgl. ühland 
Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage 3, 439. 

4 ewen = eben gleich, gleichmäßig. 

1 vor vorher. 

3 spranczen einherstolziren. 

2 plangen verlangen. 

4 wild = wilt du. 

2 gotbilligkum Gott willkommen! Bewillkommungsgruß. Schmel- 
1er, I, 961. 28, 2 reucht reicht. Weinhold §. 87, 

2 erpem vielleicht enpern entbehren. 

4 afterkosen verleumden. 40, 4 gegenbürttigkait Gegenwart. 

9 verdarmen vgl. LVII, 2, 5. 

2 drat schnell. 
10 waichen lenken. 
13 knydlein. Über den Einschub von d vergl. Weinhold §. 148. 

1 kalter Hirt, Hüter. 
halten hüten., 

2 himereich. Über den Ausfall des 1 vergl. Weinhold §. 159. 
2 heiling siehe XL, 23, 3. 

2 herdan von einem Orte her, weg. 

2 persundebar. Über den Abfall des r siehe Weinhold §. 162. 

1 erfreyd siehe LXX, 1, 1. 

2 erberen = erweren refl. sich erwehren. 
2 vor vorher. 

1 heiling siehe XL, 23, 3. 



Alphabetisches Yerzeichnis der Lieder nnd Melodien. 



Ein beigesetztes * bezeichnet einen bloß angeführten Liederanfang. 



Seite 

Ain kind geporen zu Pethlehem . . 76 

Als Judas nun den kusz volpracht . 24 

Ais nun der herr gegayselt ward. . 30 

Als nun der herr gekrönet ward . . 30 

Als nun der herr geurtailt ward . . 32 

Als nun der herr gewaschen het . . 21 

Als nun der herr hieng an dem krewz 34 

Als nun der herr ward dargepracht. 32 

Als nun des herren heilig sei . . . 35 

Am jüngsten tag 73 



Betrachten wir das leiden mer 
Bis vnuerdrossen, halter mein . 



29 
83 



Da er sein pet nun het volpracht . 23 

Da got nun mensch geparen ward . 13 

Das leyden Christi sey uns pey . . 25 

Der alle ding pesehajQfen hat 17 

Der Meye, der Meye bringt uns der 

Blümlein vil* 57 

Der Sünder, der sünder erfunden in 

todsüDden 45 

Des ersten tags der hohen zeyt . . 21 

Dies est leticie * X 

Dy nacht, als Christus ward gepam 5 

Dy Juden zu Jerusalem 20 

Dye künigk wurden underweyst . . 6 

Kin feste Burg ist unser Gott * . . 11 
Ein gartt, ein edler garten. . . .54,79 

Ein kind geporn zu Pethlehem 76 

Erfrey dich, himelkünigin 84 

Erfreue dich, Jerusalem 76 

Erstanden ist der heilig Crist ... 83 

Ej* flog ein klein Waldvögelein *. . 58 



Seite 
Es ist geporn ain kindelein .... 77 

Es ist nun alls vergangen 84 

Es liegt ein Schloß in Oesterreich * 45 

Fleuch, fleuch wider haim 67 



Halt mir noch lenger, frewnt der mein 
Heinz, wiltu Christa han * . . 
Herodes nicht des kintz vergas . 
Herr, deiner hilf pegeren wir . 
Herr, dir zu lob und auch zu er 
Hyet ich die gnad 



Ich klag mich armen sünder . . 
Ich rüff zu dir, o junckfraw . . 
Ich schrey und rüeff auf erden . 
Ich siech den margensteme . . 
Ich siech den tag her leichten . 
Ic sie die morgensterre * . . . 
Ir pitt, das ich euch singen sol 
Ir tanzer und spranzer 



83 
61 
8 
18 
25 
68 



48 
65,73 
49,63 
. 70 
. 71 
. 71 
. 58 
. 59 



Jherusalem, erfreyd dich nun ... 75 

Joseph, ain man, wie vorgenant . . 36 

Joseph, lieber Joseph mein .... 78 

Magnum nomen Domini* . . . 

Mein Mann der ist in Krieg gezogen* 61 

Xun halt mir schan, du frewnt der 

mein 82 

Nun hört zu disem rayen 56 

Nun ich pin frisch 55 

Nun laube, Lindlein, laube * . . . 54 

Nun loben wir, der uns peschueff . 9 

Nun loben wir dy himelküniginne . 69